In 59:13 Minuten verbesserte der 22-Jährige den Europarekord des einstigen Bahn-Dominators Mo Farah um beeindruckende 19 Sekunden und seinen eigenen Schweizer Rekord um knapp eine Minute. Wanders liess sich in einem hochkarätigen Feld zu einer Zeit auf Weltklasse-Niveau anspornen. Als weitaus bester Europäer lief er am frühen Freitagmorgen (Start des Rennens um 7 Uhr Lokalzeit) in den 4. Rang. Auf den kenianischen Sieger Stephen Kiprop (58:42) büsste er lediglich 31 Sekunden ein.

Auf der völlig flachen Strecke zeigte der aus seiner kenianischen Trainingsbasis in Iten angereiste Schweizer keine Schwäche. Er hielt sich während des ganzen Rennens in den vordersten Positionen auf, und als sich an der Spitze zwei Läufer absetzten, leistete er an dritter Position laufend immer wieder Nachführarbeit.

Mit seiner Zeit von 59:13 Minuten war der Romand klar schneller als Mo Farah 2015 in Lissabon. Wanders ist erst der fünfte Europäer, der diese Distanz in weniger als 60 Minuten gelaufen ist. Viktor Röthlin oder Tadesse Abraham, seine Vorgänger als Schweizer Strassenlauf-Asse und beide Europameister im Marathon oder Halbmarathon, stiessen gemessen an der Zeit nie in solche Bereiche vor.

"Es ist cool, erneut einen Rekord von Mo Farah gebrochen zu haben. Meine Entwicklung geht weiter", sagte Wanders im TV-Interview. "Ich glaube, es wäre sogar eine 58er Zeit möglich gewesen."

59:13 Minuten hätten im Jahr 2005 noch Weltrekord bedeutet. Erst die Lauflegende Haile Gebrselassie durchbrach 2006 die Marke von 59 Minuten. Seit vergangenen Oktober steht der Weltrekord bei 58:18 (Abraham Kiptum, Kenia). Die rasante Rekordentwicklung hat auch damit zu tun, dass viele Top-Läufer die Bahn links liegen lassen und gleich von Beginn an auf die finanziell lukrativere Strasse setzen. Auch Wanders wählt diesen Weg, obwohl er im Sommer einen Abstecher auf die Bahn macht und vergangenen August an den EM in Berlin über 10'000 und 5000 m zwei Finalklassierungen (Top 8) herauslief.

Kein Schweizer Leichtathlet treibt seine Karriere seit den Jungendjahren derart kompromisslos voran wie Wanders. Der schweizerisch-französische Doppelbürger brach nach der Matura auf, um sich den Traum vom Top-Läufer zu erfüllten. Der Sohn einer Musiker-Familie reiste erstmals nach Kenia. Seither lebt und trainiert er mehrheitlich im Läufermekka Iten auf 2400 Meter über Meer. Mit seiner kenianischen Freundin logiert er bescheiden in einem Zweizimmer-Häuschen, sein Trainer Marco Jäger betreut ihn von Genf aus.

Zweifacher Europarekordhalter

Nach seinen beiden Europarekorden über 10 km auf der Strasse im Oktober in Durban (27:32) und im Dezember in Houilles (27:25) reihte sich Wanders nun auch über die Halbmarathon-Distanz ganz zuvorderst in Europas Bestenliste ein. Mit seinem U23-Europarekord im Februar 2018 in Barcelona (1:00:09) figurierte er in der kontinentalen Allzeit-Bestenliste an 7. Position, nun liegt der WM-8. über diese Distanz auch bei den Aktiven an der Spitze.

Nach seinem erfolgreichen Lauf im nördlichsten Teil der Vereinigten Arabischen Emirate kehrt Wanders nun für einige Tage in die Schweiz zurück. Sein nächstes Rennen läuft er am Sonntag, 17. Februar, in Monaco. Im Fürstentum tritt er zu einem Strassenrennen über 5 km an. Ein historisches Rennen: Der Weltverband IAAF mit Sitz in Monaco anerkennt neu auch über diese Distanz Rekorde. Sofern der Sieger unter 13:42 Minuten ins Ziel kommt, ist er der erste Weltrekordhalter.