Orientierungslauf
Seit 2019 bereitet sich Noah Zbinden auf die WM in Tschechien vor, am Dienstag darf er endlich an den Start

Der Baselbieter Noah Zbinden vertritt die Schweiz in Tschechien bei der Weltmeisterschaft im Orientierungslauf. Seit 2019 trainierte er mehrmals in den Wäldern des Landes. Dass es aber schlussendlich für die Selektion reicht, hat der 24-Jährige bis zuletzt nicht geglaubt.

Esteban Waid
Merken
Drucken
Teilen
Nicht selten kämpft sich Noah Zbinden durch unwegsames Gelände, immer auf der Suche nach dem nächsten Zielpunkt.

Nicht selten kämpft sich Noah Zbinden durch unwegsames Gelände, immer auf der Suche nach dem nächsten Zielpunkt.

zvg (Orienteering Focus)

Ein kleiner Bub mit Latzhose und bunter Fischermütze rennt mit einem Blatt Papier in der Hand durch den Wald. So schnell, dass der Hintergrund des Schnappschusses schon leicht verschwommen ist. Es ist ein Foto aus dem Jahr 1998, das den zweijährigen Noah Zbinden zeigt. 23 Jahre später läuft Zbinden immer noch gerne durch den Wald, denn er ist Orientierungsläufer und gehört zu den Besten in der Schweiz.

Eine Entwicklung, die kein Zufall zu sein scheint. Schon Zbindens Eltern übten beide den Sport aus, gedrängt haben sie ihn aber nie. Viel mehr ist das Bild eine Art Beweis dafür, dass er einfach Spass daran hat. «Erst gestern hat mir meine Mutter erzählt, dass ich schon früher beim Wandern immer neben den Wegen laufen wollte. Das hat mir damals schon Spass gemacht», erzählt Zbinden. Die Entwicklung führte ihn zu dem aktuellen Höhepunkt seiner OL-Karriere.

Am Samstag beginnt in Tschechien die Weltmeisterschaft. Zbinden wird dort in der Mitteldistanz an den Start gehen, als einer von vier Schweizern aus dem Elitekader. Auch diese Teilnahme ist wohl eher kein Zufall als vielmehr Resultat seines Trainings.

«Im Herbst 2019 reiste ich das erste Mal mit Kollegen nach Tschechien. Ich wusste: Wenn ich gut sein will und mich qualifizieren möchte, dann muss ich auch vor Ort in diesem Gelände gut sein», erzählt er über die Zeit noch vor der Pandemie. Trotzdem hat er aber bis zum Ende nicht daran geglaubt, wirklich selektioniert zu werden.

Die Freude, dass es geklappt hat, ist ihm auch so kurz vor dem Turnier immer noch anzumerken. Wohl auch, weil er bis dahin einige Rückschläge erleiden musste. So verpasste er beispielsweise die EM wegen einer Corona-Infektion. «Ich hatte keinen schlimmen Verlauf und konnte schnell wieder trainieren. Aber die Selektionsläufe kamen dann zu schnell, um wieder auf einem ausreichend guten Level zu sein», erklärt Zbinden.

Glücklicherweise blieb der 24-jährige von Spätfolgen der Infektion verschont, konnte die Zeit während der EM nutzen, um noch einmal in Tschechien zu trainieren, um das Gelände weiter kennen zu lernen. So kann er auch eine seiner Stärken weiter ausbauen, wie sein langjähriger Trainer Anders Holmberg meint:

«Ein Wald ist nicht gleich ein Wald, aber er beherrscht sehr viele unterschiedliche Gelände und passt sich schnell an. Er ist technisch sehr gut.»
Die Mitteldistanz liegt Noah Zbinden am besten, denn im Wald fühlt er sich wohler als in der Stadt.

Die Mitteldistanz liegt Noah Zbinden am besten, denn im Wald fühlt er sich wohler als in der Stadt.

Orienteering Focus

Seinen grossen Moment hat Noah Zbinden dann am Dienstag, wenn er das erste Mal die Karte in die Hand bekommt und losläuft. Dann wird sich zeigen, wie gut er das Gelände kennen gelernt hat und auch, wie gut er die Nervosität im Griff haben wird. «Ich fühle mich gut vorbereitet, bin viel in diesen Wäldern gewesen, konnte läuferisch gut trainieren und fühle mich auch fit. Und mental habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich Tag X meistens meine Leistung abrufen konnte», sagt Zbinden und analysiert die Vorbereitung dabei ähnlich wie sein Trainer.

Die Nervosität sei aber nicht unbedingt schlecht sagt Trainer Holmberg, der selbst schon an einer WM Silber holen konnte: «Nervosität ist gut, denn das zeigt, dass es ihm wichtig ist, solange es in einem kontrollierbaren Rahmen bleibt.» Darüber hinaus versucht Holmberg alles, was er aus seiner Zeit gelernt hat, weiterzugeben. Dazu legt er auch Fehler offen, die er selbst gemacht hat, damit Zbinden diese nicht wiederholt.

Neben dem Trainer unterstützt ihn natürlich auch seine Familie. Zbindens Vater, seine zwei Schwestern und seine Freundin werden vor Ort sein, um ihn anzufeuern. Dass das möglich ist, hat der Veranstalter erst vor wenigen Wochen bekanntgegeben. Jede zusätzliche Unterstützung hilft dabei, dass Zbinden seine beste Leistung abrufen kann.

«Wenn ich im Ziel bin und das Gefühl habe, dass ich mein Maximum gegeben habe, ist das schon mal gut und wenn es dann auch noch ein gutes Resultat gibt, wäre das umso schöner»,

erklärt er. Ein bisschen blickt Noah Zbinden aber auch schon auf die nächste WM 2023 in Flims. Dort ist der einst kleine Bub aus dem Wald dann nicht nur im besten OL-Alter, sondern er darf auch in den Wäldern laufen, in denen er sich zu Hause fühlt.

Zur Person

Noah Zbinden – Orientierungslauf
Swiss Orienteering

Noah Zbinden – Orientierungslauf

Noah Zbinden kam am 01.11.1996 auf die Welt und wohnt in Münchenstein. Neben dem Leistungssport studiert er Architektur in Chur an der FH Graubünden. Er ist Mitglied beim OLV Baselland und seit 2016 ist er ausserdem Teil des Elite B Kaders von Swiss Orienteering. Als seinen bisher grössten Erfolg bezeichnet er den fünften Platz an der Junioren EM 2016. Im gleichen Jahr bekam er auch den Baselbieter Sportförderpreis überreicht.