Nun ist er im Herbst 2017 auf die Töffbühne zurückgekehrt. Mittlerweile ist Pickworth ein Geschäftsmann mit Sitz in Wien geworden und will das Moto2-Rennteam des verstorbenen Stefan Kiefer übernehmen, für die Saison 2018 finanziell üppig ausstaffieren und mit KTM-Höllenmaschinen technisch aufrüsten.

Das ist für uns interessant, weil der charismatische Rock ’n’ Roller Dominique Aegerter (27) für dieses Team fährt. Und woher soll das Geld kommen? Millionen aus Russland! Aha. Der Glaube an kapitalistische Voodoo-Priester ist im internationalen Motorsport wider den gesunden Menschenverstand ungebrochen.

Ein Plan B muss her

Aber einer traut der ganzen Sache nicht: Aegerters Manager, Berater und Freund Dr. Robert Siegrist. Der Zürcher Rechtsanwalt beginnt sofort an der Ausarbeitung eines Plan B – an einer alternativen Finanzierung der Saison 2018.

Am vergangenen Dienstag, dem 19. Dezember, ist die Welt von Aegerter noch in Ordnung. Er absolviert in Magglingen den Militärdienst in einer Sporteinheit. Am Tag darauf, am 20. Dezember, wird er nach Wien fliegen und dort bei Pickworth endlich die letzten Vertrags-Formalitäten erledigen.

Der Flug ist gebucht, das Hotelzimmer reserviert. Der Champagner kaltgestellt. Er sitzt also an diesem 19. Dezember im sonnigen Magglingen am Mittagstisch und spielt ein wenig auf seinem Smartphone herum.

Bling! Ein Mail ist hereingekommen. Neugierig öffnet Aegerter die Buchstabenbüchse. Er liest die Absage für die Sitzung in Wien, das «Schriftstück», das den Verfasser als Luftschloss-Architekten entlarvt und für den «Aegerter-Clan» Übungsabbruch bedeutet. Fertig David Pickworth. Fertig Millionen aus Russland. Fertig falsche Versprechungen.

Im Folgenden die auch sprachtechnisch entlarvende Mail-Botschaft im Original-Wortlaut:

«Dear All

I have received an e-mail from Jens Haimbach at KTM announcing that they are withdrawing from the contract I signed with them on 6th December 2017, because I have not organised the payment of €300,000 (cash or bank guarantee) by the end of week 50, as agreed.

I find their action to be heavy-handed and un-necessary, but they obviously have a Plan B (of which some of you will already be aware) and are not prepared to cut us any slack, even though they are fully aware that it has been an uphill struggle to bring everything together so quickly in the last few weeks of the year.

At this point I don’t know what to say to you all, other than that I am bitterly disappointed. I am working to try to recover the situation but at this moment I feel it is pointless meeting in Vienna tomorrow and am therefore announcing that the meeting is cancelled.

I will contact you over the coming days to give you more information.

Once again, I apologise for this situation.

Best regards
David Pickworth»

Dominique Aegerter schluckt leer. Die Sitzung in Wien findet also nicht statt. Alles nur eine Wiener Töff-Operette. KTM liefert halt seine Wunder-Hightech-Bikes nicht einfach so aus. Bei der Bestellung muss eine Bankgarantie hinterlegt werden. Und die kann der ehrenwerte Herr Pickworth nicht liefern.

Plan B tritt in Kraft

Nun wird mit Plan B das finanzielle Notprogramm aktiviert. Manager Siegrist rechnet vor. «Wir müssen 600 000 Franken für die Finanzierung der Saison 2018 beisteuern. Das schaffen wir.» Bei KTM hat er sich bereits versichert, dass die Maschinen geliefert werden, wenn eine seriöse Finanzierung auf Schweizer Art gelingt.

Zur Finanzierung gehört, dass Aegerter eigenes Geld beisteuert. «Er muss nun halt für einmal in seine Karriere investieren», sagt Siegrist. «In den vergangenen drei Jahren hat er gemessen an den Resultaten sehr gut verdient.» Es waren rund 500 000 Franken pro Jahr.

Natürlich ist Aegerter von dieser Sache nicht begeistert, sieht aber in der neuen Herausforderung auch eine Chance. Er wird vom bezahlten Piloten zum Unternehmer. Er fährt um seine eigene Zukunft, um das «Projekt Aegerter», und nur mit entsprechender Leistung gibt es Einkommen und eine Zukunft für den WM-Zwölften.