Radstar Chris Froome befindet sich mit seinem Salbutamol-Befund in einem Graubereich der Dopingbekämpfung. Das Asthma-Medikament kann ab einer gewissen Dosis die Leistung steigern, aber dem Briten ist gemäss aktuellem Urteil nicht nachzuweisen, dass er diese Dosis überschritten hat.

Weil in der bunten Welt des Spitzensports immer wieder solche Graubereiche entdeckt werden, hat die Welt-Antidoping-Agentur seit mehr als zehn Jahren das sogenannte «Monotiring-Program» am Laufen. Auf einer jährlich angepassten Überwachungsliste sind Substanzen, die zwar nicht verboten sind, die aber potenziell missbraucht werden könnten.

Jedes Jahr erscheint zu diesem «Beifang» der Dopingproben eine ausführliche Statistik, in welchen Sportarten die Medikamente wie oft zum Einsatz gelangt sind. Je nach Ergebnis handelt die Wada und setzt ein Mittel auf die Verbotsliste. Zuletzt beim in Russland beliebten Kreislauf-Medikament Meldonium, das 2015 unter Beobachtung stand und seit 2016 verboten ist.

Die soeben publizierten Daten von 2017 zeigen, dass drei Substanzen unter Athleten offensichtlich besonders beliebt sind: Das starke Schmerzmittel Tramadol. Codein, das gegen Husten hilft. Und sogenannte Glukokortikoide (GK) - Entzündungshemmer, die auch gegen Asthma und zum Beispiel Pollenallergien eingenommen werden. Bekanntester Stoff der GK ist Cortison.

Chris Froome darf doch zur diesjährigen Tour de France starten.

Chris Froome darf doch zur diesjährigen Tour de France starten.

Beliebt sind diese Substanzen in Sportarten wie Langlauf, Leichtathletik, Fussball und besonders im Radsport. Tramadol zum Beispiel fand man dort in 4,4 Prozent aller entnommenen Dopingproben.

Es hilft, die extremen Anstrengungen einer Tour de France besser zu verkraften. Jüngste Studien weisen auch nach, dass es in Zeitfahren klare Leistungsvorteile bringt. Bei den Glukokortikoiden bestehen ähnlich wie bei Salbutamol bereits teilweise Verbote und Einschränkungen für den Einsatz im Wettkampf.

Nach mehreren Anläufen verbietet der Welt-Radsportverband nun den Einsatz von Tramadol ab 2019 und verhängt nach dem Einsatz von GK ein achttägiges Startverbot. Verlangt wurden diese Massnahmen etwa von der Bewegung für glaubwürdiges Radfahren (MPCC) bereits seit 2013. Zum MPCC gehören insgesamt 39 Teams, nicht aber «Sky» von Chris Froome. Bisher versteckte sich der Radverband dahinter, dass die Wada die Substanzen nach wie vor zulässt.

Jetzt lanciert man den Alleingang mit einem eleganten Trick, wonach man sich auf die Sicherheit der Fahrer beruft. Denn ein einzelner Sportverband kann Substanzen nur verbieten, wenn sie ein Gesundheitsrisiko darstellen. Nicht aber, wenn sie dopingrelevant sind. Dieses Privileg gehört der Wada.