Fussball

Marcel Koller und die grenzenlose Euphorie im Nachbarland

Marcel Koller wird in Österreich für seine Taten gefeiert.

Marcel Koller wird in Österreich für seine Taten gefeiert.

Österreich kann erstmals seit 1996 ein Länderspiel-Jahr ohne Niederlage abschliessen. Vor dem Länderspiel zwischen Österreich und der Schweiz steht nur einer im Mittelpunkt: Marcel Koller.

Vier Jahre ist Marcel Koller nun Nationaltrainer von Österreich. Vier Jahre, die ihm gereicht haben, um die Equipe in der Weltrangliste auf Position zehn zu hieven. Österreich steht erstmals in seiner Geschichte unter den Top Ten.

Die Euphorie im Land ist fast grenzenlos. Im kommenden Jahr wird Kollers Team – abgesehen von der Heim-EM 2008 – erstmals seit 1964 an einer EM dabei sein. Als Gruppensieger wären die Österreicher dabei nicht einmal auf die umstrittene Aufstockung auf 24 Endrundenteams angewiesen gewesen.

Kollers Entwicklungsprogramm

Knapp eine halbe Stunde spricht Koller an diesem Montag über sein Team. Irgendwann wird er gefragt, ob er mit sein «Entwicklungsprogramm» für seine Österreicher schon so weit fortgeschritten sei, dass die Schweiz überholt wurde. «Die Schweiz hat schon einige Erfahrung an internationalen Turnieren und einige Duftmarken gesetzt. So weit sind wir noch nicht», antwortet er.

Und natürlich muss Koller erklären, wie speziell es für ihn als Schweizer ist, gegen sein eigenes Land zu agieren. «Ich habe 55 Mal für die Schweiz gespielt, aber nie gegen sie. Darum kenne ich dieses Gefühl nicht. Aber ich kann mich schon so weit beherrschen, dass ich nicht plötzlich juble, wenn die Schweiz ein Tor schiesst.» Erstmals seit 1996 könnte Österreich ein Jahr ohne Niederlage abschliessen.

Wie die Schweiz ist auch Österreich ein heterogenes Gemisch, viele Spieler haben einen Migrationshintergrund. Trotzdem ist das Thema «Integration und Identifikation mit dem Nationalteam» kaum spürbar. Koller sagte im Interview mit der Schweiz am Sonntag: «Eine solche Diskussion haben wir nicht. Geschichtlich betrachtet war Wien schon immer eine Stadt mit ausgesprochen viel Migration.» Dafür gibt es aber auch andere Gründe. Zum Beispiel Koller selbst. Er hat es geschafft, ein Vertrauensverhältnis zu schaffen zwischen ihm und den wichtigsten Spielern. Er hat die Leitplanken gesetzt – und konnte die Spieler davon überzeugen, ihm zu folgen.

Bestes Beispiel dafür ist Marko Arnautovic. Aus dem Problemspieler ist unter Koller ein absoluter Leistungsträger geworden. Wenn David Alaba, Bayern-Star mit Wurzeln in Nigeria und den Philippinen, spricht, dann hören die Leute einen waschechten Wiener Jungen.

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