2022 werden sie bei den übernächsten Winterspielen in Peking wieder dabei sein. Zum ersten und für lange Zeit einzigen Mal seit 1952 reisen die Schweizer mit berechtigten Medaillen-Hoffnungen zu einem olympischen Turnier. Es ist für alle eine «Jahrhundert-Chance» auf ewigen Hockey-Ruhm. 1952 reichte es zum 5. Platz. Das wäre 2018 eine ähnlich leise Enttäuschung wie 1952. Damals gehörten die Schweizer als WM-Dritter zu den Turnier-Favoriten.

Um herauszufinden, wer zum olympischen Helden taugt und wer nicht, durfte die Nationalmannschaft soeben erstmals seit 1979 wieder beim Spengler Cup üben. Und am Ende gab es die perfekte Generalprobe. Die Schweizer werden beim olympischen Turnier am 15. Februar im ersten Spiel gegen Kanada antreten. Beim Spengler Cup haben sie ihre letzte Partie im Final ebenfalls gegen Kanada gespielt.

Fischer wurde ausgecoacht

Beide Mannschaften werden am 15. Februar auf dem Papier ungefähr gleich stark sein wie über die Festtage in Davos. Die Schweiz hat gegen Kanada 0:3 verloren. Die ernüchternde Rückkehr in die Wirklichkeit des internationalen Hockeys nach den offensiven Festspielen beim 8:3-Halbfinal-Sieg gegen Davos.

Fischer wurde «ausgecoacht»

Fischer wurde «ausgecoacht»

Der Zauberlehrling Patrick Fischer (42) ist in diesem Final wieder einmal ausgecoacht worden. Von Willie Desjardins (60) und Dave Kings (70), zwei «Kutusows des Hockeys», zwei Legenden mit über 1000 Spielen Erfahrung aus dem internationalen Hockey, der NHL, der KHL und den nordamerikanischen Farmteamligen. Aber Patrick Fischer ist lernfähig. Am 15. Februar trifft er ja im ersten Spiel in Südkorea wieder auf die Kanadier. Wieder auf Willie Desjardins und Dave King. Dann werden wir sehen, ob er seine Hausaufgaben gemacht hat.

Scherwey drängt sich auf

Das ist Zukunftsmusik. Vorerst dreht sich alles um die Frage: Wer wird ein olympischer Held? Der Nationaltrainer nominiert 3 Torhüter, 8 Verteidiger und 14 Stürmer (siehe Eishockeyservice). Was jetzt noch weitgehend ausgeblendet wird: Wen Patrick Fischer mit auf die Reise nimmt und wen nicht, wird auch den Ausgang unserer Meisterschaft stark beeinflussen.

Da passt es gut, dass sich beim Spengler Cup eigentlich nur ein Spieler für ein Aufgebot empfohlen hat, dessen Name vor dem Turnier noch nicht ganz oben im Notizblock von Patrick Fischer stand: Tristan Scherwey. Ausgerechnet noch einer vom SC Bern.
Unter Umständen werden mit Thomas Rüfenacht, Simon Moser, Gaëtan Haas, Simon Bodenmann und Tristan Scherwey fünf SCB-Stürmer im Aufgebot stehen. Dazu Torhüter Leonardo Genoni und die Verteidiger Eric Blum und Ramon Untersander.

Viel SCB ist logisch

Geht so viel SCB hockeypolitisch? Ja, es geht. Schliesslich ist der SCB Titelverteidiger und die mit Abstand beste Mannschaft der laufenden Saison. Viel SCB ist also logisch. Aber sportlich ist das olympische Turnier für den SCB nicht ungefährlich. Es kann sein, dass auch zwei oder gar drei SCB-Ausländer von den Kanadiern oder Amerikanern nominiert werden und Justin Krueger für die Deutschen nach Südkorea reist.

Der SCB ist momentan mit Abstand die stärkste Mannschaft in der National League

Der SCB ist momentan mit Abstand die stärkste Mannschaft in der National League

Dann würden elf oder zwölf SCB-Spieler, die bessere Hälfte der Mannschaft, bei einem Hockeyturnier acht Zeitzonen weg kurz vor den Playoffs viel Energie verbrauchen. Trainer Kari Jalonen könnte während dieser Zeit gar nicht richtig trainieren. Seine Herausforderer in Zürich, Lugano, Zug und Davos hätten klar bessere Voraussetzungen für die entscheidende Phase in der Meisterschaft. Dazu kommt eine erhebliche Verletzungsgefahr. Auch jene, die unverwundet vom grossen Olympiafeldzug heimkehren, werden müde sein – körperlich und auch anderweitig.

Die olympische Ausrede

Kein anderer Klub bringt ein auch nur annähernd so grosses olympisches Opfer wie der SCB. Es könnte daher sein, dass der SCB die Zeche für das olympische Abenteuer bezahlt und die Meisterschaft genau deshalb nicht gewinnt. Doch für einmal gäbe es für einen gescheiterten himmelhohen Favoriten die beste, schönste und edelste aller Ausreden. Sozusagen die olympische Ausrede.

Sollte der SCB entgegen allen Erwartungen im In- und Ausland nicht zum dritten Mal in Serie Meister werden, kann SCB-General Marc Lüthi mit staatsmännischer Gelassenheit verkünden: «Wir haben unsere Titelhoffnungen ewigem olympischem Ruhm geopfert, für uns war das Wohl unseres Hockeys wichtiger als eine Meisterfeier auf dem Bundesplatz.» Und niemand könnte ihm widersprechen.