Radsport

EM-Silber als Olympia-Versprechen: «Jetzt ist alles möglich»

Silvan Dillier, Frank Pasche, Stefan Küng und Théry Schir feiern.

Silvan Dillier, Frank Pasche, Stefan Küng und Théry Schir feiern.

Der Schweizer Bahnvierer macht mit Rang zwei an der EM mehr als einen grossen Schritt in Richtung Rio 2016. Das Team ist stolz, sich an der Heim-EM von seiner besten Seite gezeigt zu haben.

Das bereits gut gefüllte Rund hatte sich erhoben und jubelte den Schweizern zur Mittagszeit zu, als der Bahnvierer den Schweizer Rekord in der 1. Runde gegen Frankreich auf 3:56,791 drückte. Alle standen sie. Bis auf einen. Er sass ganz ruhig da, den Kopf in die Hände versenkt. Fritz Brühlmann (79), seit 48 Jahren als Mechaniker für das Nationalteam tätig, musste nach der Rekordfahrt der Schweizer innehalten und den Moment für sich geniessen.

«Die Luft war irgendwie raus in diesem Moment», sagt er. Der Glücksmoment in den Augen ist noch immer sichtbar. «Wenn uns als Team so etwas glückt, dann übernimmt es mich ganz einfach.» Zum letzten Mal, erinnert er sich, habe er an den Olympischen Spielen 1980 in Moskau ähnliche Emotionen erlebt. Damals holte Robert Dill-Bundi in der Einzelverfolgung die Goldmedaille. Höchste Zeit also, dass es wieder einmal so weit kam. Fritz Brühlmann lächelt.

Mittlerweile ist es Abend im Velodrome Suisse in Grenchen. Wieder ist Brühlmann als einer der Ersten in der Schweizer Box aufgetaucht. Nein, er könne keine Prognose für den Final abgeben, winkt er ab. Er, der sich bereits für den Qualifikationslauf eine Zeit von 3:57 erhofft hatte. Auf einen Schlag, nach dem neuen Schweizer Rekord vom Mittag, scheinen die Schweizer auf Augenhöhe mit den Briten. Diese hatten in den bisherigen Läufen die Pflicht erfüllt und sich problemlos für den Final qualifiziert. Mehr nicht.

Würde der grosse Favorit noch zulegen und die eigene Fahrtzeit zumindest in die Nähe der von Sir Bradley Wiggins prognostizierten 3:54 senken können? Hatten sich die Briten ganz bewusst zurückgehalten? Das war die grosse Frage vor dem allerletzten Lauf dieser EM-Verfolgung, und die Briten lieferten eine eindrückliche Antwort. Noch am Mittag hatte der Vierer um Superstar Bradley Wiggins Schwächen gezeigt, Gibson musste bereits nach Rennmitte abreissen lassen, Burke hatte zum Schluss Mühe, das Tempo mitgehen zu können. Und siehe da: Sowohl Gibson als auch Burke fehlten im finalen Aufgebot der Briten.

Olympia 2016 rückt näher

Diese legten im Final in der neuen Besetzung mit Wiggins, Tennant, Doull und Dibben los wie die Feuerwehr. In jeder Runde holten sie gegenüber den Schweizern zwei bis drei Zehntelsekunden heraus, und spätestens zu Rennmitte war klar: Der neue Europameister konnte nur Grossbritannien heissen. Erst als der Vorsprung des Favoriten rund drei Sekunden betrug, holten sich die Schweizer eine Zehntelsekunde nach der anderen zurück.

Allein, es sollte nichts mehr werden mit der erfolgreichen Aufholjagd. Zwei Sekunden und ebenso viele Tausendstel trennten die beiden Teams am Ende. Von einer Niederlage wollte Frank Pasche aber nicht sprechen. «Nein. Wir sind super gefahren, und: Wir haben noch Potenzial», kam es wie aus der Pistole geschossen. Mehr noch:  Und die habe man, nach dem Ende der Strassensaison, zur Verfügung.

Silber an der Heim-EM und, genauso wichtig, noch einmal bessere Karten im Kampf um die Teilnahme an den Olympischen Spielen: Die Schweizer Mannschaft ist der heimliche Sieger dieser EM-Verfolgung. «Das war mehr als nur ein grosser Schritt», strahlte Stefan Küng. «Es war ein starkes Zeichen, uns an der Heim-EM von der besten Seite zeigen zu können.» Rio 2016 scheint zum Greifen nah.

Mit Mechaniker Brühlmann? Das werde seine Gesundheit zeigen, wirft er ein. «Einen Hintergedanken ist das sicher wert, aber das ist noch weit weg.»

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