Der fliegende Holländer war für seine Konkurrenz zu schnell. Tom Dumoulin, der im Vorfeld des Prologs schon zum engeren Favoritenkreis auf den Sieg galt, liess nichts anbrennen und machte die Hoffnungen auf den Sieg von Lokalmatador und Aushängeschild Fabian Cancellara zunichte.

Angesichts der Umstände zufrieden
Er bezwang den Schweizer um knapp zwei Sekunden. «Während des Rennens habe ich mich eigentlich gar nicht so gut gefühlt. Aber offensichtlich war ich so schnell unterwegs, dass es zum Sieg gereicht hat», zeigte sich der 24-Jährige leicht erstaunt über den für ihn günstigen Lauf der Dinge.

Übler Sturz von Silvan Dillier bei Tour de Suisse-Prolog

Übler Sturz von Silvan Dillier bei Tour de Suisse-Prolog



Erstaunt war auch Fabian Cancellara. Weniger über die Show des fliegenden Holländers Dumoulin, sondern mehr über seine Performance. Auch der 34-Jährige war Teil der Flugshow am Zugersee. Dass er quasi direkt aus dem Krankenbett knapp am Sieg vorbeiflog, das war in der Tat bemerkenswert.

«Angesichts der Umstände muss ich zufrieden sein. Wenn man im Bett liegt, wird man sicher nicht schneller», sagte Cancellara mit Blick auf seine Krankengeschichte der letzten Tage, als ihn eine Angina zu einer Trainingspause und einer Antibiotika-Kur zwang. Er habe schon beim Einfahren «eine gewisse Leere» verspürt, so der vierfache Zeitfahr-Weltmeister. «Ich hatte nicht das Gefühl, das ich brauche.»

Cancellaras verhaltener Start
Fabian Cancellara verlor vor allem im ersten Streckenteil, den er eher vorsichtig anging, entscheidend an Boden gegenüber Dumoulin. «Ich wollte verhindern, dass ich schon zu Beginn meine Muskeln übersäuere», erklärte Cancellara seine verhaltene Fahrweise. Der Traum vom ersten Tour-de-Suisse-Leadertrikot seit seinem Prolog-Sieg im Jahr 2011 platzte angesichts der widrigen Umstände denkbar knapp.

Immerhin weiss der Berner, dass die Form unter der Krankheit nicht massiv gelitten hat, was für ihn vor allem im Hinblick auf das abschliessende Zeitfahren am kommenden Sonntag in seiner Heimatstadt von Belang ist.

Dillier unfreiwilliger Hauptakteur
Die dritte Hauptrolle in der Tour-de-Suisse-Flugshow spiele gestern einer, dem das Pech in den vergangenen Tagen ein treuer Begleiter war: Silvan Dillier. Der Aargauer in Diensten des US-schweizerischen BMC-Teams musste nach etwas mehr als einem Kilometer auf dem insgesamt fünf Kilometer langen Prolog-Parcours unfreiwillig zu Boden. «Ich bin schnell in die Kurve gekommen, musste etwas abbremsen. Ich schaltete zurück und beim neuerlichen Beschleunigen wieder hoch. In diesem Moment ist die Kette vom grossen Blatt gefallen und ich flog kopfvoran über den Lenker», beschrieb der 24-Jährige seinen Crash, der sehr übel aussah.

Prellungen und Schürfungen
Immerhin: Die Fortsetzung der Tour de Suisse ist für Dillier nicht gefährdet. «Ich habe zum Glück ein stabiles Fahrwerk, sodass ich sicher weiterfahren kann», sagte er schon wieder ein wenig lächelnd. Bis auf ein paar Prellungen und Schürfungen, die ihm eine unruhige Nacht beschert haben dürften, kam der BMC-Fahrer, der auf Dumoulin schliesslich 1:22 Minuten verlor, glimpflich davon. Nachdem der Schneisinger schon am Donnerstag bei seinem Heimrennen in Gippingen knapp geschlagen worden war, ist für ihn das Unglücks-Mass jetzt voll. Oder anders ausgedrückt: Es wäre Zeit für einen Höhenflug.

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