Die Los Angeles Lakers sind eine der Premiummarken im US-Sport, die Organisation ist 3,8 Milliarden Dollar wert. Die Lakers zehren von ihrer Geschichte, von all den Granden, die dieses lila-goldene Trikot trugen: Kobe Bryant, Shaquille O’Neal, Magic Johnson, Kareem Abdul-Jabbar.

Doch während die von klugen Marketingmitarbeitern kunstvoll in Szene gesetzte Vergangenheit und der Milliardenmarkt Los Angeles die Kassen noch immer klingeln lassen, ist das sportliche Produkt der Gegenwart ein Trauerspiel. Die letzte Playoff-Qualifikation datiert von 2013, seither hat kein Team der Liga mehr Spiele verloren als die stolzen Lakers.

Ein oft vorgetragener Vorwurf an die Lakers lautet, dass der Franchise die Verpackung wichtiger sei als der Inhalt; die Besitzerin Jeanie Buss kennt sich damit aus: Sie steht einer Vereinigung für Frauen im Wrestling vor, einer Art von Unterhaltung, bei dem die Show alles ist.

Erstmals seit 2005 nicht dabei

Der Mann, der die Wende hätte herbeiführen sollen, heisst LeBron James, der beste Basketballer der Gegenwart. James, 34, wurde im Sommer wie ein Zar empfangen, doch von der Flitterwochenstimmung der Anfangszeit ist nichts übrig geblieben.

16 Spiele vor Schluss ist die Playoff-Teilnahme nur noch mathematisch möglich, James dürfte im Tanz der Giganten erstmals seit 2005 fehlen. Das ist nicht in erster Linie sein Fehler, vielmehr haben die Lakers es nicht geschafft, um ihn herum ein auch nur halbwegs brauchbares Team aufzubauen.

Es fragt sich, ob James mit dem Wechsel nach Los Angeles die falsche Entscheidung getroffen hat, wo er sich den Arbeitgeber doch frei aussuchen konnte – und auch Titelanwärter wie die Philadelphia 76ers um ihn warben. Doch so einfach ist es nicht, die Gründe, weshalb sich James für die schillernde Westküstenmetropole entschied, reichen weit über den Sport hinaus.

Er hat das kürzlich selber noch einmal klargemacht: «Es gibt nichts, was ich in dieser Liga noch brauche, ich habe alles.» Das stimmt, James ist dreifacher NBA-Champion, vier Mal wurde er zum wertvollsten Spieler der Liga gewählt.

Auf dem Weg zum Milliardär

Doch die Aussage sorgte in Los Angeles verständlicherweise für Irritation, schliesslich hat der «King» all diese Auszeichnungen fernab von Kalifornien, in Miami und Cleveland, gewonnen. Den Transfer zu den Lakers vollzog er nicht zuletzt aus familiären Gründen – seine Kinder geniessen weitgehend Anonymität – und Geschäftsinteressen. Los Angeles bedeutet Big Business, und in der Vergangenheit hat er mehrfach darüber gesprochen, dass es sein Ziel sei, Milliardär zu werden.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es so weit ist. Alleine der lebenslange Schuhvertrag mit Nike soll in den nächsten knapp 30 Jahren eine Milliarde wert sein, dazu hat James in der NBA über 230 Millionen Dollar eingenommen. Daneben hat er in den letzten Jahren in allerlei investiert, von einer Pizzakette über Kopfhörer und ein Medienunternehmen bis zum FC Liverpool.

Aufmerksamkeit ist ihm gewiss

Dazu wird 2021 «Space Jam 2» in die Kinos kommen, ein potenzieller Kassenschlager mit James in der Hauptrolle – es ist der Nachfolgefilm zum Klassiker aus den 1990er-Jahren mit Michael Jordan und Bugs Bunny.

LeBron, so kann man das sehen, hat sich durchaus zum König von Los Angeles aufgeschwungen. Streift man durch die Stadt, kommt man an seinem Konterfei und Trikots mit seinem Namen kaum vorbei, dazu dominiert er die Schlagzeilen der lokalen Gazetten und Onlinemedien fast ununterbrochen.

Egal, zu welchem Thema er sich äussert: Die Aufmerksamkeit ist ihm gewiss, was den Geschäftsinteressen nicht schadet. Die sportlichen Rückschläge wird James vor diesem Hintergrund verschmerzen können. Wie sagte er noch: «Alles, was ich jetzt noch gewinne, ist nur das Sahnehäubchen auf der Torte.» Ein bisschen wirkt es, als habe James den Geist der Lakers-Organisation schon verinnerlicht.