FC Basel

Keine Probleme, kein Chaos: Bernhard Burgener spricht öffentlich, und präsentiert seine heile Welt

Bernhard Burgener an der Vorstellung von Ciriaco Sforza - die in eine Burgener-Show ausartet.

Bernhard Burgener an der Vorstellung von Ciriaco Sforza - die in eine Burgener-Show ausartet.

Der FCB-Präsident spricht seit Wochen erstmals wieder öffentlich – und verkennt, in welchem Chaos der Verein versinkt.

Eigentlich wäre es an diesem Donnerstagnachmittag ja um Ciriaco Sforza gegangen. Darum, dass er der neue Cheftrainer des FC Basel ist. Für zwei Jahre hat er unterschrieben, kommt als ehemaliger Spieler des FC Bayern und Inter Mailand mit diesem Quäntchen Star-Appeal, das man in Basel so mag. Aber Ciriaco Sforza war nicht der Hauptdarsteller in der Loge des Joggeli. Sondern «der Herr Präsident», wie Sforza Bernhard Burgener immer wieder nannte. Denn für den Herrn Präsidenten war es der erste öffentliche Auftritt seit Wochen. Und dies in Zeiten, in denen Trainer in gemeinsamen Einvernehmen gehen (Marcel Koller), Trainer hinschmeissen (Alex Frei), Sportchefs zurücktreten (Ruedi Zbinden), Spieler vergrault werden (Ricky van Wolfswinkel) oder die Stadionmiete nicht bezahlt wird. Entsprechend musste Burgener mehr Fragen beantworten, als ihm lieb war. Vor allem mehr, welche vom Thema Sforza abwichen. Er versuchte, sich zu erklären, bis ihm die Argumente ausgingen. Und er nur noch seine Uneinsichtigkeit demonstrierte. Die wichtigsten Aussagen von Bernhard Burgener über ...

... den Entscheid, Ciriaco Sforza zum neuen FCB-Trainer zu ernennen:

«Ciriaco Sforza hat uns überzeugt, weil er das Spiel und die Menschen lesen kann. Es macht mir eine besondere Freude, ihn als neuen Trainer vorstellen zu dürfen. Wir hatten mehrere Kandidaten, haben alles professionell geprüft und sind schliesslich einstimmig zum Schluss gekommen, dass wir mit ihm die beste Wahl treffen. Wir haben sein Feuer gespürt.»

... die Gründe, mit Marcel Koller nicht zu verlängern:

«Ich kann fairerweise nur positiv über Marcel Koller reden. Er hat eine hervorragende Arbeit gemacht unter nicht einfachen Bedingungen. Er ist immer ruhig geblieben und hat Geschichte geschrieben. Ich bin einer, der sich an Verträge hält, und wenn er Meister geworden wäre, dann hätte sich sein Vertrag verlängert. Das ist bekannt und da stehen wir dazu. Wenn er europäisch in den Final gekommen wäre, hätten wir auch versucht zu verlängern. Er hat sich aber auch Gedanken gemacht und so sind beide zu dem Ergebnis gekommen, dass für beide Seiten ein Neustart besser ist.»

... das, was Sforza zur besten Wahl macht und was ihn auszeichnet:

«Wir haben vor drei Jahren gesagt, dass für uns etwas vom Wichtigsten ist, dass wieder viele junge Spieler in der ersten Mannschaft sind. Was Ciriaco Sforza gemacht hat, mit 23 Jahren ins Ausland zu Kaiserslautern, Bayern und Inter Mailand zu gehen und die Champions League zu gewinnen, das sind Dinge, die nicht viele gemacht haben. Da haben die jungen Spieler, die in unserem Team sind, eine Persönlichkeit vor sich, die einzigartig ist. Und eine, die profitiert hat davon, als Junger eine Chance bekommen zu haben (Profi-Debüt mit 16, Anm. d. Red.). So weiss er, wie wichtig das ist. Darum bin ich so begeistert und habe mich den anderen vier Personen in den Gesprächen am Sonntag und Montag bei der Meinung angeschlossen, dass er der Richtige ist.»

... diese vier anderen Personen, welche in den Auswahlprozess des neuen Trainers involviert waren:

«Das waren eine externe plus drei interne Personen. Da bitte ich aber um Verständnis, dass ich das nicht nach aussen tragen möchte, wer das genau ist.»

... die fragwürdigen Prozesse auf dem Weg der Trainersuche, welche zu den Rücktritten von Sportchef Ruedi Zbinden und U21-Trainer Alex Frei führten:

«Dazu möchte ich zwei Dinge sagen: Es ist richtig, dass der Sportdirektor seinen Rücktritt geben hat und wieder als Chefscout arbeiten wird. Das war seine Entscheidung und wir haben das so entgegen genommen. Es ist aber auch so, dass der FCB über einen Haufen Sportexperten verfügt, auch über externe Berater. Diese haben alle zusammen geschaut, welcher Trainer-Kandidat sich am besten präsentiert und unseren Plan, den wir haben, am besten unterstreicht.»

... die Vorwürfe, die Alex Frei in seinem Kündigungsschreiben erhebt, dass beim FC Basel Respekt gegenüber Mitarbeitern fehle:

«Das ist die Sichtweise von Alex. Ich habe immer gesagt: Ich bin der Kapitän und ich schaue, dass das Boot auf Kurs bleibt. Wenn das Schiff in Not ist und man ums Überleben kämpft, dann laufe ich nicht davon. Herr Frei hat gekündigt und damit ist das Thema für uns erledigt.»

