Lieber Valon Behrami

Sie haben in Ihrer Karriere schon viel erlebt. Sie sind 34, Schweizer WM-Rekordmann und haben über 400 Mal in den europäischen Topligen gespielt. Doch jetzt sind Sie der Neuling. Sie steigen in Ihre erste Super-League-Saison.

Es ist eine Premiere, auf die wir uns freuen dürfen. Ihr Wechsel zum FC Sion bringt Sie uns wieder näher, nachdem Sie nach der letzten WM und einem Missverständnis mit Nationaltrainer Vladimir Petkovic frustriert den Rücktritt aus dem Nationalteam gegeben haben. Sie haben danach Ihren verdienten Respekt gefordert.

Respekt, den Sie von Schweizer Nati-Fans in den vergangenen Jahren bekommen haben. Dank Ihrem Einsatz, Ihrem Kampfgeist und Ihrer Art, Probleme beim Namen zu nennen, wurden Sie zum Publikumsliebling. Unvergessen bleibt, wie Sie in Ihrem ersten Länderspiel, in der Barrage gegen die Türkei, gleich ein Tor erzielt haben, das uns an die WM 2006 bringen sollte.

Unvergessen bleibt, wie Sie an der WM 2014 gegen Ecuador mit der Grätsche Ihres Lebens und einem Lauf über den halben Platz (bei dem Sie sich auch durch ein Foul nicht stoppen liessen) den Siegtreffer in der Nachspielzeit eingeleitet haben. Und unvergessen bleibt, wie Sie an der WM 2018 Neymar ausgeschaltet haben und er sich am Boden wand.

Kurz nach der WM haben Sie Skistar Lara Gut geheiratet. Dass Sie jetzt ins Skiparadies Wallis wechseln, dürfte kein Zufall sein, auch wenn Sie gesagt haben, dass Lara kein Wechselgrund gewesen sei. Stattdessen haben Sie bei Ihrer Vorstellung in Sion Präsident Christian Constantin und dessen Sohn und Sportchef Barthélémy gelobt, die Sie als Menschen und nicht nur als Fussballer schätzen.

Sie sind nicht in die Schweiz gekommen, um das Familienleben zu geniessen. Sie sind gekommen, um zu zeigen, wie gut Sie noch sind. Sie werden Ihren Fuss nicht zurückziehen, auch wenn Sie immer wieder mit Verletzungen kämpfen. Sie werden weder Dribbel- noch Torschützenkönig. Aber Sie werden den FC Sion mit viel Leidenschaft als neuer Captain anführen. Sie werden Ihre Mitspieler besser machen und sich so den Respekt verdienen.