Kommentar
Super League verbannt wegen Corona Gästefans bis Ende Jahr aus den Stadien: Ein cleverer Schritt

Ein möglicher Entzug der Spielbewilligung für YB-FCB. Die Forderung nach personalisierten Tickets. Der Konflikt zwischen Politik und Sport wird grösser. Nun beschliesst die Swiss Football League, bis Ende Jahr keine Gästefans mehr in die Stadien zu lassen. Dabei geht es um mehr als nur eine Massnahme gegen Corona. Ein Kommentar.

Etienne Wuillemin
Etienne Wuillemin
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Nur noch die Kurven des Heimteams (hier in St.Gallen) dürfen bis Ende Jahr gefüllt sein. Gästefans sind in der Super League bis zur Winterpause ausgeschlossen – wegen Corona.

Nur noch die Kurven des Heimteams (hier in St.Gallen) dürfen bis Ende Jahr gefüllt sein. Gästefans sind in der Super League bis zur Winterpause ausgeschlossen – wegen Corona.

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Die Nachricht kommt am Mittwochnachmittag und damit nur kurze Zeit, nachdem das Bundesamt für Gesundheit die Rekordanzahl Corona-Ansteckungen in diesem Jahr innert eines Tages (12’598) kommunizierte: Bis Ende Jahr sind im Schweizer Fussball keine Gästefans mehr zugelassen. Die Swiss Football League argumentiert, dass angesichts der angespannten epidemiologischen Situation, Reisen von Fans, zumeist dicht gedrängt in Zügen, nicht mehr zu verantworten sind. Zudem setzt sich die Liga auch mit dem Thema «2G» für Zuschauer auseinander.

Keine Auswärtsfans mehr wegen Corona? Mag sein. Doch in Tat und Wahrheit steckt noch viel mehr hinter dieser Massnahme.

Die Fronten zwischen Sport und Politik haben sich in den letzten Wochen verhärtet. Im Zentrum stehen dabei die sogenannten «personalisierten Tickets». Die Politik – konkret: die Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren KKJPD – fordert, dass Tickets bereits ab nächster Saison nur noch kaufen kann, wer seinen Namen angibt. Die grosse Hoffnung ist, dass mit dieser Massnahme die Fangewalt sinkt.

Ob die Hoffnung nicht eher ein Irrglaube ist, sei einmal dahingestellt. Fakt ist: In der Politik haben derzeit gerade Stimmen die Oberhand, die ganz grundsätzlich mehr Repression gegenüber Fussballfans befürworten. Vor allem auf kantonaler Ebene. Aber auch Sportministerin Viola Amherd setzt auf eine härtere Linie als ihre Vorgänger.

Bundesrätin Viola Amherd zieht die Schraube an.

Bundesrätin Viola Amherd zieht die Schraube an.

Keystone

Derweil das Thema personalisierte Tickets am Freitag ein nächstes Mal verhandelt wird, sorgt der «Fall Bern» für Aufregung. Sicherheitsdirektor Reto Nause liebäugelte damit, dem Spiel YB-FCB vom nächsten Mittwoch die Bewilligung zu entziehen, weil Basler Fans in Bern rund um das Spiel eine Art Jahresabschlussparty veranstalten wollen – inklusive Glühweintrinken und Fanmarsch zum Stadion. Dass die Liga selbst nun Nause zuvorkommt und Gästefans bis Ende Jahr verbietet, ist ein cleverer Schritt. Denn für die Liga geht es derzeit nur um eines: unter allen Umständen eine Eskalation zu verhindern. Hinter den Kulissen arbeitet sie daran, dass die KKJPD ihre vorschnellen, nicht ganzheitlich durchdachten Forderungen noch einmal überdenkt. Konkret: Dass nicht bereits in der Saison 2022/23 personalisierte Tickets eingeführt werden.

Ob die Stadt Bern dem Spiel YB-FCB unter den neuen Voraussetzungen die Bewilligung erteilt, ist zur Stunde noch unklar. Es ist jedoch davon auszugehen. Nun fragt sich, wie die Basler Fans reagieren. Verzichten sie auf ihre Reise nach Bern und tragen damit einen Teil zur Deeskalation bei? Oder sorgen auch sie mit unüberlegten Aktionen dafür, dass in weiten Teilen der Bevölkerung und in der Politik das Unverständnis gegenüber obrigkeitswidrigen Fussballfans weiter wächst? So, wie das nach den dümmlichen Aktionen einiger Fangruppierungen in den letzten Wochen bereits passiert ist.

Die FC-Basel-Fans dürfen in Bern nicht ins Stadion. Doch verzichten sie auch auf die Fahrt in die Bundeshauptstadt?

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Das Thema wird Sport und Politik noch eine Weile begleiten. Auch deshalb ist es dringend von Nöten, dass sämtliche Parteien einen Schritt aufeinander zugehen.

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