Olympische Spiele
Wieso auch die Wissenschaft Dario Cologna in Peking nicht helfen kann

Wegen Corona erhält Swiss-Ski im Hinblick auf die Olympischen Winterspiele 2022 in China viel weniger wissenschaftliche Daten. Diese trugen zu den vier Olympiasiegen des Schweizers an drei exotischen Destinationen für Langläufer bei.

Rainer Sommerhalder
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Neben der Form muss beim Langlauf für den Erfolg auch der Ski stimmen. Bei Olympia hatte das Schweizer Wachsteam dies Komponente dank der Wissenschaft bei Dario Cologna dreimal hervorragend im Griff.

Neben der Form muss beim Langlauf für den Erfolg auch der Ski stimmen. Bei Olympia hatte das Schweizer Wachsteam dies Komponente dank der Wissenschaft bei Dario Cologna dreimal hervorragend im Griff.

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Dario Colognas vier Olympiasiege hatten etwas gemeinsam. Das Schweizer Serviceteam fand bei der Skipräparation die richtige Lösung für die herrschenden Schnee- und Witterungsbedingungen. Zufall oder Glück waren das nicht.

Sowohl 2010 in Vancouver, wie auch 2014 in Sotschi und 2018 in Pyeongchang fanden die Rennen an Orten statt, welche für die Langläufer Neuland waren. Im Gegensatz etwa zu Weltmeisterschaften, die praktisch ausnahmslos in Weltcup-erprobten Destinationen über die Bühne gehen. Entsprechend unbekannt war das Wissen über die Schneebeschaffenheit und die Veränderung der Schneekristalle aufgrund von Einflüssen wie Wind, Temperaturverlauf oder Sonneneinstrahlung.

Dabei erarbeitete sich das Schweizer Olympiateam einen Vorsprung gegen die grossen Langlauf-Nationen. Diese können mit ihren personellen Ressourcen zwar innerhalb kurzer Zeit mehr Varianten und Eventualitäten bei der Skipräparation berücksichtigen. Über Erfahrungswerte an exotischen Orten verfügen aber auch sie nicht.

Wie funktioniert südkoreanischer Schnee? Die Schweizer wussten es

Die Schweiz setzte bei den letzten drei Winterspielen auf die Wissenschaft. Zwei Mitarbeiter des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung Davos begleiteten das Team an die traditionellen vorolympischen Wettkämpfe ein Jahr vor dem Grossanlass. Sie sammelten Schneeproben, berechneten Wettermodelle, beobachteten Temperaturverläufe, analysierten chemische Reaktionen des Schnees aufgrund von Witterungsänderungen und halfen so mit, Entwicklungen der Loipenverhältnisse zu kennen, bevor sie dann bei Olympia tatsächlich eintrafen.

In Pyeongchang wurde zusätzlich die Rennstrecke mit Helmkamera im Wettkampftempo gefilmt. Zusammen mit Streckendaten und Höhenprofil programmierte man das Laufband im Stützpunkt Davos. Die Athleten konnten bei jedem Training die Olympiastrecke quasi in Echtzeit simulieren und visualisieren.

All das ist für Peking 2022 nicht möglich. Wegen Corona sagten die Organisatoren sämtliche Testwettkämpfe ab. «Wir wissen also nicht genau, was uns erwartet», sagt Nordisch-Chef Hippolyt Kempf, «und das ist ein grosses Problem.» Kempf macht eine einfache Gleichung: «Mit halb so vielen Serviceleuten müssen wir theoretisch doppelt so schnell sein wie Norwegen. Dank den wissenschaftlichen Daten können wir einen Teil kompensieren.» Dieser Vorsprung fällt für Peking weg, was die Sache mit Colognas Olympiatraum nicht einfacher macht.