... die Neubesetzung des Posten des Sportchefs:

«Die Nachfolge bei der sportlichen Leitung ist nicht für heute traktandiert. Wir werden nichts überstürzen. Wichtig war jetzt, dass wir sicherstellen konnten, dass wir am Dienstag mit dem Training starten können und dann alle bereit sind.»

... das Kader für die nächste Saison und mögliche Abgänge:

«Wir waren in Transferthemen bewusst sehr zurückhaltend. Wir wissen, dass es immer wieder Gerüchte gibt. Von all den Angeboten, die herumgeistern, ist bei uns aber noch keines eingetroffen. Natürlich gibt es immer wieder Situationen wie bei Jonas Omlin oder Noah Okafor, in welchen der Spieler gehen will und wir immer sehr gute Vereinbarungen getroffen haben, auch für unseren Verein. Und wir haben mit Arthur Cabral bewiesen, dass wir auch immer bereit sind, Schlüsselspieler gleichwertig zu ersetzen. Jetzt planen wir aber mit den Spielern, die wir haben.»

... die Ziele für die neue Saison:

«Wir haben vor allem ein Ziel: Es gibt nur den Meistertitel. Selbstverständlich wollen wir auch europäisch mitspielen. Wie entscheidend das ist, haben wir gesehen. Und klar: Wir wollen auch nächste Saison wieder in den Cupfinal. Aber der Meistertitel ist das, was die Fans und die Stadt erwarten. Vorne dabei sein reicht nicht, das nehme ich so entgegen. Darum werden wir auch auf die Qualität der Mannschaft wert legen und diese hoch halten.»

... über den Tiefpunkt, den man in den letzten Wochen durch diverse Verfehlungen erreicht hat:

«Ich sehe keinen Tiefpunkt. Wenn der dritte Platz, ein Viertelfinal in der Europa League und eine Cupfinal-Teilnahme ein Tiefpunkt sind, dann habe ich etwas falsch verstanden. Ich sage immer: Basel ist speziell, Basel ist ein bisschen wie Barcelona oder Bayern. Wenn man nur vorne mitspielt und nicht Erster wird, dann gibt es solche Medienberichte wie in den letzten Wochen. Das Einzige, was diese zum verstummen bringt, ist der Meistertitel.»

... die Tatsache, dass nicht der fehlende Meistertitel das Problem ist, sondern viel grundlegendere Dinge. So zum Beispiel, dass intern eine schreckliche Stimmung herrscht:

«Da wissen Sie mehr als ich. Bei jenen internen Leuten, mit denen ich geredet habe, vernehme ich, dass wir eine gute Stimmung haben.»

... die konstante Unruhe im Verein:

«Es ist unruhig. Okay, das darf es ja sein. Deswegen sind wir trotzdem erfolgreich. Unsere Aufgabe ist es, das Beste für den Verein zu geben, und das machen wir.»

... die Dinge, die aus seiner Sicht falsch laufen:

«Die Kritik verstummt, wenn wir Meister werden. (zögert, und schliesst dann auf eine weitere Nachfrage an) Sie finden immer ein Haar in der Suppe. Aber wir geben zu, Fehler gemacht zu haben. Es gab Veränderungen. Aber ich habe gewusst, dass es ein schwerer Ritt werden würde. Ich kann aber mit Kritik leben.»

... seine Gefühlslage bei all den Rücktrittsforderungen gegen ihn:

«Ich muss sagen, das ist unangenehm. Meinen Rücktritt zu fordern ist schön und gut, aber ich besitze den Klub. Ich habe die Verantwortung. Die Mitarbeiter sind das Wichtigste für mich. Für sie stehe ich ein. Was wäre da ein Rücktritt für ein Zeichen? Das hat Herr Schettino (ehemaliger italienischer Kapitän und verantwortlicher Schiffsführer bei der Havarie des Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia, welcher frühzeitig von Bord ging, Anm. d. Red.) gemacht. Ich bleibe an Bord.»

... die Möglichkeit, ab Oktober wieder 60 Prozent des Stadions mit Fans füllen zu dürfen und die damit zusammenhängende Liquidität des Vereins:

«Wir haben am Anfang gewusst, dass die Liquidität bis August reicht, dann bis Oktober, und die erfreuliche Nachricht ist nun, dass wir bis etwa Februar oder März sicher sind. Entscheidend ist, dass der Verein keine Schulden hat und keinen Kredit aufgenommen hat. Dass wir dennoch gute Nachrichten vermelden können, liegt zum einen daran, dass so viele Fans bereits eine Halbjahreskarte gelöst haben. Zum anderen sind wir auch dank des Verkaufs von Jonas Omlin gut aufgestellt. Und da Albian Ajeti vor Kurzem weiter transferiert wurde, werden da auch noch einmal fünf Millionen fällig. Zentral ist aber vor allem, dass wir ab Oktober wieder vor Zuschauern spielen dürfen.»

... die seit April nicht bezahlte Stadionmiete:

«Da kann ich nur sagen, dass wir zwei Mal ein Gespräch angeboten haben. Und dass wir gerade dabei sind, einen Termin abzumachen.»

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