Fussball
Andi Wiederkehr kehrt auf die Trainerbank zurück

Der Dietiker Andi Wiederkehr, der frühere Trainer des FC Urdorf, ist nach zwei Jahren berufsbedingter Pause wieder aktiv – beim Drittligisten SV Würenlos. «Ich musste mich neu orientieren – dieser Job jetzt passt für mich», sagt der 42-Jährige.

Raphael Biermayr
Drucken
Teilen
Andi Wiederkehr (links) gratuliert den Urdorfern vor einigen Wochen zum Verbleib in der 2. Liga

Andi Wiederkehr (links) gratuliert den Urdorfern vor einigen Wochen zum Verbleib in der 2. Liga

Raphael Biermayr

Gewinnend lächelt seit längerer Zeit ein Rotschopf von zahlreichen Plakaten im Limmattal. Es ist Andi Wiederkehr, der in der darauf beworbenen Filiale einer Bank in Schlieren Kunden in Finanzfragen berät. Der frühere Profifussballer – unter anderen GC, FCZ und Xamax – ist in der «normalen Arbeitswelt» angekommen, nachdem er in diesem Bereich ein Suchender gewesen war.

Deshalb hatte er vor zwei Jahren auch dem Fussball den Rücken gekehrt, nachdem er mit dem FC Urdorf den Verbleib in der 2. Liga geschafft hatte. «Ich musste mich neu orientieren – dieser Job jetzt passt für mich», sagt der 42-Jährige strahlend. Und so kehrt Wiederkehr in den Fussball zurück, an der Schwelle zum zürcherischen Limmattal, als Trainer des Drittligisten SV Würenlos. Der Kontakt sei über Fredy Strasser zustande gekommen. Der Sportchef des Aargauer war früher in gleicher Funktion in Aarau und Wil bereits Weggefährte von Wiederkehr.

Der Aufstieg ist das Ziel

Der SVW ist ein ruhiger Verein. Es ist Wiederkehr selbst, der den offensichtlichen Vergleich mit dem FCU zieht. «Es ist wie damals: Es wird nicht gezahlt, die Infrastruktur ist bescheiden – vielleicht sogar noch etwas bescheidener als in Urdorf.» Damit spielt der Dietiker wohl auf den Umstand an, dass in Würenlos die Anwohner der Anlage Ländli besonders heikel sind, was den Spielbetrieb anbelangt. Vor einigen Jahren ging der Fall durch die Medien, der letztlich sogar vor Bundesgericht verhandelt wurde, als man den Spielbetrieb nur bis 21 Uhr erlauben wollte. Die höchste Instanz sprach sich dann für einen Spielbetrieb bis 22 Uhr aus.

Für Wiederkehr zählt das Jetzt. Er ist dabei, das Team zu ergänzen, um sein Ziel zu erreichen: «Ich will aufsteigen», sagt der Familienvater unumwunden. In Anbetracht des Erreichens der Aufstiegsspiele in der vergangenen Saison erachte er diese Vorgabe nur als logisch. In der vorletzten Spielzeit war Würenlos noch in der 2. Liga aktiv. «Auch in diesem Punkt ist es ähnlich wie damals in Urdorf: Zu stark für die 3.Liga, zu schwach für die 2. Liga», hat Wiederkehr den Eindruck.

Dank seiner Verbindungen und seiner Beliebtheit fiel es ihm leicht, über der Kantonsgrenze Gegner für Vorbereitungsspiele zu finden. Matches gegen Oetwil-Geroldswil, Schlieren und auch seinen Ex-Verein Urdorf stehen auf dem Programm. Gegen Letzteren kommt es nicht nur für Wiederkehr zu einem Wiedersehen mit alten Bekannten. Torhüter Samuel Winkler wechselte unlängst von Würenlos nach Urdorf in die 2. Liga, weshalb die Aargauer nun ohne Schlussmann dastehen. Zu Reibereien mit den «Stieren» kam es deshalb aber nicht. «Ich hatte ein gutes Gespräch mit Sandro Agosti (FCU-Präsident, Anm. d. Red.), so ein Wechsel ist Part of the Game», sagt der in Hüttikon wohnhafte
Limmattaler.

Profigeschäft kein Thema

Den Wiedereinstieg ins Trainergeschäft sieht Wiederkehr nicht als Sprungbrett für eine zweite grosse Karriere im Fussball. «Das Profigeschäft ist nichts mehr für mich, da spielen zu viele Faktoren zusammen, die ich nicht beeinflussen kann», erklärt der frühere Stürmer. Seine Motivation sei es, eine funktionierende Gruppe zu formen und gemeinsam etwas zu erreichen – wie einst beim FCU also, mit dem er 2009 in die 2.Liga aufstieg und den Verbleib dort schaffte. Sein Engagement in Würenlos ist sozusagen
eine gedankliche Rückkehr nach
Urdorf – eine echte ins zürcherische Limmattal forciere er indes nicht. «Die Trainer dort sind alles gute Freunde von mir, denen würde ich die Absetzung nicht gönnen», erklärt Wiederkehr.