ATP-Tour

Nach Finalsieg über Zverev: Roger Federer marschiert leichtfüssig in Richtung Wimbledon

Roger Federer gewinnt zum neunten Mal das ATP-500-Turnier von Halle. Er schlägt im Final den Deutschen Youngster Alexander Zverev (ATP 12) nach einer glänzenden Leistung 6:1, 6:3.

Tosender Applaus brandete auf und die 11 500 Zuschauer im ausverkauften Haller Stadion johlten beinahe ekstatisch für das Ass, das Alexander Zverev gerade auf den Rasen hämmerte. So sehr hofften die Fans, nun würde es endlich richtig losgehen in diesem Final, dem sie die ganze Turnierwoche entgegengefiebert hatten. Doch es ging nichts, zumindest nicht für den 20-jährigen Deutschen. Es stand bereits 0:4 und das nach nur 13 Minuten.

Das sind alle Turniersiege von Roger Federer:

Nichts lief zusammen an diesem gebrauchten Tag für den deutschen Shootingstar – und das lag vor allem an seinem Gegner auf der anderen Netzseite: Roger Federer. «Es war unglaublich, ich habe super gespielt», freute sich der 35 Jahre alte Schweizer dann auch kurze Zeit später. Nur 53 Minuten benötigte er für diese 6:1 und 6:3-Lehrstunde, mit der er den Weltranglistenzwölften vom Rasen fegte und seinen neunten Titel in Halle besiegelte. «Es ist ein Traum, so in einen Final zu starten und es dann bis zum Schluss so durchzuziehen», fügte Federer strahlend hinzu: «Irgendwie ist alles geglückt.»

Wie aus einem Guss

Federer spielte in seinem elften Final von Halle nicht nur wie aus einem Guss, sondern hatte auch seine Hausaufgaben gegen den aufschlagstarken Schlaks gemacht. Der Schweizer schlug sehr stark auf, glänzte mit perfekten Passierbällen und streute immer wieder butterweiche Stoppbälle an, die Zverev, der sich konstant zu weit hinter der Grundlinie aufhielt, nicht mehr erreichen konnte. Federer brachte den 1,98 m grossen Blondschopf zum Laufen, denn der tat sich mit der Beinarbeit auf Rasen ungewöhnlich schwer.

Die Woche hatte gezehrt an Zverev, mit seinem Bruder Mischa bestritt er im Anschluss auch noch das Doppel-Finale. Und besonders in mentaler Hinsicht wirkte Zverev nicht frisch – im Gegensatz zu Federer. «Ich war etwas überrascht, dass es so einfach ging», wunderte sich der Schweizer. Doch Zverev hatte sich nach seinem Halbfinal-Coup im vergangenen Jahr gegen Federer offenbar zu viel für dieses Endspiel vorgenommen, wirkte verkrampft.

Und es stand Zverev eben nicht mehr der Federer vom Vorjahr gegenüber. «Als wir letztes Mal gespielt haben, ging es meinem Knie nicht gut», erinnerte sich Federer, der schliesslich die zweite Saisonhälfte 2016 komplett pausieren musste. Erst bei den Australian Open im Januar war er zurückgekehrt, gewann dort seinen 18. Grand-Slam-Titel und gewann auch im Anschluss die beiden Masters-Turniere in Indian Wells und Miami.

«Was du auf dem Platz zeigst, werden wir nach dir wahrscheinlich nie wieder sehen.»

Alexander Zverev über Roger Federer:

«Was du auf dem Platz zeigst, werden wir nach dir wahrscheinlich nie wieder sehen.»

Nach diesem furiosen Auftakt verzichtete Federer auf die komplette Sandplatzsaison, und dieser Schritt zahlt sich nun aus. Der 35-Jährige ist topfit und scheint wieder einmal das Rad der Zeit zurückgedreht zu haben. Das musste auch Zverev bei der Siegerehrung eingestehen. «Roger, du spielst einfach Wahnsinns-Tennis», sagt er ihm: «Was du auf dem Platz zeigst, werden wir nach dir wahrscheinlich nie wieder sehen.» Seine ganze Erfahrung, seine Ruhe und Finesse hatte Federer an diesem Nachmittag ausgespielt und damit das Generationenduell für sich entschieden. «Er ist ein toller Spieler und auch ein ganz netter junger Bub immer noch», flachste Federer in Richtung Zverev.

Nichts zu verschenken

Auch Zverev hatte trotz der bitteren Lehrstunde seinen Humor behalten: «Roger, du hättest schon etwas netter sein und mir mehr als vier Spiele überlassen können ...» Aber Federer hat eine Woche vor Wimbledon nichts zu verschenken, schon gar nicht an die Generation der jungen Wilden. Er will unbedingt den achten Sieg im All England Club, das ist das grosse Ziel in diesem Jahr. Mit seinem Sieg ist Federer in Wimbledon nun als Nummer vier gesetzt, sicher kein Nachteil.

Mit einem achten Triumph würde er den Rekord von Pete Sampras brechen, doch das sei nur ein «schöner Nebeneffekt», sagt Federer: «Mir würde ein Wimbledonsieg nochmals vieles bedeuten. Es wäre schön, für meine Familie, mein Team, meine Fans, mein Land. Es wäre mehr für Leute als für die Geschichtsbücher.»

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