Es hatte sich etwas angekündigt in Lausanne. Die milden Temperaturen und der geringe Wind liessen vor allem bei den Sprintern die Freude auf das Diamond-League-Meeting steigen. Als dann um 20:03 Uhr die Frauen über 400 m flach eine erste volle Bahnrunde absolviert hatten, wurde offensichtlich, was in Lausanne am Freitagabend möglich sein könnte. In 49,17 Sekunden sorgte die WM-Zweite von London, Salwa Eid Naser, für einen Meeting-Rekord. Um fast drei Zehntel unterbot die 21-jährige bahrainische Sprinterin nigerianischer Herkunft die 23-jährige Bestmarke der Französin Marie-José Perec. Und Nasers Auftritt sollte Fanal sein für das, was noch folgte.

Und das Folgende trug insbesondere den Namen Noah Lyles. Der US-Sprinter war mit grossen Erwartungen in Lausanne empfangen worden - und löste ein. Rund 100 Minuten nach Nasers starker Eröffnung auf der Bahn legte der 21-jährige Showman nach. In 19,50 Sekunden dominierte Lyles das Feld über 200 m klar - und sorgte neben der Jahresbestleistung auch für eine persönliche Bestzeit und Meeting-Rekord. Erst drei Männer sind die 200 m überhaupt schneller gelaufen, als Lyles dies in Lausanne tat.

Grosse Ziele von Fraser-Pryce nach Babypause

Im stark besetzten Rennen über 100 m der Frauen meldete sich Shelly-Ann Fraser-Pryce auf höchster Stufe zurück. Die 32-jährige Jamaikanerin sicherte sich nach ihrer Babypause in 10,74 den Sieg in Lausanne. Zwar verpasste die Doppel-Olympiasiegerin, die sich 10,60 als Saisonziel gesetzt hat, ihre persönliche Bestleistung um vier Hundertstel, was ihrer Zufriedenheit im Ziel allerdings keinen Abbruch tat. Die britische Europameisterin Dina Asher-Smith (10,91) und die WM-Zweite von London 2018, Marie Josée Ta Lou der Elfenbeinküste (10,93) belegten die Plätze 2 und 3.

Im 100-m-Sprint der Männer siegte Justin Gatlin ungefährdet. Der bereits 37-jährige Olympiasieger triumphierte bei leichtem Rückenwind in 9,92 Sekunden, Landsmann Michael Rodgers blieb als bester vom Rest in 10,01 knapp über der 10-Sekunden-Marke.

Piotr Lisek als lachender Vierter

Die Sonne in Lausanne schien auch ausserhalb des Sprinter-Universums. Ein hochkarätiges Finale bot der Wettkampf der Stabhochspringer. Als Dreikampf zwischen dem französischen Weltrekordhalter Renaud Lavillenie, dem schwedischen Europameister Armand Duplantis und dem US-Amerikaner Sam Kendricks erwartet, spielte der Pole Piotr Lisek einen viel umjubelten Spielverderber.

Erstmals in seiner Karriere übersprang der WM-Zweite von London die 6,01 m und sorgte wie Lyles in Lausanne für eine Jahres-Weltbestleistung und Meeting-Rekord. Während Lisek als lachender Vierter den Sieg einheimste, klassierten sich die Favoriten Kendricks (2./5,95), Duplantis und Lavillenie (beide 3./5,81) direkt dahinter.