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Mächtigster Spielerberater: «Fifa-Präsident Infantino meint, er sei Gott – und ich sage ihm, er ist nicht Gott!»

Mino Raiola ist der mächtigste Spielerberater der Welt.

Mino Raiola ist der mächtigste Spielerberater der Welt.

Die Schweizer Fussballagenten holen Mino Raiola, den Lionel Messi der Berater, ins Boot. Sie gehen gemeinsam gegen die Fifa vor.

Wieder einmal steht die Fifa in der Kritik. Im aktuellen Fall hat sie sich nicht den Unmut der Justiz oder der Fussballfans aufgeladen. Dieses Mal sind die Spieleragenten brüskiert, und als deren Stellvertreter sagt Mino Raiola: «Der Fifa-Präsident Gianni Infantino meint, er sei Gott. Und ich sage ihm, er ist nicht Gott!»

Raiola ist nicht irgendwer, er ist der Lionel Messi der Berater. Mit 21 Jahren wickelte der in Holland aufgewachsene Sohn eines italienischen Pizzabäckers den ersten Transfer ab, 32 Jahre später ist er heute die grosse Nummer.

«Ich will das Beste für meine Spieler»

Der Durchbruch gelang mit den internationalen Wechselgeschäften von Dennis Bergkamp und Pavel Nedved, aktuell sind Zlatan Ibrahimovic, Erling Haaland oder Paul Pogba die Hochkaräter in seinem Portfolio. Raiola sagt: «Ich bin Agent aus Passion, ich will das Beste für meine Spieler und gebe tagtäglich alles für sie.»

Acht bis zehn Prozent am Bruttojahresgehalt eines Akteurs erhalten die Agenten jeweils vom Käuferverein als Honorar, doch die Fifa hat diesen Raum der Transferentschädigungen nun betreten. Einen Raum, den die Berater als ihr Hoheitsgebiet betrachten – der Streit ist vorprogrammiert.

Der Weltverband will den Beteiligungssatz eigens festlegen und auf drei Prozent kürzen. Zumal sich die Zahlungen der Clubs an die Berater allein im Jahr 2019 auf knapp 600 Millionen Euro beliefen – bei insgesamt 18000 Transfers mit einem Transfervolumen von 6,6 Milliarden Euro – Tendenz überall steigend.

Zudem will die Fifa alle Geldflüsse an die Berater über ihre Bank laufen lassen, um die Kontrolle zu haben. Also sagt Raiola:

Laut Berechnungen der Spielerberater würden die neuen Regularien den Bankrott für 60 Prozent aller Agenturen bedeuten. Also wehren sie sich dagegen, auch weil sie, obwohl Stakeholder, keinerlei Mitspracherecht in diesem Prozess besitzen. Und sie tun dies mit vereinten Kräften, weshalb die Topshots der Szene im Sommer 2019 in der Schweiz den Verein Football Agents Forum (FAF) gründeten.

Berater fühlen sich nicht willkommen

Berater wie Raiola, Jorge Mendes, Jonathan Barnett und die deutsche Rogon-Gruppe, die im Auftrag von Cristiano Ronaldo, Gareth Bale oder Julian Draxler zwischen den Clubs verhandeln und die millionenteuren Transfers einfädeln. Bereits am Kongress in Schanghai im Oktober 2019, als man mit der Fifa zusammensass, war danach der Tenor: «Wir sind hier überhaupt nicht willkommen.»

Die Fifa mit Sitz in Zürich ist nach Schweizer Recht ein Verein, deshalb soll nun hierzulande vorgegangen werden. Um zu prüfen, ob die Eingriffe rechtswidrig sind und um der Causa mehr Gewicht zu verleihen, wurde Raiola am vergangenen Montag in Zürich als Ehrenmitglied der Schweizer Agentenvereinigung SFAA aufgenommen. SFAA-Präsident Christoph Graf sagt:

Raiola erachtet überdies die Ausbildungsentschädigung an die Vereine als schwierig, sie sei nicht zum Wohl der Spieler und verhindere Transfers. Nirgendwo sonst in der Arbeitswelt würden Lehrlingsbetriebe extra bezahlt. Und Raiola fordert, dass Clubs wie Spieler weiter frei entscheiden können, mit wem sie zusammenspannen wollen, er habe noch nie Hass verspürt nach einem Geschäft, immer wieder seien sie auf ihn zugekommen. «Wir verhandeln nicht mit der Fifa, es sei denn, wir werden als gleichberechtigt angesehen. Falls nötig, bringen wir sie vor Gericht.»

Nicht Gegenstand der Diskussion ist, dass gerade die Fifa mit dem System des Meistbietenden vertraut ist: Stichwort WM-Vergaben, Fernsehrechte, Sponsoren. Gewiss bräuchte es in einer idealen Welt den Berater nicht, und die Anwälte?

Der Streit schwelt, es ist einer mit offenem Ausgang.

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