Apropos
Vier Freunde sollt ihr (nicht) sein

Ist es das Testosteron? Der Mikrokosmos der Sprinter präsentiert sich als Macho-Welt. Grossmäuligkeit gehört zum Geschäft, ein Bluff zur rechten Zeit verunsichert den Gegner. Die Athleten kommen derart breitbeinig daher, Westernheld John Wayne selig hätte seine Freude daran gehabt.

Rainer Sommerhalder
Rainer Sommerhalder
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Bei der Schweizer 4x100 m Staffel (im Bild Salomé Kora (zweite von rechts) und Mujinga Kambundji) herrscht Harmonie.

Bei der Schweizer 4x100 m Staffel (im Bild Salomé Kora (zweite von rechts) und Mujinga Kambundji) herrscht Harmonie.

Keystone

In diesem Kontext eine funktionierende und erfolgreiche Staffel zu formen, ist ein schwieriges Unterfangen. Sogar Sprinterinnen können jenseits eines verdächtigen Testosteronspiegels bisweilen zu Gockeln mutieren. Da wirkt die aktuelle Harmonie bei den Schweizerinnen erfrischend anders. Man sieht es den Staffel-Girls auf der Bahn an, dass sie gemeinsam Spass haben. Und schnell sind sie – vielleicht gerade deshalb – auch. So schnell, dass sie an der EM gar von Gold träumen dürfen.

Ein wenig anders präsentiert sich die Situation bei den Männern. Das leidige Thema mit Staffelläufer Pascal Mancini ist allseits bekannt. Die umstrittenen Rechtsaussen-Posts in den sozialen Medien haben den Freiburger die EM-Teilnahme gekostet. Dass Swiss Athletics dabei zuerst die Staffelkollegen von Mancini gefragt habe, ob sie ihn noch im Team wollten, gehört dabei ins Reich der Zeitungsenten. Hätte der Verband es so gemacht, die Antwort wäre nicht eindeutig gewesen. Das Argument, dass man mit ihm schneller wäre, mag bei manchen Athleten wichtiger sein als eine politische Gesinnung.

Das Schweizer Staffel-Projekt bei den Männern existiert schon seit längerem. Auf einen grünen Zweig ist man noch nicht gekommen. Dies mag mit der Qualität der Athleten zusammenhängen, vielleicht aber auch mit dem Egoismus derselben. Wer Augen im Kopf hat, erkennt rasch, dass selbst die beiden früheren Basler Klubkollegen Alex Wilson und Silvan Wicki kaum je miteinander in die Ferien reisen werden. Der Rollenkampf um den Platzhirsch lässt grüssen.

Knatsch bei den Sprintstaffeln hat Tradition. Nicht immer steht ein Athlet im Kernpunkt. Als Mujinga Kambundji vor zwei Jahren freiwillig verzichtete und Alex Wilson vor drei Jahren aus dem Team geknallt wurde, hiess der Trainer beide Male Laurent Meuwly. Auch Chefs haben manchmal einen sturen Kopf.