Langlauf-Saisonende
Der «Engadiner» als Weltcup-Rennen: Profitieren Cologna und Co. von ihren Skimarathon-Erfahrungen?

Am kurzfristig einberufenen Langlauf-Weltcup-Final im Engadin sind gleich drei ehemalige Schweizer «Engadiner»-Gewinner am Start. Ob sie am Sonntag von ihrer Erfahrung aus dem Skimarathon profitieren können, ist aber fraglich - und hängt stark vom Rennen am Samstag in Silvaplana ab.

Ralf Streule
Drucken
Teilen
Flugaufnahme vom Engadiner 2019 in Silvaplana. Hier werden am Wochenende die Weltcupläufer unterwegs sein.

Flugaufnahme vom Engadiner 2019 in Silvaplana. Hier werden am Wochenende die Weltcupläufer unterwegs sein.

Remy Steinegger / swiss-image.ch

Dieses Wochenende geht eine seltsame Langlauf-Weltcupsaison zu Ende. Seltsam, weil sie von Rennabsagen geprägt war und von der Abwesenheit des norwegischen Teams in vielen Rennen. Nun geht sie auch irgendwie seltsam zu Ende. Niemand hätte Anfang Saison für möglich gehalten, dass der Weltcup-Final im Engadin stattfinden würde. Für die Organisatoren des «Engadiners» ist es so etwas wie ein Coup. Nachdem der Volkslauf hatte abgesagt werden müssen, hoffte man zunächst auf einen Engadiner für Eliteläufer.

Dass es nun gar zum Weltcup-Final kommt zwischen Maloja und S-chanf, ist den Organisatoren und Swiss Ski zu verdanken, die schnell reagierten, als die Rennen am Holmenkollen in Oslo abgesagt worden waren. Engadiner-Rennleiter Adriano Iseppi ist einer der Initianten der Idee. Er war überrascht, wie schnell der internationale Skiverband FIS vom spontanen und aussergewöhnlichen Vorschlag angetan war. Und, ebenfalls wichtig: Die Norweger werden dabei sein, was gemäss Iseppi eine Bedingung war für die Organisation des Anlasses.

Adriano Iseppi, Engadiner-Rennleiter und SRF-Kommentator

Adriano Iseppi, Engadiner-Rennleiter und SRF-Kommentator

Oscar Alessio

Rennleiter Adriano Iseppi: «Es wird spannend zu sehen sein, was in diesen Rennen passiert.»

Aussergewöhnlich ist die Idee, weil am Samstag zunächst ein Klassisch-Massenstartrennen in Silvaplana geplant ist, am Sonntag dann mit den Abständen aus jenem Rennen in eine Skating-Verfolgung gestartet wird, die Männer über 50 km von Maloja nach S-chanf, die Frauen mit Start in St. Moritz über 30 km, zum grossen Teil auf der Original-Engadiner-Strecke. Diese Idee hat die FIS überzeugt. «Es wird spannend zu sehen sein, was in einer Verfolgung mit wohl knappen Abständen auf der Skimarathon-Strecke passiert», sagt Iseppi.

Iseppi freut sich auch deshalb, weil das Engadin in den zwei Tagen viel TV-Präsenz erhalten wird. In Skandinavien werden Weltcup-Rennen ohnehin stark verfolgt. Und für viele Volksläufer wird es interessant sein, die Schnellsten der Welt auf der ihnen bekannten Strecke unterwegs zu sehen. Klaebo im Stazerwald, Bolschunow auf dem Silsersee - vielleicht hätte es diese Konstellation ohne diesen Weltcup nie gegeben.

Programm Engadiner Weltcup-Final

Samstag, 11.40 Uhr: 15 km klassisch Männer in Silvaplana/Surlej (Massenstart)
Samstag, 15.30 Uhr: 10 km klassisch Frauen in Silvaplana/Surlej (Massenstart)
Sonntag, 8.15 Uhr: 30 km freie Technik Frauen. Start in St.Moritz (Verfolgung)
Sonntag, 10.35 Uhr: 50 km freie Technik Männer. Start in Maloja, Ziel in S-chanf (Verfolgung)

Schweizer Weltcup-Teilnehmer vereinen sechs Engadiner-Siege

Vorfreude gibt es aber auch bei den Schweizer Athletinnen und Athleten, dies ist ihnen am Tag vor dem Start nach den Skitests förmlich anzusehen. Drei von ihnen konnten den Volkslauf schliesslich schon gewinnen: Dario Cologna vier Mal, Roman Furger drei Mal und Nadine Fähndrich im Jahr 2018. Werden sie mit dieser Bilanz zu Mitfavoriten für die Rennen? «Wenn's so einfach wäre», sagt Furger. Der Skatingspezialist befürchtet, dass er sich am Samstag im Klassischrennen, bei dem sehr viel Doppelstock-Einsatz nötig sein wird, einen zu grossen Rückstand einhandeln könnte. «Man hätte einfach den Marathon zum Weltcup-Rennen mit Massenstart machen sollen», findet er. Die besseren Aussichten hat wohl Cologna. Er rechnet damit, dass es in der Verfolgung am Sonntag auf der Marathonstrecke schnell zu einem Zusammenschluss an der Spitze kommen könnte - und er Chancen hat, da mit von der Partie zu sein. Dann könnten ihm Streckenkenntnisse tatsächlich zu Gute kommen. Auch wenn in den Kilometern vor dem Ziel die eine oder andere steile Zusatzschlaufe geplant ist.

Roman Furger und Nadine Fähndrich gewinnen 2018 den Engadiner, Furger nach 2012 und 2016 zum dritten Mal.

Roman Furger und Nadine Fähndrich gewinnen 2018 den Engadiner, Furger nach 2012 und 2016 zum dritten Mal.

Remy Steinegger / swiss-image.ch

Klaebo, Bolschunow, Johaug: Wer sonst?

Die Favoriten, das wird letztlich im Engadin nicht anders sein als an der WM, heissen Johannes Klaebo und Alexander Bolschunow, die Favoritin ist wie fast immer Therese Johaug. An einer Sache werden Norwegens Klaebo und Johaug nach ihrer zwischenzeitlichen Weltcup-Absenz aber nichts mehr ändern können: Die Weltcup-Gesamtsieger stammen nicht aus Norwegen. Die US-Amerikanerin Jessica Diggins und der Russe Alexander Bolschunow gewinnen den Gesamtweltcup, in der Sprintwertung sind es der Italiener Federico Pellegrino und die Slowenin Anamarija Lampic. Daran werden auch die Rennen im Engadin nichts mehr ändern.

Aktuelle Nachrichten