Playoff-Basketball
Starwings-Coach Dragan Andrejevic: «Die Gegner respektieren, was wir hier in Birsfelden machen»

Es war keine einfache Saison für die Starwings. Mehrere Quarantänen und Verletzungen von Schlüsselspielern werfen das Team immer wieder zurück. Trainer Dragan Andrejevic blickt auf die Saison zurück und erzählt, wie die Birsfelder den Favoriten in den Playoffs vielleicht doch noch ärgern können.

Esteban Waid
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Auch wenn es nicht so läuft wie geplant, Dragan Andrejevic beobachtet eine positive Stimmung bei seiner Mannschaft.

Auch wenn es nicht so läuft wie geplant, Dragan Andrejevic beobachtet eine positive Stimmung bei seiner Mannschaft.

Keystone

Es ist Donnerstagabend, Starwings-Headcoach Dragan Andrejevic hat kurz vor dem Training Zeit gefunden, um einen kurzen Rückblick auf die Saison zu wagen und über die anstehenden Playoffs zu sprechen. Er wirkt trotz der grossen Aufgaben, die vor und hinter ihm liegen, entspannt. Am Mittwoch steht das erste Playoff-Spiel an.

Die Starwings sind dann zu Gast beim aktuell wohl besten Team der Schweiz, den Lions de Genève, den Genfer Löwen. Der Weg dahin war über die Saison gesehen nicht einfach. «Ich habe gemischte Gefühle, wenn ich auf die Saison zurückblicke», sagt Andrejevic in fast fliessendem Englisch.

Lions de Genève - Starwings (Best of 3)

Spiel 1: Mittwoch, 12.05. 19.30 Uhr in Genf.

Spiel 2: Freitag, 14.05. 19.30 Uhr in der Sporthalle Birsfelden.

Mögliches Spiel 3: Sonntag, 16.05. 19.30 Uhr in Genf.

Einerseits hatte er sich vor der Saison mehr erhofft. «Worüber ich nicht glücklich bin, ist, dass unser Ziel war, mindestens zwölf Siege zu holen und die Hauptrunde besser als auf Platz 8 abzuschliessen», erklärt Andrejevic. Für die Playoffs wollte sich das Team in eine gute Ausgangslage bringen – jetzt geht es eben doch gegen den Leader aus Genf.

Von einem anderen Standpunkt zeigt er sich jedoch glücklicher. In der letzten Spielzeit hatte das Team bis zum Saisonabbruch sechs Siege auf dem Konto, in dieser Saison sind es deren sieben. Weil die NLA aber nur noch neun Teams hat, erkämpfte man sich die Siege gegen qualitativ bessere Teams. Die Mannschaft konnten einen Schritt nach vorne machen.

«Die Starwings sind nicht mehr das Team, das sich mit Swiss Central oder Winterthur vergleicht. Die Starwings spielen in Neuchâtel und gewinnen dort Spiele. Die Gegner nehmen uns ernst und respektieren, was wir hier in Birsfelden machen»,

sagt Andrejevic mit einem kleinen Anflug von Stolz. Und stolz kann er durchaus sein. Denn die Starwings hatten es in dieser Saison alles andere als einfach. Es begann schon beim Auftakt der Spielzeit, als das jüngste Team der Liga – und das einzige mit gleich sieben Rookies – einen Monat später als geplant startete. Über die Saison musste das Team dann zweimal in Quarantäne.

Manche Spieler wie der als Leistungsträger verpflichtete Nathan Krill hatten sogar ernsthafte Symptome nach einer Coronainfektion. Ihren Rhythmus konnten die Wings in dieser turbulenten Zeit nie wirklich finden. «Wir kamen Donnerstag aus der Quarantäne, hatten am Freitag das erste Training und am Samstag spielten wir gegen Boncourt. Für mich ist das unglaublich, aber das war die Art, wie wir arbeiten mussten», erinnert sich der Trainer an die Situation kurz nach Neujahr.

Hinzu kommt, dass mit Ilija Vranic und Branislav Kostic zwei Stammspieler seit Monaten fehlen und nicht mehr zum Einsatz kommen werden. Und auch fast jeder andere Spieler im Kader hatte ein oder mehrere Male mit Blessuren zu kämpfen. Das wirkt sich auch auf das Training aus. Die letzten drei Monate stand Dragan Andrejevic nur mit neun Spielern in der Halle. Von so etwas wie Rotation können die Starwings im Moment nur träumen.

Mit Glück können die Starwings den Favoriten ärgern

Topskorer Deondre Burns ist für die Playoffs wieder fit.

Topskorer Deondre Burns ist für die Playoffs wieder fit.

Georgios Kefalas / KEYSTONE

Jetzt befindet sich die Saison aber in ihren letzten Zügen. In den Playoffs steht der Leader auf der Matte. Erst am Samstag gewannen die Genfer den Final des Swiss Cups mit 85:82 gegen Fribourg. Motivieren muss der Coach seine Jungs nicht mehr: «Wenn du gegen das beste Team der Liga spielst, musst du den Spielern nicht viel erklären. Sie wünschen sich, endlich spielen zu können», sagt Andrejevic.

Das grösste Problem für diese Aufgabe sieht er in der fehlenden Rotation. Über eine gewisse Zeit könne das Team mit jeder Mannschaft mithalten, auch mit Genf. Aber irgendwann ist die Energie weg. Das Wichtigste sei aber, immer positiv zu bleiben. Einerseits ob des Erreichten, aber eben auch mit Blick auf Mittwochabend:

«Keiner von uns ist perfekt. Ich bin nicht der beste Trainer, sie sind nicht die besten Spieler. Wir sind schliesslich nicht die Los Angeles Lakers. Aber wenn wir miteinander arbeiten wollen, ist das Wichtigste, dass wir positiv bleiben. Es ist einfach, auf Fehler aufmerksam zu machen, aber es ist viel schwieriger, auf dem Feld nach einem gemachten Fehler weiterzumachen»,

erklärt Andrejevic. Die Positivität streicht er öfter heraus. Es bleibt aber auch kaum etwas anderes übrig. Und Druck haben die Starwings auch keinen – den haben die Löwen aus Genf. Alles andere als ein Sieg wäre eine Enttäuschung für das Topteam. Und Dragan Andrejevic ist sich sicher, wenn sein Team mit Herz spielt und es das junge Team schafft, seine Fehler zu kontrollieren, dann ist ein Sieg nicht unmöglich. «Und man weiss nie, vielleicht wird es ja unser Glückstag», sagt der trotz allem positiv gestimmte Andrejevic. Und immerhin Topskorer Deondre Burns kann nach seiner Verletzung wieder mitwirken.

Im Cup haben die Starwings gezeigt, dass sie die Grossen ärgern können: