Dominique Aegerter, Sie gingen zwar von Startposition 3 ins Rennen. Dennoch kommt der Triumph, Ihr zweiter nach demjenigen 2014 beim GP von Deutschland, doch etwas überraschend. Auch für Sie?

"Ja, das ist ganz klar so. Diese Saison hatten wir, das Team und ich, zwar immer wieder gute Resultate. Aber es fehlte die Konstanz. Doch an den letzten zwei Rennwochenenden lief es mir im Training top. Das Rennen in Silverstone war allerdings eine Enttäuschung (10. Platz)."

In Grossbritannien ging es nicht auf. Zwei Wochen später in Italien hingegen schon.

"Einfach toll, eine Riesen-Erlösung. Dieser zweite GP-Sieg, und wieder auf einem Suter-Motorrad, tut unheimlich gut. Ich konnte allen zeigen, dass ich es noch kann. Ich hätte auch im Trockenen eine Super-Pace gehabt. Nun hat es zu meiner grossen Freude auch auf nasser Strecke geklappt. Das Team hat mir den Töff perfekt hingestellt. Alles ging wunschgemäss auf."

Zwei, drei heikle Situationen gab es aber schon. Sehen Sie das auch so?

"Es gab diese paar Rutscher. Doch ansonsten war es ein Super-Rennen. Ich konnte die Konzentration über die 26 Runden hoch halten. Ich wollte keinesfalls als Führender stürzen."

Sie führten ab der 4. Runde und dem Sturz des vor Ihnen liegenden Italieners Franco Morbidelli bis zum Schluss. Der einzige Konkurrent, der Ihnen den Sieg hätte streitig machen können, war danach Tom Lüthi.

"Ich war informiert, dass er gleich hinter mir lag. Dieses Doppelpodium - etwas, das uns noch nie gelungen war -, ist megageil für die Schweiz und unseren Motorsport. Nicht schlecht für ein Land ohne Rennstrecke, oder?"

Lüthi: "Der Titel ist machbar"

Tom Lüthi, Ihre Worte zum Schweizer Jubeltag in Misano?

"Es ist auf jeden Fall ein grossartiger Tag. Die historische Komponente war mir nicht sofort bewusst. Sondern es war einfach eine Riesenfreude für mich und Domi da. Ich gratuliere ihm. Er hat einen 'Hammer-Job' gemacht. Ich versuchte zwar, etwas Druck zu machen. Aber letztlich musste ich die Ruhe bewahren und die Meisterschaft im Kopf behalten. Dass wir es zusammen aufs Podest geschafft haben, ist ein sehr schöner Moment."

Sie liegen im Kampf um den Moto2-Titel nur noch neun Punkte hinter Leader Morbidelli zurück. Zu fahren sind noch fünf Rennen - machbar also?

"Ja. Das habe ich aber auch vorher gesagt, als der Rückstand 29 Punkte betrug. Es geht immer noch lange. Aber klar: Das war heute ein grosser Tag für die Meisterschaft. Gilles Bigot (Lüthis Cheftechniker) hat mir die Wichtigkeit dieses Rennens schon vor dem Start klar gemacht."

Ihre heikelste Situation hatten Sie im Warm-up zu überstehen.

"Ich wollte mich im Regen gut aufs Rennen vorbereiten. Deshalb ging ich im Warm-up gleich mit möglichst viel Speed auf die Strecke. Doch nach nur einer Runde stürzte ich. Im Rennen brauchte ich deshalb am Anfang etwas Zeit, ehe ich den Rhythmus und das Vertrauen fand."