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Nick Alpiger nach Sensationssieg: «Dass es am Ende so aufgeht, das ging mir wirklich unter die Haut»

Der Urschrei des Siegers: Nick Alpiger nach seinem Festsieg.

Der Urschrei des Siegers: Nick Alpiger nach seinem Festsieg.

Der Aargauer Nick Alpiger feierte mit seinem Sieg am Innerschweizer Schwingfest den grössten Erfolg seiner Karriere. Im Interview am Tag danach blickt auf die emotionalen Momente nach dem Schlussgang zurück und sagt, was sich im Hinblick auf das Eidgenössische für ihn ändert.

Wieviele SMS- und Whatsapp-Gratulationen haben Sie nach Ihrem Triumph in Flüelen erhalten?
Nick Alpiger: Ja, das ist schon etwas gegangen. Ich wurde ziemlich überflutet. Ich habe nicht gezählt. Aber ich wusste gar nicht, dass so viele Leute meine Nummer kennen (lacht).

Sie konnten jetzt eine Nacht drüber schlafen…
…was heisst hier Nacht? (lacht). Es war eher ein Morgen lang. Ich habe den Sonntag zusammen mit meinen Leuten in Flüelen ausklingen lassen. Ich habe den Abend in vollen Zügen genossen. Wir gingen erst dann nach Hause, als nur noch zwei, drei Einheimische auf dem Gelände waren. So etwas erlebt man schliesslich nicht alle Tage. Vielleicht sogar nur einmal im Leben. Darum bin ich umso glücklicher.

Im TV-Interview unmittelbar nach dem Sieg waren Sie sehr emotional, fanden kaum Worte.
Das TV-Interview war völlig in den Emotionen. Da ist alles innerlich hochgekocht. Es war so eine grosse Überraschung. An mich hat ja niemand gedacht. Ich selber habe höchstens gehofft, dass, wenn irgendwie alles perfekt läuft, wenn es mein Tag ist und ich zusätzlich noch viel Rückenwind habe, es zum Festsieg reichen könnte. Dass es am Ende so aufgeht, das ging mir wirklich unter die Haut. Auch jetzt fühlt es sich immer noch herrlich an. Ich strahle den ganzen Tag (lacht).

Nick Alpiger ringt nach Worten:

Harte Schale, weicher Kern: Nick Alpiger lässt Emotionen freien Lauf

Harte Schale, weicher Kern: Nick Alpiger lässt Emotionen freien Lauf

Haben Sie den Tag danach frei genommen?
Ja, wir haben noch am Sonntagabend meinen Chef angerufen. Der hat mir selbstverständlich frei gegeben. Das ist wirklich sehr nett (lacht).

Können Sie, mit einen paar Stunden Abstand, fassen, was passiert ist?
Ja, ich denke, dass sich das schon gesetzt hat. Ich stehe ja mitten in der Saison. Es kommt noch viel auf mich zu. Rigi, Brünig, Nordwestschweizer – und erst dann kommt das Eidgenössische. Es bleibt Zeit für Freude, aber ich muss in meinem Fahrplan weitergehen. Am nächsten Sonntag fängt alles wieder bei null an.

Haben Sie den Schlussgang nochmals geschaut?
Den habe ich mir nochmals angeschaut. Die restlichen Gänge aber noch nicht. Im entscheidenden Moment hat mir mein Instinkt geholfen. Ich hatte sicher auch Glück, dass zum richtigen Zeitpunkt gerade alles gepasst hat. Von der Aktion selber habe ich während des Kampfs nicht viel mitbekommen. Es ging alles extrem schnell.

Der Schlussgang im Video:

Haben Sie eine Erklärung, dass es den ganzen Tag so gut gelaufen ist?
Ein Stück weit war es schon fast ein wenig ein Selbstläufer. Aber ich habe mich natürlich auch extrem gut vorbereitet. In den Trainings habe ich alles richtig gemacht. Meine Betreuung – vor und während des Fests – war perfekt. Während des Schwingens konnte ich mich gut abgrenzen. Zwischen den Gängen zog ich mich mit meinen Betreuern und einem der nordwestschweizer Masseure in unseren Aufenthaltsraum zurück. Ich ging auch viel spazieren, um den Kopf zu verlüften. Ich brauche meine Ruhe.

Wann wussten Sie, dass etwas ganz Grosses passieren könnte?
Das war der Moment, als ich im fünften Gang Benji von Ah besiegte. Da wusste ich, dass ich den Kranz auf sicher habe. Zu diesem Zeitpunkt war es mir eigentlich sogar egal, ob ich in den Schlussgang komme oder nicht.

Das war ja lange nicht klar.
Ja, wir haben dann mal angefangen zu rechnen. Ich war zusammen mit Christian Schuler und Sven Schurtenberger punktgleich an der Ranglistenspitze. Irgendwann habe ich dann ganz fest gehofft, dass ich in den Schlussgang komme. Als es dann klar war, habe ich mich unheimlich gefreut. Und ich konnte dann auch mit dieser Freude in den Schlussgang gehen. Ich wusste, dass es vielleicht ein einmaliges Erlebnis sein könnte, an einem Innerschweizer um den Festsieg zu schwingen.

Wie wirkt sich so ein Sieg auf das Selbstvertrauen aus?
Ich habe jetzt die Gewissheit, dass ich etwas ganz Grosses erreichen kann. Das ist für mich wichtig. Ich weiss, dass ich praktisch mit jedem Gegner mithalten kann, dass ich mich nicht verstecken muss. Aber eigentlich gibt es keinen Grund für mich, etwas zu ändern. Es ist ja alles aufgegangen.

Was bedeutet der Sieg im Hinblick auf das Eidgenössische?
Für mich ändert sich gar nichts. Ich war ja vorher schon einer der Leader der Nordwestschweizer. Und wie gesagt: Jedes Fest fängt bei null an, die Karten werden neu gemischelt. Aber klar ist: wenn ich einen guten Tag erwische, dann liegt alles drin.

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