«Ziemlich erschüttert» habe Nino Schurter die Nachricht aufgefasst, dass sein Name auf einer von Hackern veröffentlichten Liste steht. Das sagte Thomas Frischknecht, der Manager des Bündner Mountainbikers, zu watson. Schurter und Zeitfahr-Olympiasieger Fabian Cancellara befinden sich auf der mittlerweile 107 Namen langen Liste, welche Hacker namens «Fancy Bears» publiziert haben.

Auf dieser werden Sportler aufgeführt, welche Bewilligungen erhalten, um auf der Dopingliste aufgeführte Medikamente zu sich zu nehmen. Dieser Vorgang ist in den Reglementen vorgesehen und deshalb legal. Trotzdem bezeichnen die mutmasslich aus Russland stammenden Hacker diese Praxis fälschlicherweise als Dopingmissbrauch.

Cancellaras allergische Reaktionen

Im Falle von Fabian Cancellara meldete sich nach dem Bekanntwerden dessen Arbeitgeber, das Team Trek-Segafredo. Die Ausnahmebewilligungen seien dem Berner erteilt worden, weil er allergisch auf Bienenstiche reagiert habe.

«Die Behandlungen erfolgten notfallmässig und nicht durch Teamärzte», schreibt der Rennstall. Cancellara hatte damals Bilder eines geschwollenen Auges beziehungsweise einer dicken Lippe verbreitet.

Cancellara, von Bienenstichen gezeichnet.

Cancellara, von Bienenstichen gezeichnet.

«Nino hat eine weisse Weste»

Nino Schurters Bewilligungen, welche aus den Jahren 2008 bis 2010 stammen, wurden ihm erteilt, weil er an Asthma leidet. Dieses sei ärztlich attestiert, so Manager Frischknecht. «Wenn Nino kontrolliert wird, und das geschieht bei ihm wohl mindestens zwei Dutzend Mal im Jahr, so muss er auf einem Formular eintragen, dass er ein Asthma-Medikament benützen darf.»

Schurter sei schon immer auf dieses Medikament angewiesen gewesen, das mittlerweile nicht mehr per se auf der Dopingliste steht. Heute gibt es einen Grenzwert, der bei normalem Gebrauch, wie bei Schurter, nicht überschritten wird.

Auf dem Zenit: Schurter gewinnt nach Olympia-Bronze 2008 und -Silber 2012 in Rio Gold.

Auf dem Zenit: Schurter gewinnt nach Olympia-Bronze 2008 und -Silber 2012 in Rio Gold.

Für Thomas Frischknecht ist klar: «Nino hat eine weisse Weste, er hat nichts zu verbergen.» Die von den Hackern veröffentlichten Daten bezeichnet er als eine Angelegenheit, welche die Realität verzerre.

Viele prominente Opfer

Die Hacker-Gruppe sorgt seit einiger Zeit für Aufsehen, indem sie häppchenweise die Namen von Sportlern veröffentlicht, deren medizinische Daten sie bei der Welt-Antidoping-Agentur (WADA) gestohlen hat.

Unter den 107 bislang veröffentlichten Sportlern mit Attesten befinden sich unter anderem die Tennis-Stars Rafael Nadal, Serena und Venus Williams, die vierfache Turn-Olympiasiegerin Simone Biles oder die Tour-de-France-Sieger Chris Froome und Bradley Wiggins. Die beiden Briten erhielten wie Schurter – und vermutlich eine Vielzahl nicht enthüllter Ausdauersportler – Atteste wegen Asthma. (ram)