Eigentlich schaue ich deine Spiele ja am liebsten alleine. Ich bin dann jeweils sehr emotional, das muss nicht gerade jeder mitbekommen. Am letzten Sonntag waren wir dann gegen Ende deines Spiels doch zu viert. Es ist ziemlich laut geworden. Es war brutal, im fünften Satz sah es zu Beginn ja eher schlecht aus – Rafael Nadal kann im entscheidenden Moment einfach immer zusetzen. Die verpassten Breakbälle waren allesamt eine Qual. Irgendwann dachte ich: «Verdammt, jetzt muss es doch einfach klappen!» Schliesslich hast du uns doch noch erlöst. Ich hatte nur noch Gänsehaut.

Früher, da haben wir ja einfach erwartet, dass du pro Jahr zwei oder drei Grand-Slam-Titel gewinnst. Das ist mittlerweile schon ein bisschen anders. Darum ist der Erfolg von Melbourne nun umso schöner. Und natürlich auch, dass er ausgerechnet gegen Nadal gelang. Wobei ich mich auch für ihn freute, dass er in den Final kam.

Im Moment deines Triumphs kommen bei mir auch Erinnerungen an wunderbare eigene Erlebnisse hoch. Aber deine Rückkehr auf den Thron nach einer langen Zeit ohne grossen Titel ist für mich noch mehr. Nämlich ein besonderer Ansporn. Im Moment durchlebe ich in Hoffenheim eine schwierige Phase. Wenn ich sehe, wie du wieder aufgestanden bist, wie du es allen Kritikern gezeigt hast, die schon lange von Rücktritt reden – dann gibt das für mich unheimlich viel Kraft, um selbst aus dem Tal zu finden. Mit einem Transfer hat es nun definitiv nicht geklappt. Jetzt kann ich nur auf eine nächste Chance warten und bereit sein, sie zu nutzen.

Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es einmal ohne dich ist. Bis dahin geniesse ich einfach jedes Turnier von dir, jedes Spiel, jedes Game, jeden Ball. Und ich bin sicher: Es liegen noch viele Erfolge bereit.

Fabian Schär