Motorrad

Ein Nuller – und alles ist vorbei: Tom Lüthis Chance auf den WM-Titel

Tom Lüthi blickt in eine ungewisse Zukunft.

Rennfahrer Tom Lüthi hat die frustrierende vergangene Saison verarbeitet – aber er ist noch nicht schnell genug, um Rennen zu gewinnen.

Kann er noch schnell fahren oder kann er nicht? Das war die grosse Frage nach Tom Lüthis frustrierender vergangener Saison. Das Abenteuer MotoGP endete mit null Punkten. Keine einzige Klassierung in den Top 15 während der gesamten Saison. Für einen Fahrer mit seinem Talent und seiner Erfahrung ist das eine Schmach.

Nun fährt der 32-jährige Emmentaler nach einem Jahr Unterbruch wieder die Moto2-WM. Er hat für 2019 und 2020 einen Vertrag beim deutschen Dynavolt-Team. Die Frage, ob Lüthi sein fahrerisches Selbstvertrauen wiedergefunden hat, kann nach den dreitägigen Jerez-Tests beantwortet werden: Er hat.

Zwar vermochte er diese Tests nicht mehr zu dominieren wie zu seinen besten Zeiten. Aber er hat sich auf solidem Niveau (14. Rang) im höheren Mittelmass etabliert. Noch nicht schnell genug für Spitzenränge. Aber er hat seine Runden so regelmässig gedreht, dass er auf dem Niveau ist, um in einem Rennen in die Ränge fünf bis acht zu fahren. Nur ein «Exploit», eine richtig schnelle Zeit hat er nicht herausgefahren.

Verunsichert ist Lüthi deswegen nicht: «Das ist zwar ein wenig schade, beunruhigt mich allerdings nicht. Ich habe diese Zeit ja auch nicht mit allen Mitteln gesucht. Wir haben hier in erster Linie viele Tests gemacht.» Es sei ihm auch darum gegangen, die Sicherheit zu finden. «Ich bin nie gestürzt. Das war mir wichtig.» Diese Sicherheit hat nach einem Abstieg aus der Königsklasse MotoGP noch nie ein Fahrer auf Anhieb wiedererlangt. So gesehen ist Tom Lüthi in Jerez erstaunlich gut gefahren.

Allerdings war sein Teamkollege Marcel Schrötter (11.) schneller. Doch der hochtalentierte Deutsche ist mental zerbrechlich wie billiges Plastikspielzeug und hat in über 100 Rennen erst einen einzigen Podestplatz herausgefahren. Er wird Tom Lüthi so wenig beunruhigen wie einst Dominique Aegerter, als die beiden Schweizer im gleichen Team fuhren.

Lüthis Chance auf den WM-Titel

Aber Tom Lüthi ist noch nicht schnell genug um gegen die «wilden Jungen», die Kopf und Kragen riskieren, Rennen zu gewinnen. Und doch hat er im Kampf um den WM-Titel eine Chance. Wenn es ihm gelingt, regelmässig auf den vorderen Rängen zu punkten, dann kann er mit der neuen Generation mithalten.

Denn mit Stürzen dieser wilden Jungs ist zu rechnen. Davon kann er allerdings nur profitieren, wenn er keinen «Nuller» schreibt. Einen Ausfall kann er nicht durch eine Serie von Siegen kompensieren. Oder zugespitzt formuliert: Mit einem «Nuller» sind die Titelchancen dahin, ist alles vorbei.

Nun fährt Tom Lüthi wieder gegen Dominique Aegerter. Ihr Verhältnis ist inzwischen entspannt. Zwei Kumpels, die sich gut verstehen. Die neue Lockerheit hat einen einfachen Grund: Dominique Aegerter ist für Tom Lüthi kein ernstzunehmender Gegner mehr wie damals in den Jahren 2013 bis 2015. 2013 fuhr Aegerter in der Moto2-WM auf den vierten Schlussrang und klassierte sich zum ersten und einzigen Mal im Gesamtklassement vor seinem ewigen Rivalen (6.).

Was dessen Manager Daniel M. Epp zur Aussage provozierte: «Dieses Jahr ist der beste Schweizer Fahrer nicht der Bestklassierte in der WM.»

Das ist lange her. Nun sind die Rollen klar: oben Tom, unten «Domi». Da fällt es nicht schwer, gut miteinander auszukommen.

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