Regen, Regen, und noch mehr Regen. Bereits zum zweiten Mal in den letzten drei Jahren fällt bei den French Open ein ganzer Spieltag ins Wasser, ohne dass nur ein Ballwechsel gespielt worden wäre. Vorgesehen waren je zwei Viertelfinals bei den Männern und bei den Frauen.

Betroffen sind unter anderem Titelverteidigerin Simona Halep, Vorjahresfinalist Dominic Thiem und Novak Djokovic. Das führt nun dazu, dass die Halbfinals der Frauen statt am Donnerstag wie jene der Männer erst am Freitag stattfinden.

Der Washout offenbart das Dilemma, in dem der Veranstalter, der französisch Tennisverband FFT, steckt. Unbescheiden hausiert dieser in diesem Jahr mit der Expansion, die er sich 380 Millionen Euro kosten lässt, und die er als «Metamorphose» verstanden haben will.

Auf wackligen Beinen

Der Court Philippe Chatrier, der neu 15 225 Zuschauern Platz bietet, soll «das schönste Tennis-Stadion der Welt» werden. Äusserlich erscheint er bereits in neuem Glanz. 80 Prozent der bisherigen Bausubstanz wurden nach dem Turnier 2018 abgerissen.

Die Kosten belaufen sich auf 180 Millionen Euro. Die Hälfte davon fliesst in ein verschiebbares Dach, bei dem Materialien halb so schwer wie der Eiffelturm verbaut würden. Ab 2020 sind die French Open das letzte der vier Grand-Slam-Turniere, das über einen gedeckten Platz verfügt. Ab 2021 wird dann auch in Paris unter Flutlicht gespielt. So viel zur Theorie.

Fakt ist: Das Dach steht wohl erst 2021 zur Verfügung. Bis zu den nächsten French Open ist nur die Unterkonstruktion fertig. Auch die angedachten Abendspiele unter Flutlicht, von denen sich der Veranstalter den Verkauf von 150 000 zusätzlichen Tickets und eine grössere TV-Reichweite erhofft, steht auf wackligen Beinen.

Anwohner gehen auf Barrikaden

Es ist damit zu rechnen, dass die Anwohner gegen die geplanten Abendspiele opponieren. Mit Einsprachen hatten sie die bereits 2011 beschlossene Modernisierung über Jahre verzögert. Ihnen missfällt, dass die French Open wie eine Krake mit ihren Tentakeln um sich greifen.

2015 wurde die 21 Plätze umfassende Trainingsanlage Jean Bouin im Westen der Anlage eröffnet. 7 der nun 17 Plätze wurden in den letzten beiden Jahren neu gebaut. Besonders umstritten war die Erweiterung auf das Gelände des benachbarten botanischen Gartens. Als «Fusion von Sport und Natur» gepriesen, trägt der gläserne, zur Hälfte im Boden versenkte Neubau den Namen der zweifachen Siegerin Simonne Mathieu.

Neu erstreckt sich die Anlage damit statt auf 8,5 auf 12,5 Hektaren. Doch die Platzprobleme bleiben latent. Bei den Australian Open stehen 20 Hektaren zur Verfügung, bei den US Open 18,8 und in Wimbledon 17,7.

Wie in einer überfüllten Metro

In Paris müssen die Besucher bei Regen Schutz in den Gängen rund um das Stadion oder unter den Vordächern der Boutiquen und Essstände suchen. Das hat weniger mit Tennisgenuss zu tun, dafür mehr mit dem Stehen in einer überfüllten Metro.

Der beschränkte Raum ist der Preis, den die Organisatoren für die urbane Lage zahlen. Andere Standorte hatten den Nachteil, weit vom Zentrum entfernt zu liegen, wie etwa jener beim Disneyland, das über 30 Kilometer von der Innenstadt entfernt liegt.

Roger Federer hatte 2014 gesagt, Roland Garros sei «ein enger Schlauch». Im Jahr darauf fügte er bei, die Anlage sei nicht nur klein, sondern auch ungemütlich. Sie habe zu viel Beton und Metall und «eine viereckige Architektur».

Kostspieliger Ausfall

Durch die Erweiterung wird sie nun noch mehr in die Länge gezogen. Sie soll indes deutlich grüner und für die Zuschauer grosszügiger werden. Dem fällt im kommenden Jahr Court 1 zum Opfer, die Stierkampfarena. Sie wird durch eine Gartenanlage, den Jardin des Mousquetaires, ersetzt.

Die grüne Lunge soll für die Bevölkerung das ganze Jahr hindurch zugänglich sein. Für den französischen Verband sind die Investitionen ein finanzieller Kraftakt, den er allein stemmt. Nicht ohne Hintergedanken: Schon heute generiert er 82 Prozent seiner Einnahmen während der French Open.

Er alimentiert damit 8000 Klubs im ganzen Land und finanziert so die Nachwuchsförderung. Der Ausfall kostet den Veranstalter Hundertausende Franken an Rückzahlungen. Und führt auch noch dazu, dass die Versicherungsprämien für die kommenden Jahre in die Höhe schnellen. Die Metamorphose hat deshalb in vielerlei Hinsicht existenziellen Charakter. Bislang ist sie missglückt.