Nations League

Lwiw – das ist der Ort, an dem die Nati in den Fussball zurückkehrt

Das beschauliche Lwiw.

Das beschauliche Lwiw.

Lwiw, zu Deutsch Lemberg, ist die unbekannte Stadt, an dem der Motor der Schweizer Nationalmannschaft nach zehn Monaten Pause wieder zu laufen beginnt. Wo sind wir hier eigentlich?

Soviel vorweg: Vom Fussball spürt man an diesen Tagen in Lwiw herzlich wenig. Was Wunder, wenn die Probleme wegen Corona, in der Wirtschaft und der Politik ganz andere sind. Und es mag daran liegen, dass die Identifikation mit dem Land, dessen Zentrum Kiew so weit weg liegt, hier im Westen eine andere ist. Die Lwiwer fühlen sich verbunden mit den grenznahen Polen, von denen viele hier leben. Immerhin sind sie in Gedanken in den Krisengebieten ihres Landes, auf der Krim, oder im Donbass. Und haben zu diesen Themen auch unterschiedliche Ansichten.

Tagsüber sind die Touristenströme und damit die Einkünfte bedeutend kleiner geworden, das sei wegen Corona so geworden, sagt ein Einheimischer. Die Ukraine leidet, wie das alle Länder tun. Dafür prahlt der Mittevierziger mit dem Opernhaus von Lwiw, es soll das drittgrösste Europas sein. Die Verifizierung seiner Aussage fällt aus, doch das Gebäude ist rein äusserlich imposant. Die Innenräume dürften es auch sein.

Die Oper.

Die Oper.

Ein sehenswertes, warmes Zentrum

Fürwahr, Lwiw geizt nicht mit seinen Reizen, das alte Zentrum der Stadt mit 730'000 Einwohnern ist UNESCO-Weltkulturerbe. Die grosszügigen Bauwerke, deren Einordnung schwerfällt und wohl ein Mischmasch zwischen Barock, Renaissance und Jugendstil ist, gefallen. Sie wirken wuchtig und trotzdem schlicht. Die fast verkehrsfreie Altstadt fühlt sich warm an und schaut grosszügig aus, ja, sie versprüht viel Charme. Nur schon der kleinen Marktstände wegen, die immer mal wieder auftauchen. Wenn da nur nicht diese übergrossen Pflastersteine wären, die das Gehen erschweren.

Das Leben im Zentrum pausiert wegen Corona gerade ein wenig, doch die Entschleunigung hat auch ihr Gutes. Am Abend, wenn die Lichter angehen, kann man die ukrainische Küche in den zahlreichen originellen Restaurants auch ohne Vorreservation geniessen. Das bedeutet dann Fleisch, und nochmals Fleisch, und vielleicht auch Fisch. Dazu viel frisches Gemüse, und importiertes Bier.

Blick in die Gassen.

Blick in die Gassen.

Sobald es dann so richtig eingedunkelt hat, nimmt die Lwiwer Jugend die öffentlichen Plätze ein. Es sind viele junge Menschen, und sie sind laut, hören Musik, trinken Alkohol, viel Alkohol. Und sie starren die ganze Zeit auf ihr Handy. Nicht von ungefähr hat es gefühlt an jeder Ecke einen Laden mit digitalen Gadgets. Noch macht es den Eindruck, als wissen die Jungen nicht so recht, was alles im Leben auf sie zukommen wird. Aber das weiss die Jugend der Schweiz in diesem Alter ja auch nicht.

Ein Restaurant.

Ein Restaurant.

Immer mal wieder hat es einen Strassenmusikanten, sie spielen Geige oder auf der Handorgel und hoffen dafür auf ein wenig Geld. Ihre Lieder tönen melancholisch, vielleicht ist das aber nur Einbildung, weil der russische Einfluss lange überdimensional war und der Russe als hartes Wesen gilt, das von der Sehnsucht nach besseren Zeiten zehrt.

Das andere Bild

Der Spaziergang führt weg vom Zentrum, auch hier fehlen die grossen Ladenketten, wie es sie in jeder noch so kleinen Stadt hat. Jetzt zeigt die Stadt ein anderes Bild, die Gebäude wirken nicht mehr gut erhalten, der Verkehr nimmt ungleich zu, es wird lauter, manchmal sieht man einen Bettler. Sie hat die Gesellschaft nicht auffangen können.

Ein kleiner Bub tanzt vor einem Geschäft zu lauter Musik, die aus einer Box kommt. Er ist ganz bei sich. Irgendwann führt der Spaziergang in eine dunkle Ecke, man spürt, dass man hier nicht hingehen sollte. Ein Polizist, bewaffnet mit einem Maschinengewehr, läuft auf den fremden, wohl ungebetenen Gast zu – Zeit, das Weite zu suchen.

Der ÖV-Bus.

Der ÖV-Bus.

Langsam steigt die Nervosität, weil sich bis anhin kein Geschäft finden lässt, in dem man einen neuen Koffer kaufen könnte. Der alte hat den Flug hierher nicht überlebt. Also zurück ins Hotel, mit der Frage, ob es in Lwiw überhaupt ein solches Geschäft gibt. Die Antwort führt in eine neue Richtung, ins «Forum». Es sei das Einkaufszentrum der Stadt, es soll relativ neu sein. Und siehe da, wie aus heiterem Himmel wähnt man sich 20 Minuten später in der Moderne. Ein riesiges Einkaufszentrum taucht unerwartet auf, mit Kleiderläden en masse und Marken, wie man sie weltweit kennt. Und den neuen Koffer gibt es auch.

Hier wird Fussball gespielt

Hier in Lwiw also startet das Nationalteam den Parcours, der nach sechs Begegnungen in der Nations League über die Teilnahme am Finalturnier entscheidet. Oder den Fall aus der Topliga A. Und es gibt Punkte für die Fifa-Weltrangliste, was für die Auslosung der WM-Qualifikation von Bedeutung ist. Hier in Lwiw also kann einem vieles widerfahren.

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