Playoff-Basketball
Die Starwings spielen um den Meistertitel, aber die grossen Gewinner sind sie bereits vor dem Final

Am Mittwochabend beginnt die Final-Serie zwischen den Starwings und Fribourg. Bevor das Highlight der Saison aber beginnt, erklären fünf Protagonisten das Birsfelder Basketball-Wunder. Fribourgs Trainer Petar Aleksic findet dabei nur lobende Worte und nimmt den Gegner ernst.

Esteban Waid
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Was die Starwings in dieser Saison erreicht haben, hätte kaum einer für möglich gehalten. Eines der Erfolgsgeheimnisse ist der Teamgeist der Mannschaft.

Was die Starwings in dieser Saison erreicht haben, hätte kaum einer für möglich gehalten. Eines der Erfolgsgeheimnisse ist der Teamgeist der Mannschaft.

Georgios Kefalas / KEYSTONE

Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte stehen die Basketballer der Starwings im Playoff-Final. Aber es ist nicht die einzige Premiere. Die Birsfelder sind auch der erste Deutschschweizer Vertreter, der in einem NLA-Final um den Titel spielen darf. Die Superlative für diese Sensation sind längst aufgebraucht. Doch das Basketball-Märchen ist noch nicht zu Ende. Der kommende Gegner stellt für eine weitere Überraschung eine grosse Hürde dar.

Fribourg Olympic will nämlich nichts weniger als den dritten Titel in Folge. Der Klub hat also Erfahrung in Finalspielen. Hinzu kommt, dass das Budget mit rund eineinhalb Millionen Franken mehr als dreimal so gross ist wie jenes der Starwings. Doch von Diskrepanzen haben sich die Birsfelder auch in den letzten Runden gegen Liga-Krösus und Qualifikationssieger Genf und den Tabellenvierten Neuchâtel nicht irritieren lassen. Und das, obwohl aktuell nur sechs Spieler der Starwings einsatzfähig sind.

Der Final wird im Best-of-five-Modus gespielt. Das erste Spiel bestreiten die Starwings heute Abend um 19.30 Uhr auswärts in Fribourg. Darauf folgt am Samstag das erste Heimspiel um 17.30 Uhr. Die mögliche Entscheidung könnte dann schon am Dienstag in Fribourg fallen. Allenfalls geht die Serie aber auch in der kommenden Woche noch weiter. Vor dem Auftakt haben wir mit einigen Akteuren der Starwings gesprochen und uns auch beim kommenden Gegner umgehört, um das Birsfelder Basketball-Wunder besser einordnen zu können.

«Da wird man emotional.»
Mit 26 Punkten war Vid Milenkovic der Topskorer in Spiel zwei gegen Neuchâtel.

Mit 26 Punkten war Vid Milenkovic der Topskorer in Spiel zwei gegen Neuchâtel.

Georgios Kefalas / KEYSTONE

Vid Milenkovic (Shooting Guard): «Im Dezember hatten wir nach mehreren Quarantänen keine grossen Ambitionen, ausser diese Saison gesund zu beenden. In den letzten zwei Monaten kam dann aber ein Schub, wo wir dachten, wir könnten noch Fünfter oder Sechster werden. Und was dann in den Playoffs passierte, ist historisch. Beim ersten Sieg gegen Genf dachten wir einfach: Das ist vielleicht unser letztes Spiel, lass uns raus gehen und Spass haben. Wir hatten ja nichts zu verlieren.

Nach dem Sieg kam dann der Hunger und dann standen wir auf einmal im Halbfinal. Da waren wir viel motivierter und selbstbewusster, weil wir Neuchâtel schon vorher zweimal schlagen konnten. Da war die Stimmung: Let’s go to the finals. Wir haben nicht mehr auf Glück gesetzt. Jetzt stehen wir im Final und haben bereits Geschichte geschrieben. Wenn man das realisiert, wird man emotional. Wir haben jetzt keinen Druck mehr und müssen mit der gleichen Einstellung weiterspielen. Die Leute sagen ja schon, dass wir die Champions sind.»

«Es entwickelte sich eine unaufhaltsame Dynamik.»
Präsident Pascal Donati kümmert sich im Verein um viele Angelegenheiten und um alle Belange der US-Spieler

Präsident Pascal Donati kümmert sich im Verein um viele Angelegenheiten und um alle Belange der US-Spieler

zVg

Pascal Donati (Präsident): «Für mich als Coronaverantwortlicher war es keine einfache Saison, mit teilweise fünf Mannschaften in Quarantäne. Die Moral wurde da stark strapaziert – nicht nur in der ersten Mannschaft. Was jetzt in den Playoffs passiert, ist surreal und eine Genugtuung, aber auch eine Bestätigung für die Qualität der Mannschaft. Wir sind auf Platz acht gelandet und dachten, wir kommen nicht vom Fleck und plötzlich entwickelte sich nach dem Sieg gegen Genf eine Dynamik, die unaufhaltsam war.

