Kommentar

Lance Armstrong: Der grosse Manipulator

Das Buch von Ex-Radprofi Tyler Hamilton («Die Radsport-Mafia und ihre schmutzigen Geschäfte») gewährt unter anderem tiefe Einblicke in das Wesen und das Wirken von Lance Armstrong.

Dessen Erfolge basierten - neben seinem unzweifelhaft vorhandenen Talent - nicht nur auf einem ausgeklügelten Doping-System, sondern auch auf seiner Machtbesessenheit und seiner Gabe, Mitmenschen zu manipulieren. Armstrong war ein absoluter Kontrollfreak, der nichts dem Zufall überliess.

Dass er jetzt, nachdem er in den vergangenen Monaten von vielen Seiten derart unter Druck gesetzt wurde, die Flucht nach vorne ergreift und in einer TV-Show (!) seine Doping-Schandtaten gestehen will, ist knallharte Kalkulation. Armstrong hat mit seinem enormen Stab von Anwälten, die ihm schon während seiner Karriere oft aus der Patsche geholfen haben, alle Szenarien durchleuchtet und ist zum Schluss gekommen, dass er als geständiger Sünder wohl am glimpflichsten davonkommt.

Denn Armstrong weiss, wie seine Landsleute ticken. Hätte er seine Dopingsünden weiter geleugnet, dann hätte er den totalen Zusammenbruch seines Images riskiert. Nun versucht er zu retten, was noch zu retten ist, obwohl schon viel Geschirr zerschlagen wurde. Aber wenn es einem gelingt, sich doch noch einigermassen aus der Affäre zu ziehen, dann Lance Armstrong, dem grossen Manipulator.

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