Playoff-Basketball
Das Basketballwunder der Starwings endet im Final: Aber was bringt der Exploit dem Deutschschweizer Basketball?

Die Birstal Starwings verlieren auch das dritte Playoff-Finalspiel mit 76:85 gegen Fribourg, die sich zum dritten Mal in Folge zum Schweizer Meister krönen. Den grössten Erfolg der Saison haben aber die Starwings erreicht. Es bleibt aber die Frage, wie nachhaltig diese sensationelle Leistung war.

Esteban Waid
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Die Geschichte der Saison haben Branislav Kostic die Starwings bereits geschrieben, am Ende müssen sie aber den Fribourgern zum Titel gratulieren.

Die Geschichte der Saison haben Branislav Kostic die Starwings bereits geschrieben, am Ende müssen sie aber den Fribourgern zum Titel gratulieren.

Peter Klaunzer / KEYSTONE

Es ist mittlerweile ein gewohntes Bild, das sich den Fribourg-Fans nach diesem dritten Finalspiel gegen die Starwings präsentiert. Zum dritten Mal hintereinander gewinnt ihr Team den Meistertitel. Auf der anderen Seite stehen die Birsfelder, die nicht nur enttäuscht sind, aber vor allem erschöpft.

40 Minuten Kampf haben sie hinter sich, hatten Fribourg mehrmals am Rande einer Niederlage. Am Ende scheitern sie aber schon wieder an den abgebrühten Fribourgern. 85:76 zeigt die Anzeigetafel, während die Starwings stolz ihre Silbermedaille entgegennehmen.

Der Finaleinzug bringt kaum langfristigen Erfolg

Mit dem Titel für Fribourg ist auch die Saison der Wings nun endgültig beendet. Einige Wochen später, als zu Beginn der Saison die meisten Basketballfans wohl vermutet hätten, aber Wochen, in denen die Birsfelder Basketballer gezeigt haben, dass auch im sensationsarmen Basketballsport noch Wunder möglich sind.

Denn dass die Starwings überhaupt zum ersten Mal in ihrer Klubgeschichte in den Finals gespielt haben, ist nicht nur eine Sensation aufgrund der schwierigen Saison mit viel Verletzungs- und Coronapech. Es ist auch eine Sensation, weil der Basketball in der Deutschschweiz schon immer einen anderen Stellenwert hatte als in der restlichen Schweiz.

Erst einmal gewann eine Mannschaft aus dem deutschsprachigen Raum der Schweiz überhaupt den Meistertitel. Das war die Mannschaft der Uni Bern im Jahr 1933, in der ersten je ausgetragenen Basketballsaison überhaupt in der Schweiz. Danach dominierten die Teams aus der Romandie und dem Tessin den Sport. Fribourg Olympic steht mit dem heutigen Titel bei 18 gewonnenen Meisterschaften. Kein Schweizer Team hat mehr.

Fribourg feiert den dritten Titel in Folge.

Fribourg feiert den dritten Titel in Folge.

Peter Klaunzer / KEYSTONE

Und obwohl die Starwings gezeigt haben, dass sie durchaus mit den Grossen mithalten können, ist nicht davon auszugehen, dass die Starwings in der nächsten Spielzeit dort weitermachen können, wo sie aufgehört haben. Zu gross ist die Diskrepanz der finanziellen Mittel innerhalb der Liga.

Bei ungefähr 400'000 Franken liegt das Budget der Birsfelder. Teams wie die Lions de Genéve oder Fribourg Olympic können fast viermal so viel Geld ausgeben. Der neuerliche Erfolg der Starwings entpuppt sich deshalb zu einer schwierigen Situation. Zum einen stellen die vielen Playoff-Spiele einen finanziellen Mehraufwand dar, zum anderen werden jetzt Vereine hellhörig. Auch international. Je erfolgreicher die Spieler, desto teurer werden sie am Ende.

«Die Spieler werden nicht teurer, weil sie mehr verlangen. Sie werden teurer, weil andere Vereine kommen und ihnen mehr zahlen wollen»,

erklärt Starwings-Präsident Pascal Donati. Damit erfüllen die Starwings die Rolle, die sie schon seit Jahren einnehmen. Sie geben Unbekannten Spielern eine Chance. Bestehen die Spieler die Birsfelder Feuerprobe, kommen andere Vereine und bieten den Spielern mehr, als die Starwings aufbringen können. In dieser Hinsicht hatten die Wings in dieser Saison auch Glück. Denn aus dieser Konstellation von unbekannten Spielern und Birsfelder Veteranen – sie hatten das jüngste Team mit den meisten Rookies – hat sich eine schlagfertige Mannschaft entwickelt.

