Kolumne

Nachspielzeit-Blog: «Basel ist wie ein umgekehrter Handschuh» - «Und St. Gallen spielt wie ein Meister»

Cedric Itten freut sich über den Erfolg.

Cedric Itten freut sich über den Erfolg.

Welche Erkenntnisse hat das Fussball-Wochenende geliefert? Warum geht der Höhenflug des FC St. Gallen weiter? Und muss jetzt Lucien Favre die Champions League gewinnen? Nachspielzeit für unsere Fussball-Reporter Raphael Gutzwiller und Markus Brütsch. Lesen Sie ihre lebhafte Diskussion.

Gutzwiller: Markus, Status quo an der Tabellenspitze: St. Gallen ist weiter Leader, YB und Basel haben aber ebenfalls gewonnen. Hat dich der 1:0-Sieg der St. Galler gegen Servette überrascht?

Brütsch: Nein, denn wer einen Lauf hat, gewinnt solche Spiele. Wobei das auch für Servette hätte gelten können. Aber die St. Galler sind Leader und in einem besonderen Flow. Sie haben dann das Glück oder die Cleverness gehabt, eine Situation zum Siegtreffer auszunützen, die für die Genfer sehr unglücklich war. Just, als Park ausserhalb des Spielfeldes gepflegt wurde, lancierten die St. Galler über die entblösste Seite den matchentscheidenden Angriff.

Gutzwiller: Und dann sind die Ostschweizer noch so routiniert und bringen den Sieg trotz vieler Genfer Chancen über die Zeit. Wer solche Spiele gewinnt, kann Meister werden. Die Konkurrenz aber gewinnt ebenfalls: Dass YB 1:0 gegen Sion gewinnt, war ja schon zu erwarten, das 4:0 des FC Basel in Zürich hat mich aber schon überrascht. Ganz ehrlich: Ich habe Basel einen so klaren Sieg nicht zugetraut - und, dass Fabian Frei in einem Spiel drei Tore schiesst, sowieso nicht.

Brütsch: Es ist schon seltsam, wie der FCB innerhalb von einer Woche zwei derart verschiedene Gesichter zeigen konnte. Gegen St. Gallen kraft- und saftlos und ohne Grinta, gegen den FCZ wie ein umgekehrter Handschuh. Aber: St. Gallen ist eben nicht der FCZ, diese Wundertüte...

Gutzwiller: Wenn der FCZ verliert, dann ja fast immer hoch: Schon sechs Mal haben die Zürcher mit 0:4 verloren in dieser Saison, einmal gar mit 0:5. Und trotzdem ist der FCZ noch im Europa-Kampf. Es ist eigentlich unglaublich.

Brütsch: Verliert er am Sonntag in Genf, geht trotz eben erst erfolgter Vertragsverlängerung die Trainerdiskussion um Ludovic Magnin wieder los. Zu Recht: Er bringt einfach keine Konstanz in seine Mannschaft.

Gutzwiller: Apropos Trainerdiskussion: Nach dem 1:4 gegen Stade Lausanne-Ouchy musste Uli Forte als GC-Trainer gehen. Sein Ersatz ist Goran Djuricin, wie heute bekannt wurde. Ein richtiger Entscheid?

Ist seinen Job los: Uli Forte.

Ist seinen Job los: Uli Forte.

Brütsch: Vor allem ein überraschender. Ausser für Sportchef Fredy Bickel. Der kennt Djuricin durch die Zusammenarbeit bei Rapid Wien. Also dürfte er von dessen Qualitäten überzeugt sein.

Gutzwiller: Und trotzdem hat er Djuricin bei Rapid Wien schon mal entlassen! Uli Forte hat er ja auch schon zweimal vor die Tür gesetzt, einst bei YB und nun also auch bei GC. Es wissen also immerhin schon beide, was passiert, wenn GC jetzt auch unter Djuricin keinen Erfolg hat.

Brütsch: Ja, dass er Djuricin bei Rapid entlassen hat und ihn nun trotzdem zu GC holt, ist schon ein wenig seltsam. Aber vielleicht war es ein Entscheid des Präsidenten und Bickel musste diesen einfach schlucken. Das weiss man ja nie so genau.

Gutzwiller: Das mag stimmen, dennoch zweifle ich daran, dass ein Trainerwechsel reicht, um GC auf die Erfolgsspur zu führen. Irgendwie scheinen die Probleme grundlegender. Ich glaube: GC verpasst am Ende sogar den Sprung in die Barrage - und wenn, verliert man gegen den FC Thun. Aber jetzt mal der Blick über den Tellerrand, beziehungsweise die Landesgrenze: Bayern und Leipzig haben sich 0:0 getrennt, von einer Vorentscheidung um die Meisterschaft kann also keine Rede sein.

Brütsch: Das ist gut für die Liga, es bleibt spannend. Auch die Dortmunder werden froh sein, dass sie nun nicht sechs Punkte hinter Bayern liegen. Ich war überrascht, dass die Münchner nach dieser dominanten ersten Halbzeit am Ende froh sein mussten, nicht verloren zu haben. Die Leipziger hatten durch Sabitzer und Werner Superchancen.

Gutzwiller: Wobei es ja irgendwie zu Leipzig passt: In der Rückrunde waren sie in jeder Partei nur eine Halbzeit gut und in einer Halbzeit aber zu schlecht. So wird es für sie sehr schwierig, ihren ersten Titel zu holen. Dortmund kann zwar froh sein, aber ich glaube nicht, dass sie am Ende noch um den Titel mitreden. Da lege ich mich fest: Dortmund kommt nicht über den dritten Rang hinaus.

Brütsch: Dann müsste Lucien Favre aber die Champions League gewinnen, um BVB-Trainer zu bleiben...

Lucien Favre steht in Dortmund wieder einmal in der Kritik.

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