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Nach dem Regen scheint die Sonne – nach dem Sturz folgen die schönen Erlebnisse für Silvan Dillier

Anfang Mai, an der Tour de Romandie, bestritt Silvan Dillier sein letztes Rennen. Damals waren graue Wolken und viel Regen Trumpf.

Silvan Dillier hat nach seinem Trainingssturz im Mai ein paar seiner Lieblingsrennen verpasst. Am Sonntag gibt er – wenn alles nach Plan läuft – an der Schweizer Meisterschaft sein Comeback. Das grösste Rennen des Jahres, die Tour de France wird er trotzdem verpassen, doch die Pause hatte auch Vorteile.

Es gibt bei Sportlern selten einen guten Zeitpunkt für Verletzungen. Verletzungen per se sind ja schon ein Ärgernis. Aber es gibt eben doch Momente, in welchen ein Malheur besonders schmerzt. Nicht nur physisch, sondern eben auch psychisch. Silvan Dillier kann ein Lied davon singen. Der Aargauer Radprofi stürzte am 27. Mai im Rahmen eines Höhentrainingslagers in der spanischen Sierra Nevada schwer und zog sich eine komplizierte Verletzung des Schlüsselbeins zu.

Das hiess für ihn: Mindestens sechs Wochen Pause. Und somit auch, dass er seine eigene Veranstaltung, die «Dillier-Classic», sein Heimrennen, den Grossen Preis des Kantons Aargau und seine Heim-Rundfahrt, die Tour de Suisse, verpasste. Ganz zu schweigen vom wichtigsten Rennen der ganzen Saison, der Tour de France, für welches er innerhalb seines AG2R-Rennstalls zu den gesetzten Fahrern gehört hätte.

Doch der 28-Jährige ist kein Mensch, der lange mit dem Schicksal hadert. «Natürlich war es extrem schade, alle diese Rennen zu verpassen. Aber ich bin keiner, der in solchen Momenten in Selbstmitleid versinkt. Ich habe gelernt, möglichst schnell wieder nach vorne zu blicken. Das war ja auch nicht der erste Rückschlag in meiner Karriere.»

Die guten Seiten der Pause

Zumal die Zwangspause sogar auch ihre guten Seiten hatte. An der «Dillier-Classic» konnte er praktisch jeden Teilnehmer am Ziel persönlich in Empfang nehmen. «Ein schönes Erlebnis», wie er sagt. Ebenso, dass er beim GP des Kantons Aargau als Ehrenstarter amten durfte. «Unter normalen Umständen komme ich dazu ja auch nicht», erzählt er lächelnd. Und die Tour de Suisse konnte er ebenso aus der Ferne geniessen, während er rekonvaleszent war.

Dass er an der Tour de France passen müsse, sei zwar ebenso bedauerlich, «aber für mich persönlich ist dieses Rennen nicht das wichtigste, weil ich da sowieso nur für Helferdienste für unseren Captain Romain Bardet vorgesehen gewesen wäre», sagt Silvan Dillier.

Als Ersatz für die Frankreich-Rundfahrt ist beim Schneisinger jetzt übrigens die Vuelta vorgesehen. Ab Ende August wird er in Spanien – im Gegensatz zur Tour – eher auf eigene Rechnung, sprich auf einen Etappensieg, fahren können. Vorher wird er schon die Wallonien- und die Polen-Rundfahrt bestreiten.

Bis dahin steht aber erst einmal das Comeback im Mittelpunkt. Und das kommt eher früher als erwartet. Wenn ihm alle Ärzte grünes Licht gegeben haben, wird er am Sonntag bei der Schweizer Meisterschaft im thurgauischen Oberwangen am Start stehen.

Dies allerdings ohne jegliche Ambitionen, sondern eher zu Testzwecken. «Im Training hatte ich keine Schmerzen, habe ich mich gut gefühlt. Jetzt schauen wir mal, wie es unter Rennbedingungen ist.» Klar ist: Silvan Dillier wird in der Ostschweiz nichts riskieren und höchste Vorsicht walten lassen.

Die Sonne wird scheinen

Im Vorjahr war das Meisterschaftsrennen in Dilliers Heimatdorf Schneisingen über die Bühne gegangen. Damals siegte der Walliser Steve Morabito. Diesmal wird vor allem die grosse Ostschweizer Velo-Fraktion im Mittelpunkt des Interesses stehen. Zeitfahr-Meister Stefan Küng etwa, der sogar im Organisations-Komitee sitzt.

Oder Oldie Michael Albasini, der als 38-Jähriger immer noch auf seinen ersten Titelgewinn wartet. Küng prophezeit, dass der Ausgang des Rennens völlig unberechenbar sei: «Es gibt viele starke Fahrer in der Schweiz. Viele fahren in kleineren Teams, die aber an der Schweizer Meisterschaft in grosser Zahl vertreten sein werden.»

Für Silvan Dillier ist entscheidend, dass nach dem verletzungstechnischen Regen nun endlich wieder die Sonne scheint. Zumindest meteorologisch darf er sich freuen: Am Sonntag werden erneut sehr heisse Temperaturen prognostiziert – bei wolkenlosem Himmel.

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