FC Basel
Plötzlich waren die Beine weg

Einen Monat nach dem Schock kann FCB-Verteidiger Raoul Petretta zum Glück wieder uneingeschränkt spielen.

Jakob Weber
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Raoul Petretta steckt im Duell mit Aiyegun Tosin nicht zurück.

Raoul Petretta steckt im Duell mit Aiyegun Tosin nicht zurück.

Keystone (23. Januar 2021

Für einen FCB-Spieler ist die 1:4-Niederlage gegen den FCZ am Samstag etwas weniger schlimm. Raoul Petretta wirkt nach Schlusspfiff erleichtert. Natürlich ist auch er enttäuscht über die Niederlage zum Auftakt. Doch der 23-jährige Ausssenverteidiger ist auch froh, überhaupt wieder über 90 Minuten auf dem Platz gestanden zu haben. Denn er hat kurz vor Weihnachten Dinge erlebt, auf die er gerne verzichtet hätte.

Beim letzten Heimspiel im 2020 war er gegen St.Gallen am 19. Dezember nach einem eigentlich harmlosen Kopfball zusammengesackt. Bis zum 23. Dezember war er im Spital. Einen Monat später kann Petretta wieder uneingeschränkt spielen. Die Sorgen sind verflogen. Oder zumindest nicht mehr existenzieller, sondern nur noch sportlicher Natur.

Petretta erzählt offen von den bangen Stunden. Nach dem Kopfball habe er ein stärker werdendes Kribbeln in den Beinen gespürt. Er muss sich auf den Boden legen und spürt plötzlich die Beine nicht mehr. Minutenlang wird er auf dem Rasen von Sanitätern betreut und dann auf einer Trage, die den Rücken speziell stabilisiert, in die Kabine getragen.

Petretta ist immer ansprechbar und bei Bewusstsein. Doch spätestens, als er im Krankenwagen auf dem Weg ins Unispital auch seine Hände nicht mehr spürt, bekommt er Angst. «Ich habe mir noch nie solche Sorgen gemacht», sagt Petretta. Zwar kehrt das Gefühl nach zwei bis drei Stunden und zahlreichen Infusionen langsam wieder in die Extremitäten zurück, doch der Profiathlet ist plötzlich auf fremde Hilfe angewiesen. «Wenn du eine Pflegeperson rufen musst, um aufs WC gehen zu können, kriegst du natürlich Angst», sagt Petretta.

Drei weitere Nächte bleibt er im Spital. Immer wieder wird er gescannt. «Ich war in jeder Röhre, die es gibt», sagt Petretta. Doch wirklich genau erklären, was vorgefallen ist und wie er dem in Zukunft vorbeugen könnte, kann ihm keiner. Erschütterung des oberen Rückenmarks lautet der offizielle Befund. Diese ist vergleichbar mit einer Gehirnerschütterung. Petretta hat Glück im Unglück und darf kurz vor Weihnachten nach Hause.

Beim Trainingsauftakt am 6. Januar steht der Verteidiger dann wieder mit der Mannschaft auf dem Platz. «Die ersten paar Kopfbälle waren komisch. Doch ich merkte schnell, dass alles ok ist. Mittlerweile mache ich mir keine Gedanken mehr», sagt Petretta. Nach einer Woche Training sind auch die letzten Ängste verfolgen. Gegen Zürich muss er einmal ins Kopfballduell. Petretta verliert es zwar, zieht aber nicht zurück und sagt nach Abpfiff: «Ich bin einfach froh, wieder da zu sein.»