Die Bilder zum grossen Final:

Wie schon in Spiel 2 konnten die Starwings um Cheikh Sane lange gegen Fribourg mithalten.
14 Bilder
Topskorer Deondre Burns hatte Probleme mit der starken Verteidigung der Heimmannschaft.
Aber hin und wieder gab es Lücken, die Nathan Krill sehenswert nutzen kann.
Vid Milenkovic versucht Sean Barnette zu umkurven, das gelingt im Spiel nicht immer.
Auch offensiv war Fribourgs Sean Barnette für die Wings schwer zu stoppen.
Aber die Starwings liefern einen tapferen Kampf über die vollen 40 Minuten - auch am Boden.
Mit der starken Physis der Gegner hatte sogar der 2,07 Meter grosse Sane seine Probleme
Marquis Jackson war der Beste bei den Fribourgern. Auch Matthew Milon bekommt ihn nicht zu fassen.
Der Beste bei den Starwings war Sébastien Davet, der 18 Punkte für die Birsfelder erzielte.
Vor 100 Zuschauenden in Fribourg blieb es fast bis zu letzten Minute spannend.
Der Kampf hinterlässt seine Spuren. Die Birsfelder sind mit ihrer Kraft am Ende.
Captain Branislac Kostic nimmt für die Starwings die silberne Schale entgegen...
... während Fribourg Olympic das dritte Mal in Folge den Meistertitel in die Höhe stemmt.
«Finalists», das hätten vor der Saison niemand erwartet. Jetzt ist diese sensationelle Spielzeit zu Ende in der die Starwings gezeigt haben: Wunder sind auch im Basketball noch möglich.

Wie schon in Spiel 2 konnten die Starwings um Cheikh Sane lange gegen Fribourg mithalten.

Urs Lindt / freshfocus

Aber diese Mannschaft, die zum Schluss sogar den 50 anwesenden Fans in der Birsfelder Sporthalle so viel Freude bereitet hat, stand am Dienstagabend in dieser Komposition das letzte Mal auf dem Platz. «Das fängt jedes Jahr immer wieder von vorne an. Wir haben nicht die finanziellen Mittel, um einem Spieler einen Dreijahresvertrag zu geben», sagt Donati.

Das würde sich nur ändern, wenn die Wings mit ihrer spektakulären Geschichte Sponsoren auf sich aufmerksam gemacht hätten. Sponsoren, die den Basketball jetzt auch in der Region Basel für sich entdecken und sehen, was in diesem Sport möglich ist und es eben nicht immer nur König Fussball sein muss.

Die mediale Aufmerksamkeit war dem Klub in den letzten Wochen jedenfalls sicher. Französischsprachige Zeitungen, aber auch grosse Deutschschweizer Medien wie das SRF berichteten über die Starwings. Die Spiele wurden im Fernsehen und im SRF-Livestream übertragen, statt wie sonst auf Youtube. So erreichten die Starwings und ihre sensationelle Geschichte zumindest kurzfristig mehr Zuschauer als nur ihre eingefleischten Fans. Denn diese können ja schon bestätigen, dass der Basketball in Birsfelden durchaus Freude bereiten kann.

Fribourg – Starwings 85:76 (45:40)

Halle Saint Léonard. – 100 Zuschauende. – SR: Clivaz/Pillet/Herbert.

Fribourg: Cotture (12), Barnette (16), Jackson (15), Gravet (10), Krajina (12); Mbala (2), Morris (13), Hart, Zinn (5).

Starwings: Burns (6), Milenkovic (7), Krill (17), Davet (18), Sane (17); Milon (7), Kostic, Vranic (4).

Bemerkungen: Starwings ohne Haile, Weibel. – Fribourg komplett. – Viertelresultate: 24:20, 21:20 (45:40), 24:24 (69:64), 16:12 (85:76). – Fouls: Fribourg 21, Starwings 17. – Punkte von der Bank: Fribourg 20, Starwings 11. – Turnovers: Fribourg 11, Starwings 12. – Punkte nach Turnovers: Fribourg 16, Starwings 11. – Rebounds: Fribourg 34, Starwings 31. – Spieler des Spiels: Fribourg: Marquis Jackson, Starwings: Sébastien Davet.

Die Highlights zum entscheidenden Spiel:

Swiss Basketball TV (YouTube)