BSV Stans: Ein Mix aus Selbstkritik und Rätselraten

Die Handballer des BSV Stans beenden das NLB-Jahr mit einem 33:33-Remis gegen Biel.

Stephan Santschi
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Der Stanser Manuel Gautschi (rot, Bildmitte) wird am Torschuss gehindert.

Der Stanser Manuel Gautschi (rot, Bildmitte) wird am Torschuss gehindert.

Photo:roger Gruetter, rogergruetter.com

Irgendwie war er symptomatisch für die ganze NLB-Vorrunde, der letzte Auftritt des BSV Stans in diesem Jahr. Wieder erzielte er viele Tore, wieder kassierte er zu viele und wie oft war er mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Nur ein 33:33-Remis schaute am Samstag gegen den Tabellenletzten Biel heraus und der spielende Assistenztrainer Mario Obad stellt fest: «Komisch, die Spiele gegen die Bieler. Drei der letzten vier Partien endeten unentschieden. Warum das so ist, weiss ich nicht.»

Sie selber hätten diesmal in den Schlüsselmomenten zu viele Fehler im Angriff gemacht und nach der Pause auch nicht mehr so gut gedeckt, findet Obad. Und Präsident Philipp Bühlmann meint: «Das Team wollte, doch wir haben uns resultatmässig nicht absetzen können. Wäre die Glücksgöttin auf unserer Seite gewesen, hätten wir die Bieler mit zehn Toren weggeputzt. Ihnen gelang fast jeder Wurf, auch die Abpraller landeten meistens bei ihnen.»

Starker Start, dann kommt der Bruch im Cup

Und so war sie eben symptomatisch, diese Dernière, weil die Statements danach für die Bilanz der ganzen ersten Saisonhälfte taugten. Es ist ein Mix aus Selbstkritik und Rätselraten darüber, wo man in dieser ausgewogenen Liga steht und hingehört. Vor der Saison waren die Ansprüche gross, mindestens der vierte Platz wie im Vorjahr sollte es werden, und als die Mannschaft nach gutem Start von der Leaderposition grüsste, schien sie die Vorgaben tatsächlich umsetzen zu können.

Dann folgte Mitte Oktober der Bruch im Cup-Achtelfinal gegen A-Ligist Suhr Aarau. Bühlmann und Trainer Andy Gubler wussten zwar um die krasse Aussenseiterrolle, das Team aber erhoffte sich einen Exploit und war schliesslich doch chancenlos (23:36). «Dieses Spiel tat uns nicht gut, wir gerieten aus den Fugen», erklärt Bühlmann.

Die Abwehrarbeit als Sorgenkind

Die Mannschaft schien fortan mit der eigenen Erwartungshaltung Mühe zu haben, selbst der Nimbus der Heimstärke bröckelte. Es kam zu fünf Niederlagen in Serie und dem Abrutschen ins Mittelfeld der NLB-Tabelle. Zwar fing man sich mit zwei Heimsiegen auf, der Jahresabschluss mit dem verlorenen Punkt gegen Biel wirkt aber wieder wie ein Rückschlag.

Immer wieder thematisiert wird die sinkende Qualität der Defensive, mit durchschnittlich 30 Gegentoren zählt sie zu den schlechtesten der Liga. Noch stimmen die Automatismen in der Abwehr und auch mit den Goalies nicht, wobei dem neu verpflichteten, erst 23-jährigen Keeper Yves Imhof noch einiges an Entwicklungszeit zugestanden werden muss. «Die Gegner können sich per Videostudium aufeinander vorbereiten. Wir haben nicht unendlich viele Varianten, irgendwann kennt man sich», sagt Bühlmann. «Schade, wir könnten drei, vier Punkte mehr haben», findet Obad.

Und so geht fast vergessen, dass man rechnerisch eigentlich im Soll ist. Weil alle anderen auch patzen, beträgt der Rückstand auf Rang zwei nur vier Punkte. In der Ende Januar 2020 beginnenden zweiten Saisonhälfte ist nach oben weiterhin alles möglich für ein Stans, das in offensiver Hinsicht zu den spektakulären Teams der Liga zählt. Auffällig ist dabei, dass der frühere NLB-Torschützenkönig Mario Obad, vor kurzem 37 Jahre alt geworden, seine Dominanz im Angriff verloren hat und dort auch nicht mehr so oft eingesetzt wird. «Das ist die Entscheidung von Andy», sagt Obad, «die akzeptiere ich.»

«Co-Trainer und Spieler – das ist nicht Marios Welt»

Dass ihm die Situation nicht gefällt, verheimlicht er nicht: «Ich habe dem Präsidenten mitgeteilt, dass ich nächste Saison nicht als Spieler in Stans bleiben möchte. Es ist für alle besser, wenn sie einen jungen Spieler für mich einsetzen können. Ich verdiene in Stans als Handballer Geld und möchte dies nicht als Ergänzungsspieler tun.» Er sei körperlich fit, könne sich künftig aber auch ein Engagement als Trainer vorstellen. «Er und Andy haben viel Respekt voreinander, beide wollen aber das Sagen haben und ihr Ding durchziehen. Co-Trainer und Spieler gleichzeitig sein, ist nicht Marios Welt», zeigt Bühlmann Verständnis für den Entscheid Obads, dessen Zweijahresvertrag Ende Saison ausläuft.

Auf die Frage, wer 2020/21 den BSV trainiert, antwortet der Präsident: «In der Winterpause werden wir die Gespräche führen, erster Ansprechpartner ist Andy Gubler. Er macht einen sehr guten Job. Es ist schön zu sehen, wie hart unter ihm gearbeitet wird, wie hoch die Trainingspräsenz ist.»

Unterstützung für die neue Trainingshalle auf: www.funders.ch

BSV Stans – HS Biel 33:33 (19:15)
Eichli. – 282 Zuschauer. – SR Baumann/Nasseri-Rad. – Strafen: je 3-mal 2 Minuten. – Stans: Imhof/Maric; Gwerder (2), Lima (8), Skrebsky Dutra (4), Scherer (1), Imfeld (1), Riederer (3), Obad (4/2), Kuster (2), Gautschi (4), Achermann (4), Gnos. – Bemerkung: Obad verschiesst Penalty (56./32:31).

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