Leichtathletik

Schweizer Frauen fühlen sich nicht unter Druck

Lea Sprunger (links), Selina Büchel und Mujinga Kambundji posieren fürs Foto.

Lea Sprunger (links), Selina Büchel und Mujinga Kambundji posieren fürs Foto.

Die Sorgenkinder Mujinga Kambundji, Selina Büchel und Lea Sprunger sehen keinen Grund zur Sorge. Vor der Athletissima in Lausanne am Freitagabend versprüht das Trio Zuversicht.

Der Schein trügt offenbar. Die mageren Resultate der Aushängeschilder der Schweizer Frauen-Leichtathletik sorgen nur bei Aussenstehenden für Stirnrunzeln: "Ich bin nicht beunruhigt", sagte Lea Sprunger, "Ich habe keine Zweifel", stellte Selina Büchel klar, "Die Form wird noch kommen", betonte Mujinga Kambundji. In den vergangenen Jahren wäre ein solch unbeschwerter Auftritt am Genfersee nicht möglich gewesen, weil der Grossanlass vor der Tür stand. Diesmal bestand kein Grund zur Panik - drei Monate verstreichen noch bis zu den Weltmeisterschaften in Doha.

Sprunger, die Europameisterin über 400 m Hürden, fügt als Erklärung handfeste Gründe an: Eine Entzündung im Lendenwirbel erforderte Anpassungen, die Reise im Mai an die Staffel-WM nach Japan zehrte an der Substanz, das Einleben im neuen Umfeld in den Niederlanden - sie folgte ihrem Trainer Laurent Meuwly - kostete Energie. "Ich hatte in der Saisonvorbereitung einige Probleme, das brachte mich in Rückstand. Aber jetzt geht alles viel besser, ich bin auf dem richtigen Weg", hielt die Westschweizerin fest. Vor dem Heimpublikum werde sie bestimmt etwas schneller laufen.

Deshalb setzt sich die 29-Jährige die Olympia-Limite von 55,40 Sekunden zum Ziel - die erfüllte Norm für Tokio 2020 wäre allerdings noch kein Grund zum Freudensprung, bei Sprunger müssten 54er-Zeiten die Regel sein.

Trainer-Wechsel

Die 800-m-Läuferin Selina Büchel beendete vergangenen Herbst nach mehr als zehn Jahren die erfolgreiche Zusammenarbeit mit ihren Jugendtrainern Marlis und Urs Göldi. Ihr neuer Trainer heisst Louis Heyer, der Cheftrainer Mittel- und Langstrecken bei Swiss Athletics. Kommen da nach einem schwachen Saisonstart nicht Zweifel auf, ob dies der richtige Schritt war? "Nein, es fühlt sich gut an, keine Zweifel", betonte die Toggenburgerin. Mit Heyer habe sie schon in den letzten Jahren rund um internationale Meisterschaften mit Erfolg zusammengearbeitet. "Es war mehr ein fliessender Übergang als ein Schnitt".

Büchel trainiert nun öfters in St. Moritz. Dort findet sie ein passendes Umfeld, ideale Trainingspartnerinnen, und als Nebeneffekt absolviert sie eine Light-Variante des Höhentrainings - ohne Übernachtung in noch höheren Regionen. Nach dem Meeting vom kommenden Dienstag in Luzern wird die 27-Jährige für einen dritten Block ins Engadin reisen. Nun gilt der Fokus Lausanne. "Es dürfte ein schnelles Rennen geben, das habe ich aus den Gesprächen heraus gespürt", meinte Büchel. Vielleicht gelingt der Schweizerin sogar wieder ein Lauf unter 2 Minuten, so wie sie das in den Jahren 2015 bis 2017 regelmässig geschafft hat.

Lange Pause

Mujinga Kambundji verlässt sich primär auf ihr Gefühl, wegen der zahlreichen Trainerwechsel hat sie auch kaum Referenzwerte. "Nancy war katastrophal, aber das Rennen vergangenen Sonntag war schon ganz okay. Die Bahn war nicht schnell", sagte die Bernerin. Tatsächlich kamen auch die Weltbesten beim Diamond-League-Meeting in Stanford in Kalifornien trotz vorteilhaftem Wetter nicht unter 11 Sekunden ins Ziel. "Die ersten 60 m in den USA waren gut", meinte die Schweizer Rekordhalterin. "Die Form wird schon noch kommen."

Im Gegensatz zum Jahr 2018 legte Kambundji nach der Hallensaison eine längere Pause ein. "Ich komme jetzt von tiefer unten", nannte die 27-Jährige den Hauptgrund für den mässigen Einstieg. Nun will sie die Form aufbauen und bis in den Herbst halten. Also keine zwei Peaks, wie es beispielsweise die US-Athleten mit den Trials kennen.

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