Kommentar

Jetzt gilt in Bern die 1000er-Regel wieder: Die Spur von Gesundheitsminister Pierre Alain Schnegg führt ins Abseits

François Schmid-Bechtel
Im Wankdorf gilt wieder die 1000er-Regel. Das finden die Young Boys mässig witzig.

Im Wankdorf gilt wieder die 1000er-Regel. Das finden die Young Boys mässig witzig.

Pierre Alain Schnegg hat am Sonntag aus dem Nichts entschieden, dass im Kanton Bern ab sofort nicht mehr als 1000 Zuschauer ins Stadion dürfen. Ein Kommentar.

Wer Pierre Alain Schnegg bisher nicht kannte, kennt ihn spätestens jetzt. Er ist der Mann, der mit seinem Entscheid die Existenzängste im Berner Sport verschärft. Er ist der Mann, der die Schweiz düpiert, weil er im Alleingang die 1000er-Grenze bei Grossveranstaltungen in seinem Kanton wieder einführt. Er ist der Albtraum der Young Boys und des SC Bern. Er ist der Mann, der urplötzlich weltberühmt ist in der Schweiz.

Dem Berner Gesundheitsminister Profilierungssucht zu unterstellen, wäre bösartig. Aber man fragt sich schon, was den SVP-Mann da geritten hat. Panikmache? Aktionismus? Oder will er von der Überforderung der Behörden ablenken, weil man beim Contact Tracing an die Grenzen stösst? Schneggs Vorgehen ist bizarr. Just, als sich der Bundesrat mit den Kantonen gemeinsam auf verstärkte Massnahmen verständigt – die Auflagen für Grossveranstaltungen bleiben indes wie sie sind – prescht Schnegg vor.

Der Berner Gesundheitsminister Pierre Alain Schnegg.

Der Berner Gesundheitsminister Pierre Alain Schnegg.

Gewiss ist es schwierig, allen klar zu machen, warum eine spontane Ansammlung von mehr als 15 Personen verboten ist, während Tausende in eine Sportarena dürfen. Aber: Die Schutzkonzepte in unserem Sport funktionieren. Ligen und Klubs haben hervorragende Arbeit geleistet, damit seit 1. Oktober wieder so etwas wie Leben in die Stadien zurückgekehrt ist. Und nun kommt einer, und macht das alles wieder zunichte. Bleibt einzig die Hoffnung, dass kein anderer Kanton Schnegg folgen will.

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François Schmid-Bechtel

François Schmid-Bechtel

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