Das Weiterkommen gegen Neuchâtel war zwar auch eine Überraschung, aber erwartbarer. Jetzt wollen wir einfach den Moment geniessen und Fribourg das Leben so schwer wir möglich machen. Aber für die Zukunft bedeutet das auch, dass wir in der nächsten Saison eine neue Mannschaft haben werden, weil unser Budget zu klein ist. Das war schon immer die Rolle der Starwings. Wir geben jungen Spielern eine Chance und können sie dann leider nicht mehr halten.»

«Es kamen viele Nachrichten aus Europa.»
Coach Dragan Andrejevic bedankt sich nach dem Finaleinzug bei den Zuschauern in der Birsfelder Sporthalle.

Coach Dragan Andrejevic bedankt sich nach dem Finaleinzug bei den Zuschauern in der Birsfelder Sporthalle.

Georgios Kefalas / KEYSTONE

Dragan Andrejevic (Trainer): «Wir glauben an das, was wir tun und wir sind selbstbewusst. Und was uns auszeichnet ist der Teamspirit und unser Teamwork. Und das ist auch die einzige Option, die wie haben, wenn wir nur mit sechs oder sieben gesunden Spielern spielen. Aber ich mache mir keine Sorgen um meine Jungs. Sie wissen, was sie tun müssen. Wir haben schon Geschichte geschrieben und haben unglaubliche Dinge vollbracht.

Schon nach dem Viertelfinal habe ich Nachrichten aus ganz Europa bekommen, die fragten, was da in der Schweiz los ist. Als Trainer bin ich einfach stolz. Und ich sage meinen Spielern immer, dass sie das Erreichte verdient haben. Man darf nicht vergessen, dass wir das jüngste Team der Liga sind mit vielen Rookies, wie Vid Milenkovic, Yafet Haile, Sebastien Davet oder Jannis Pausa. Deondre Burns und Matthew Milon spielen das erste Mal in Europa. Und sie alle sind so konzentriert und spielen ohne Druck, obwohl sie wissen, was sich hier für eine Chance bietet.»

«Sensationen sind im Basketball selten.»
Thomas Trümpy (Mitte) ist nicht nur langjähriger Starwings-Fan, sondern kümmert sich in der Vorstandschaft um die Finanzen.

Thomas Trümpy (Mitte) ist nicht nur langjähriger Starwings-Fan, sondern kümmert sich in der Vorstandschaft um die Finanzen.

zVg

Thomas Trümpy (Vorstand und Fan): «Es ist einfach grossartig, weil man das in keiner Weise erwarten konnte. Bei den Starwings gab es so einen Erfolg schon lange nicht mehr. Zu Beginn des Jahrtausends war der Klub immer recht erfolgreich und war vorne dabei. Aber nach dem Cupsieg 2010 trat eine Stagnation ein, bei der im Viertelfinal meistens Ende war. Diesmal ist das ganz anders. Auch, dass die Mannschaft den Erfolg gegen Genf noch einmal auf diese Art bestätigen konnte.

Das zweite Spiel gegen Neuchâtel war nie gefährdet, auch wenn man als Fan immer am zittern war. Hinzu kommt, dass solche Sensationen im Basketball seltener sind als in anderen Sportarten. Alles was jetzt kommt, ist eine Zugabe. Ich kann mir den Meistertitel zwar nicht vorstellen, aber ich konnte mir auch nicht vorstellen, dass sie jetzt im Final stehen. Ich hoffe einfach auf eine schöne Serie. Auf dass dieser Erfolg eine gute Werbung für den Sport ist und Sponsoren sehen, dass im Basketball etwas möglich ist.»

«Wir haben grossen Respekt.»
Als Assistenztrainer bei Alba Berlin wurde Petar Aleksic bereits deutscher Meister und Pokalsieger.

Als Assistenztrainer bei Alba Berlin wurde Petar Aleksic bereits deutscher Meister und Pokalsieger.

Samuel Golay / KEYSTONE

Petar Aleksic (Fribourg-Trainer): «Ich habe allen immer gesagt, dass die Starwings ein sehr gutes Team und auch einen guten Trainer haben. Sie haben ein paar Spieler aus Amerika, die man nicht unterschätzen darf und auch Branislav Kostic und Ilija Vranic sind grossartige Spieler, aber leider verletzt. Ich denke sie hatten Höhen und Tiefen wegen der ganzen Coronasituation. Aber sie haben am Ende der Saison Charakter gezeigt.

Zu dem Zeitpunkt, wo es zählt. Unser letztes Spiel gegen sie im Cup-Halbfinal und das letzte während der Hauptrunde waren sehr knappe Spiele. Ich bin nicht überrascht, dass sie jetzt Erfolg haben. Sie haben ein gutes Konzept und sie haben gezeigt, wie sie Situationen kontrollieren können. Der Fokus liegt bei uns auf dem ersten wichtigen Spiel. Es ist eine schwierige Situation, weil Basel ein gutes Momentum hat und selbstbewusst ist. Da müssen wir fokussiert bleiben und die letzten beiden Spiele analysieren, auch weil wir einige Verletzte haben. Aber wir haben grossen Respekt vor den Starwings.»