Playoff-Final

Plötzlich im Mittelpunkt: EHCO-Leihspieler Colin Gerber überzeugt für den SCB im zweiten Spiel der Finalserie

Der SC Bern gleicht die Finalserie aus – unter Mithilfe eines eigenen Juniors, der seine Chance packte. Durch eine Sperre und zwei verletzungsbedingte Ausfälle kommt das Eigengewächs Colin Gerber zum Handkuss. Gerber, der den Grossteil der Saison beim EHC Olten bestritt, kann auf der ganz grossen Bühne überzeugen und sich sogar einen Assist gutschreiben lassen.

Er wirkte ein wenig wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Colin Gerber stand im Kabinentrakt der Zuger Bossard-Arena. Die markanten, blonden Locken lugten unter der grauen Wollmütze hervor. Das gerötete Gesicht leuchtete im Scheinwerferlicht der Kamera, die auf ihn gerichtet war.

Und dann waren da noch die zahlreichen Mikrofone und Aufnahmegeräte der Journalisten. Gierig nach knackigen Quotes lauerten diese vor dem Mund des SCB-Verteidigers.

Da stand also plötzlich einer im Mittelpunkt des Interesses, der in dieser Saison bei den Bernern allerhöchstens eine Nebenrolle gespielt hatte und vornehmlich in der Swiss League beim EHC Olten zum Einsatz gekommen war.

Gesunde Nervosität 

Doch nach der Sperre gegen den Schweden Adam Almquist und den verletzungsbedingten Ausfällen von Calle Andersson und von Jérémie Kamerzin tat sich für den 21-Jährigen unverhofft eine Lücke auf im SCB-Dispositiv.

Am Vormittag des Spieltags, nach dem Warm-up, erhielt Colin Gerber von Headcoach Kari Jalonen den Bescheid, dass er am Abend zum Einsatz kommen würde. Ob er nervös war?

«Eine gesunde Nervosität war sicher vorhanden. Aber ich versuchte von Anfang an, so einfach wie möglich zu spielen. Das ist mir nicht schlecht gelungen.» Aufgrund der personellen Konstellation habe er ja damit rechnen können, was passieren würde.

Kaltes Wasser, hitzige Stimmung

Nun wurde Colin Gerber also ausgerechnet in einem Playoff-Final sprichwörtlich ins kalte Wasser geworfen. In einer hitzigen Atmosphäre mit lautem Publikum. Und er machte seine Sache gut.

Trotz eines kleinen Durchhängers im ersten Drittel, als er einen schwachen Einsatz hatte und dafür von Jalonen kurzzeitig aus der Rotation genommen wurde, kam Gerber schliesslich auf fast elf Minuten Eiszeit und durfte sich, quasi als Krönung, beim Siegtor in der Verlängerung von Grégory Sciaroni sogar noch einen Assist gutschreiben lassen. Sein allererster Skorerpunkt auf National-League-Level.

Zum Vergleich: Das SCB-Eigengewächs war zwar im Verlauf der Saison schon 13-mal auf dem Matchblatt gestanden. Tatsächlich auf dem Eis präsent war er aber lediglich sporadisch. Zweimal kam er keine einzige Sekunde zum Einsatz. In den anderen elf Spielen war er im Schnitt knapp vier Minuten direkt ins Spielgeschehen involviert. Das sind für einen Verteidiger nicht mehr als homöopathische Dosen.

Ein wichtiger Sieg

Viel wichtiger war aber letztlich aus Sicht des SC Bern und von Colin Gerber, dass man dieses zweite Finalspiel gewonnen hatte. Eine weitere Niederlage hätte die Mannschaft bereits bedrohlich in Rücklage geraten lassen.

«Wir haben auch in der Verlängerung immer an unsere Chance geglaubt», diktierte Gerber im Stile eines Routiniers in die Mikrofone. Auch dann, als man sich bereits als Sieger wähnte, aber der Treffer von Tristan Scherwey (korrekterweise) wieder aberkannt wurde.

«Diese Mannschaft hat in den Playoffs schon so viel erlebt, dass uns so etwas nicht aus der Bahn wirft», befand Kari Jalonen, der auch für Colin Gerber nur lobende Worte übrig hatte: «Er hat in Olten viel gespielt und Fortschritte gemacht. Das merkt man. Mir gefällt die Art und Weise, wie er spielt.»

«Du musst lächeln»

Für Gerber sind Auftritte wie diese auch Werbung in eigener Sache. Nach seinem «Zwischenjahr» in Olten plant man beim SC Bern in der kommenden Saison fix mit dem 1,91-Meter-Mann. Er dürfte den zu Fribourg abwandernden Kamerzin ersetzen.

Möglich, dass er nach der absehbaren Rückkehr von Calle Andersson im nächsten Spiel wieder mit der Zuschauerrolle auf der Berner Spielerbank vorliebnehmen muss. Aber immerhin hat man beim SCB die Gewissheit, einen Verteidiger zur Verfügung zu haben, der auch in schwierigen Situationen zu bestehen vermag.

Auch neben dem Eis, wenn er von Mikrofonen und Kameras umzingelt ist. Wobei: Raum zur Steigerung gibt es auch in dieser Beziehung: «Du musst lächeln», munterte der gegen aussen sonst so nüchterne Jalonen seinen Schützling auf, als er den Journalisten-Pulk passierte.

Meistgesehen

Artboard 1