Es ist 22.45 Uhr, als Matias Delgado endlich darf. Den Pokal in Höhe stemmen. Den neuen Pokal, 13 Kilogramm schwer und Nachfolger der Trophäe, die in den vergangenen 30 Jahren von zehn Klubs mindestens einmal gewonnen wurde.

311 Tage nach dem ersten Saisonspiel gegen Vaduz (2:0). Das war im Juli 2015, und so recht wusste man beim FC Basel nicht, ob es gut kommt nach den Abgängen von Streller, Frei und Schär und mit dem neuen Trainer Urs Fischer, der Paulo Sousa ablöste. Es kam gut. Und quasi als Belohnung ist es kein geringerer als der berühmteste aller FCB-Fans, kein geringerer als Tennisgott Roger Federer, der den neuen Pokal ins Joggeli trägt und Delgado überreicht.

Reaktionen nach dem Abschlussspiel der Basler

Davide Callà zum neuen Pokal und dem speziellen Ehrengast

    

Reaktionen nach dem Abschlussspiel des FCB

Breel Embolo, fühlt sich geehrt, dass Roger Federer den Pokal überreichte.

Breel Embolo über Roger Federer

Zwei Stunden zuvor beginnt der Abend, wie es beim FC Basel am letzten Spieltag inzwischen die Regel ist: Mit viel Emotionen, Applaus, Tränen und griffigen Worten wird Abschied genommen. Dieses Mal von Philipp Degen, Walter Samuel und Behrang Safari. Während Degen und Samuel in den Ruhestand treten, setzt Safari seine Laufbahn in seiner Heimat Schweden fort. Das Trio hinterlässt eine grosse Lücke. Sie waren einerseits als Typen eminent wichtig für diese Mannschaft mit flacher Hierarchie. Vor allem aber hinterlassen sie sportlich tiefe Spuren.

Philipp Degen über seine Einwechslung: "Gänsehaut!"

Philipp Degen über seine Einwechslung: "Gänsehaut!"

Philipp Degens Nervosität vor dem Abschied

Philipp Degens Nervosität vor dem Abschied

«Wir vermissen euch alle»

In Zahlen: Da wurden am Mittwoch insgesamt 26 Meistertitel verabschiedet, 15 davon mit dem FCB. 1074 Pflichtspiele auf Klubebene. 116 Länderspiele für die Schweiz, Schweden und Argentinien. Ein Champions-League-Titel, eine Copa Libertadores (südamerikanisches Pendant zur Champions League) und ein Weltpokal. «Wir vermissen euch alle», rief FCB-Präsident Bernhard Heusler ins Rund. Degen, Safari und Samuel konnten die Tränen nicht zurückhalten. Und sagten, als sie die Worte fanden: «Danke für die Unterstützung, für alles. Es war nicht immer einfach, danke vielmals für alles.» (Degen) «Heute ist mein letzter Tag. Aber ich bin für immer ein Basler.» (Safari) «Es ist nicht einfach für mich, jetzt zu sprechen. Danke!» (Samuel)

Über 30 000 Zuschauer pilgerten bei milden Temperaturen nochmals in den St. Jakob-Park, um eine weitere erfolgreiche Saison zu feiern. Die siebte in Folge. Doch bevor die langersehnte Party im Stadion und danach auf dem Barfüsserplatz steigen konnte, waren die letzten 90 Minuten zu absolvieren. In dem es für Rot-Blau um nichts, für GC aber um sehr viel ging: Europa-League-Qualifikation ja oder nein, lauteten die zwei Möglichkeiten für die Hoppers. Um nicht auf das Ergebnis des FC Sion in Luzern angewiesen, mussten sie gewinnen. Und taten dies auch. Der Dank der Zürcher ging dabei an FCB-Verteidiger Adama Traoré, dem kurz vor der Pause ein Eigentor der üblen Sorte unterlief. Beim 1:0 blieb es. Und so nahm die Saison für GC nach der miserablen Rückrunde doch noch ein versöhnliches Ende. In welche Richtung es in der kommenden Spielzeit geht, hängt auch stark davon ab, wie die Schlüsselspieler Munas Dabbur und Shani Tarashaj ersetzt werden, für die es am Mittwoch die Derniere im GC-Dress war.

FCB-Trainer Urs Fischer zur letzten Niederlage der Saison

FCB-Trainer Urs Fischer zur letzten Niederlage der Saison

Degen und Samuel mit Ehrenrunde

Die zweite Halbzeit plätscherte ohne Höhepunkte vor sich hin. Was den Blick nach Lugano und Zürich erlaubte, wo der Abstiegskampf tobte. Schon früh waren die Weichen für den Untergang des FC Zürich gestellt, was das Publikum im St. Jakob-Park mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis nahm. Der Grossteil jubelte natürlich, als die Zwischenstände eingeblendet wurden und der lange surreal scheinende Abstieg des FCZ reale Züge annahm.
Doch sowohl im FCB- als auch im GC-Fanlager gibt es solche, für die der Verlust der Derbys gegen den FCZ schwerer wiegt als die Schadenfreude über den Abstieg. Verständlich: Mit Lugano, Vaduz, Thun und Lausanne, aber ohne FCZ versprüht die kommende Ausgabe der Super League noch weniger Glanz.

Urs Fischer zum Abstieg des FCZ

Urs Fischer zum Abstieg des FCZ

Kurz vor dem Anpfiff gilt die Aufmerksamkeit wieder dem Geschehen im Joggeli: Das Drehbuch der Partie lässt es zu, dass Walter Samuel und Philipp Degen ihren letzten, sehnlichst erhofften Kurzeinsatz erhalten. Ihre Einwechslung ist der finale Startschuss zu einer langen Partynacht, die bis zum Morgengrauen andauert.

Partie verpasst? Lesen Sie den geasamten Spielverlauf in unserem Liveticker zum Spiel nach: