Offener Brief

«Nehmen Sie sich Uli Hoeness zum Vorbild» – Offener Brief an David Degen

Thumb for 'Miteigentümer David Degen über seine Pläne mit dem FC Basel'

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Seit Montag dominiert am Rheinknie ein Thema: Mit David Degen kehrt ein prominentes Gesicht zurück zum FC Basel. Er kauft 10 Prozent der FCB Holding AG und nimmt Eintritt in den Verwaltungsrat. In einem offenen Brief wendet sich nun Klaus Zaugg an den ehemaligen FCB-Spieler.

Sehr geehrter Herr Degen

Herzliche Gratulation zu Ihrem Einstieg beim FC Basel. Sie bringen Ihr Wissen und etwas eigenes Geld in das Sportunternehmen ein, dem Sie zu einem schönen Teil Ihre Karriere und wohl auch Ihr Vermögen verdanken. Es gibt sie also noch, die Dankbarkeit und die Sportromantik.

Ihr Einstieg beim FC Basel ist auch ein Geschenk für alle Chronistinnen und Chronisten und erhöht den Unterhaltungswert des helvetischen Fussballtheaters, das eher mehr vom Treiben neben als vom Spektakel auf dem Rasen lebt.

Ein charismatischer, kommunikativer Verwaltungsrat mit grosser Fussballkompetenz und Beziehungen in alle Welt und Medienhäuser ist ein schier unfassbarer Glücksfall für alle. Nehmen Sie sich beispielsweise Uli Hoeness zum Vorbild: Wenn Sie etwas zu sagen haben, sagen Sie es direkt heraus. Wenn Sie beim sportlichen Führungspersonal Änderungswünsche haben, dann nützen Sie die unbegrenzten Möglichkeiten, die sich durch Weitergabe von Interna an die Chronistinnen und Chronisten, durch das Entfachen von Polemik ergeben. Und warum nicht irgendwann mal einen Machtkampf mit dem eigenen Präsidenten riskieren? Das wäre dann sozusagen die Königsdisziplin.

Miteigentümer David Degen über seine Pläne mit dem FC Basel

Miteigentümer David Degen über seine Pläne mit dem FC Basel

Ex-Spieler und Geschäftsmann David Degen äussert sich zu seinen Plänen beim FC Basel, bei dem er neu Miteigentümer ist.

Ja, das sind boshafte Anregungen. Natürlich sind Ihre Absichten lauter und rein und dienen nur dem Interesse des FC Basel. Getreu dem Motto: «Make the FCB great again.» Aber es wird nicht lange dauern, bis solch boshafte Mutmassungen angestellt werden. Das liegt nun mal in der Natur der Unterhaltungsindustrie, zu der ja auch der Fussball in Basel gehört.

Aber warum eigentlich eigenes Geld riskieren? Ich habe gelesen, es seien rund zwei Millionen. Ob das so ist, weiss ich natürlich nicht. Es wird ja allerhand in die Welt gesetzt, und ich glaube schon lange nicht mehr alles, was ich lese und höre.

Trotzdem die Frage: Warum sich nicht mit einer Beratertätigkeit begnügen? Es ist doch perfekt, wenn man alles besser weiss und trotzdem nicht verantwortlich sein muss. Den Spruch haben die Amerikaner kreiert, die im Sportgeschäft reichlich Erfahrung haben: «Wie kann man im Sportbusiness ein kleines Vermögen machen? Ganz einfach: Man beginnt mit einem grossen Vermögen.»

Mögen die Fussballgötter dafür sorgen, dass der FC Basel blühen und gedeihen und sich Ihr investiertes Geld vermehren möge. Ich möchte es Ihnen von Herzen gönnen.

Mit freundlichen Grüssen und einem kräftigen «Hopp FCB!»

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