Bundesliga

Mia san wer? – der FC Bayern ist auf der Identitätssuche

Borussia Dortmund bietet sich die Chance, Bayerns Vorherrschaft zu beenden.

Borussia Dortmund bietet sich die Chance, Bayerns Vorherrschaft zu beenden.

Während der FC Bayern München sich noch mit seiner Identitätssuche beschäftigt, bekommt Borussia Dortmund neue Perspektiven. Dies könnte für Spannung in der jüngsten Spielzeit sorgen.

«Wenn Sie wüssten, wen wir schon alles sicher haben.» Schnee von gestern? Eben nicht, auch wenn es Februar war, als Uli Hoeness diesen Satz sagte. Diejenigen, die damals anerkennend nickten, hauen den Bayern-Präsidenten jetzt in die Pfanne. Denn wahnsinnig atemberaubend ist es nicht, was der FC Bayern München bis dato an Transfers auf sicher hat.

Gewiss: Mit Lucas Hernandez und Benjamin Pavard kommen zwei Weltmeister. Aber es sind halt Verteidiger, keine Spektakelspieler wie die ausgemusterten Arjen Robben und Franck Ribéry. Und erst recht nicht die Granaten, von denen Hoeness gesprochen hat. Mit Ivan Perisic hat der deutsche Meister immerhin einen Vizeweltmeister verpflichtet. Aber der Kroate (17) hat weniger Champions-League-Einsätze als der Basler Luca Zuffi (20).

Die Selbstverständlichkeit des Siegers

Nur: Was sollte Hoeness auch anderes sagen, damals im Winter? Er kann ja nicht seine Haut abstreifen. Er hat nur die eine, die «Mia san mia»-Haut, seit er 1970 als Spieler nach München kam. Hoeness hat’s zwar nicht erfunden. Aber er hat dafür gesorgt, dass der FC Bayern den Spruch seit Jahrzehnten als Ausdruck seiner Identität vertritt. «Mia san mia» steht für Stärke, für Unabhängigkeit, oder wie es Bayern-Profi Thomas Müller ausdrückt: «Für eine extreme Siegermentalität.»

Der FC Bayern ist die erste Adresse im deutschen Fussball. Rekordmeister. Und die letzten sieben Meistertitel wurden alle auf dem Münchner Marienplatz gefeiert. Aber «Mia san mia» endet nicht an der Landesgrenze. In München streben sie nach mehr. Nach dem europäischen Fussballthron. Aber das wird immer unwahrscheinlicher. Denn der Markt ist internationaler, die zahlungskräftige Konkurrenz ist grösser. Natürlich wollten die Bayern Topshots verpflichten.

Antoine Griezmann, Paulo Dybala und vor allem Leroy Sané. Aber es blieb beim Wunsch. Griezmann ging nach Barcelona, Dybala bleibt in Turin und Sané in Manchester. Dabei kann man den Bayern nicht mal Rückständigkeit vorwerfen. Sie sollen sogar bereit gewesen sein, weit mehr als 100 Millionen Euro für Sané aufzuwerfen. Hat trotzdem nicht geklappt.

Diese Spieler wollten die Bayern verpflichten: 

Warum? Der FC Bayern findet sich in der Welt der fidelen Superreichen noch nicht zurecht, weil er sich viele Jahre als wertkonservativer Gegenpol positionierte. Die abgefahrenen Deals wie die 100 Millionen für Gareth Bale fanden anderswo statt. Und jetzt, wo die Münchner bereit sind, ins Spiel ohne Grenzen einzusteigen, will keiner mit ihnen spielen. Selbst die Verpflichtung eines Spielers wie Coutinho, für den es in Barcelona eng werden dürfte, scheint unrealistisch. Nicht, weil das Geld fehlt. Sondern weil Coutinho, der in Katalonien zwölf Millionen Euro pro Saison verdienen soll, das Gehaltsgefüge durcheinanderbringen würde.

Die 18 in der Bundesliga tätigen Schweizer und ihre Perspektiven: 

«Mia san wer?» statt «Mia san mia». Das führt dazu, dass ein Griezmann kaum auf die Idee kommen würde, den FC Bayern München weiterhin als «einen der grössten Klubs Europas» anzupreisen. Das überlässt er Spielern, die zwei, drei Preisklassen günstiger sind – beispielsweise Ivan Perisic. Kurz: In Europa mutieren die Bayern vom Titelaspiranten zum ersten Verfolger der Klubs aus Manchester, Liverpool, London, Paris, Barcelona, Madrid und Turin. Aber was bedeutet das für die Bundesliga?

Dortmund und seine schlauen Transfers

Spannung. Denn Herausforderer Dortmund hat sich hervorragend verstärkt. Mit dem aufregenden Julian Brandt, dem laufstarken Nico Schulz, dem unberechenbaren Thorgan Hazard aber vor allem auch mit dem souveränen Patron Mats Hummels. 30 Millionen Euro für einen 30-jährigen Verteidiger ist viel Geld. Aber: Erstens hat Dortmund vor drei Jahren 35 Millionen kassiert, als Hummels zu Bayern wechselte. Zweitens ist er genau der Spieler, der in der letzten Saison gefehlt hat, um den Vorsprung von sechs Punkten aus der Winterpause ins Ziel zu retten.

Diese Spieler hat Dortmund gekauft: 

Lucien Favres Team war schon letzte Saison offensiv das spektakulärste der Liga. Nun, mit Hummels, dem Weltmeister von 2014, sollte auch die defensive Stabilität gewährleistet sein. Der Schweizer Torhüter Roman Bürki schwärmt: «Es ist die beste Mannschaft, in der ich je war.» Bedenkt man, dass letzte Saison nur drei Punkte zum Titelgewinn fehlten, scheint das Ende der bayrischen Vorherrschaft im nächsten Sommer ein realistisches Szenario.

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