Frauenfussball

Lara Dickenmann zu ihrem Nati-Rücktritt: «Ich werde als Profi aufhören»

Mit 135 Länderspielen Schweizer Rekord-Internationale: Lara Dickenmann (oben).

Die Luzernerin Lara Dickenmann (33), die als Aushängeschild des Frauenfussballs gilt, spricht über den Rücktritt aus dem Nationalteam, ihre schönsten Erinnerungen im Dress des Nationalteams und über ihre Zukunft.

Nach überstandenem Kreuzbandriss haben Sie erklärt, aus dem Nationalteam zurückzutreten. Wie schwer ist Ihnen der Entscheid gefallen, nie mehr für die Schweiz zu spielen?

Lara Dickenmann: Ich habe auf mein Bauchgefühl gehört, allerdings war es ein längerer Prozess. Vor einem Jahr entschied ich mich, dass ich nach der WM in Frankreich aufhören möchte. Durch den erlittenen Kreuzbandriss verschob sich alles nach hinten.

Dachten Sie doch wieder daran, noch einmal für die Nati zu spielen?

Ja, ich liebäugelte ein wenig damit, vielleicht noch einmal anzugreifen. Doch inzwischen ist die Sache geklärt, ich fühle mich ziemlich gut mit dem gefällten Entscheid.

Was sind die schönsten Erinnerungen im Dress des Nationalteams?

Gerne erinnere ich mich an mein erstes Länderspiel vor 17 Jahren gegen Frankreich. Ein sehr schönes Gefühl war, als wir uns für die WM in Kanada qualifizieren konnten. Das war eine enorme Erlösung, weil wir endlich unser grosses Ziel erreicht hatten. Die Endrunde war dann ebenso ein positives Erlebnis mit den vielen Zuschauern in den kanadischen Stadien.

Was sind die betrüblichen Erlebnisse gewesen in der Landesauswahl?

Einmal waren wir in der WM-Qualifikation Gruppenerster, scheiterten aber in den Playoffs. Das war ein harter Modus, damals war es schwierig, das WM-Ticket zu holen. Die EM in den Niederlanden war ebenfalls eine Enttäuschung wie die letzte WM-Ausscheidung für Frankreich. Wir schienen in der Gruppe bereits durch zu sein, mussten dann aber in die Playoffs und scheiterten schliesslich an den späteren WM-Finalisten, den Niederländerinnen. Das war extrem, hat weh getan.

Spitzensport ist bekanntlich kein Wunschkonzert, Sie waren zu diesem Zeitpunkt bereits verletzt ausgefallen, fehlten dem Team. Letztlich können Sie auf eine glanzvolle Karriere als Internationale zurückblicken mit 135 Länderspielen und 53 Treffern.

Zahlen interessieren mich nicht. Für mich zählt die schöne Zeit, die ich im Kreis des Nationalteams verbringen durfte – und vor allem auch, dass ich meinen Beitrag leisten konnte, den Frauen-Fussball weiter zu bringen.

Das ist Ihnen zweifellos gelungen. Sie haben jetzt noch zwei Vertragsjahre beim VfL Wolfsburg. Welche Ziele verfolgen Sie?

Zuerst will ich mich wieder in die Mannschaft zurückkämpfen. Nach der langen Verletzungspause muss ich hart dafür arbeiten. Schaffe ich es wieder auf den Rasen, will ich die verbleibende Zeit als Profi geniessen – und so viele Titel wie möglich mit Wolfsburg gewinnen.

Könnten Sie sich vorstellen, nach der Zeit bei Wolfsburg mit 35 Jahren nochmals in der Schweiz zu spielen?

Früher wollte ich in die Schweiz zurückkehren, doch die Liga müsste sich massiv verändern. Heute kann ich mir nicht mehr vorstellen, den ganzen Tag zu arbeiten und am Abend Fussball zu spielen. Ich werde als Profi aufhören. Anschliessend möchte ich im Fussball tätig bleiben.

Mit all Ihren Verdiensten für den Schweizer Fussball und international in den USA, bei Lyon und Wolfsburg dürfte es für Sie leicht sein, nach der Karriere einen Job zu finden.

Dazu muss ich aber zuerst meine Qualifikationen haben, es reicht nicht, nur eine Fussballerin gewesen zu sein. Ich lasse es auf mich zukommen. Klar ist: Im Frauen-Fussball gibt es viel zu tun, sei es in der Schweiz, in Deutschland oder weltweit.

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