Kommentar
Nati-Boss Peter Stadelmann schaufelt im Balkan-Graben

Konfrontiert mit unseren Recherchen, wonach in der Fussball-Nationalmannschaft ein Graben zwischen der Balkan-Fraktion und den Spielern mit helvetischen Namen besteht, macht der Nati-Delegierte Peter Stadelmann eine schlechte Figur.

François Schmid-Bechtel
François Schmid-Bechtel
Drucken
Teilen
Der Nationalteam-Delegierte Peter Stadelmann schaufelt mit seinen Aussagen weiter im Balkan-Graben.

Der Nationalteam-Delegierte Peter Stadelmann schaufelt mit seinen Aussagen weiter im Balkan-Graben.

Keystone

Statt sich mit dem Thema seriös zu befassen, sieht Peter Stadelmann keinen Sinn in der Migrationsdebatte. Aus Mangel an Interesse oder Wissen zieht er das Thema in den Sauglattismus, indem er sagt: «Glauben Sie wirklich, dass unter den Spielern während einer Partie migrationspolitische Exkurse stattfinden?» Oder: «Wir wollen keine erfolgreichen Nationalhymnensänger, sondern erfolgreiche Fussballer.» Oder: «Was war denn die Körperhaltung? Sind wir auf dem Kopf gelaufen?»

Vielleicht ist Stadelmann eine lahme Ente, weil schon jetzt klar ist, dass er nach der EM als Nati-Delegierter zurücktritt. Vielleicht widerspiegeln seine Äusserungen in der Causa «Balkan-Graben» nicht die Meinung seiner Verbandskollegen. Man kann nur hoffen, dass diese beiden Vermutungen zutreffen. Aber dann ist er der falsche Mann, um mitzubestimmen, ob Vladimir Petkovic über die EM hinaus Trainer bleiben soll oder nicht.

Freifahrtschein für Suche nach Sündenböcken

Mit seinem Verkennen der Lage macht Stadelmann den Balkan-Graben nur noch tiefer. Den Spielern mit Schweizer Wurzeln signalisiert er, ihre Anliegen nach mehr Rückhalt und Anerkennung nicht ernst zu nehmen. Dem gesamten Team signalisiert er, dass er keinen Wert auf Identifikation legt, also weiterhin jeder machen kann, was und wie es ihm beliebt. Und der Balkan-Gruppe drückt er einen Freifahrtschein für ihre Suche nach den vermeintlichen Sündenböcken in die Hand. Was laut unseren Informationen gestern die Hauptbeschäftigung in der Nati war. Offenbar soll sich die Balkan-Gruppe bereits auf ein Opfer festgelegt haben: Valentin Stocker. Wenn nun der Nati-Boss Stadelmann und der Trainer Petkovic auch noch tatenlos zuschauen, wie Stocker demontiert wird, ist dieses Nationalteam mit diesem Trainer nicht mehr zu retten. Dann lässt sich die Selbstzerfleischung nicht mehr aufhalten.