Langlauf
Der «Engadiner» wird zum Weltcup-Rennen: Was die Organisatoren tun, um den Lauf für die Profis genügend anstrengend zu machen

Die Weltcup-Rennen Ende Saison in Oslo und Peking sind abgesagt, das Engadin springt ein. «Engadiner»-Geschäftsführer Menduri Kasper erklärt, wie es dazu kam, wie man die Zuschauer vom Rennen abhalten will, welche Zusatzschlaufen es geben wird – und was das Rennen für die Volksläufer bedeutet.

Ralf Streule
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Das Elitefeld des Engadiners 2019.

Das Elitefeld des Engadiners 2019.

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Menduri Kasper hat bewegte Wochen hinter sich. Zuletzt musste der Geschäftsführer des «Engadiners» wegen Corona den zweiten Skimarathon in Folge absagen. Immerhin konnte er eine Alternative für die Volksläufer ankünden: In individuellen Starts im Zeitraum von zehn Tagen können die Hobbysportler Anfang März per Zeitmess-Chip den Lauf doch noch absolvieren. 900 Anmeldungen dafür gibt es bisher. «Eine gute Zahl», findet Kasper - doch vergleichbar mit dem richtigen «Engadiner» mit 14'000 Teilnehmern ist das Ganze natürlich nicht.

Die Schweizer reagierten am schnellsten

Nun ist dem Engadiner OK doch noch so etwas wie ein Coup gelungen: Da die Wettkämpfe am Holmenkollen in Oslo wegen Corona nicht stattfinden, übernimmt das Engadin am zweiten Märzwochenende vier Weltcup-Rennen – just am original «Engadiner»-Wochenende also. Swiss-Ski und das Engadiner OK reagierten bei der Absage in Holmenkollen am schnellsten und setzten sich gegen Schweden und Russland durch, die ebenfalls Interesse an der Weltcup-Austragung gezeigt hatten.

Am Samstag, 13. März, starten die Profis um Surlej/Silvaplana zu einem Massenstartrennen. Am Sonntag findet eine Verfolgung auf der Strecke des «Engadiners» statt - mit einigen Streckenanpassungen gegenüber dem Skimarathon. Die Frauen starten ihren 30-Kilometer-Lauf in St.Moritz, die Männer ihren 50-Kilometer-Lauf in Maloja. Beide Renntage werden vom Schweizer Fernsehen übertragen.

Mehr Kosten als Einnahmen – dafür ein PR-Effekt

Im Engadin gab es nach der Absage des Skimarathons ohnehin Pläne für ein Eliterennen, sagt Kasper. Dass es nun der Weltcup ist, freut ihn umso mehr. Finanziell seien die Rennen für sie zwar alles andere als interessant. Was man aber nicht vergessen dürfe:

Menduri Kasper, Geschäftsführer Engadin Skimarathon

Menduri Kasper, Geschäftsführer Engadin Skimarathon

«Es ist beste Werbung für das Tal, für den Langlauf, für den Engadiner.»

Durch das Weltcuprennen vom Sonntag ergibt sich eine kleine Änderung für das Individualrennen der Volksläufer. Sie dürfen ihr persönliches Rennen im Zeitfenster vom 5. bis zum 13. März laufen, am «Engadiner-Sonntag», dem 14. März, aber nicht - da es im Ziel in S-chanf zu Ansammlungen kommen könnte, wie Kasper sagt.

Zuschauer sind nicht erlaubt – die ganze Strecke kann aber nicht kontrolliert werden

Dennoch dürften viele Volksläufer die Reise ins Engadin am traditionellen Rennwochenende trotz Absage des Marathons auf sich nehmen. Dies könnte zu einer Herausforderung für das OK werden, da am Weltcup-Rennen keine Zuschauer zugelassen sind. «Natürlich werden wir nicht die ganzen 50 Kilometer absperren können», so Kasper. Man werde aber die neuralgischen Punkte wie Start und Ziel für Zuschauer sperren.

Damit die Männer im Weltcup auf ihre 50 Kilometer kommen - und nicht nur auf die 42 Kilometer der Marathonstrecke - sind laut Kasper Zusatzschlaufen in Silvaplana und eine neue Streckenführung bei Celerina geplant. Dazu kommen beim Schlussaufstieg einige Schlaufen mit weiteren Steigungen - um die Spreu vom Weizen zu trennen. Die Hügel, welche die Hobbyläufer gegen Ende an den Anschlag bringen, werden für die Cracks also noch etwas herausfordernder.

Bleibt die letzte Frage: Kommt auch das norwegische Team, das zuletzt in Mitteleuropa auf Weltcup-Rennen verzichtete? Nach seinen Informationen plane das norwegische Team, zu kommen, sagt Kasper. «Was sich aber natürlich auch immer noch ändern kann.»