Der neue Trainer von Volley Luzern bringt den Leuten gerne etwas bei

Der neue Trainer Alessandro Lodi kann Volley Luzern bei seiner Premiere gleich zum ersten Titel führen.

Stephan Santschi
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Alessandro Lodi (rechts) wird Volley Luzern extrem fordern.

Alessandro Lodi (rechts) wird Volley Luzern extrem fordern.

Patrick Huerlimann

Lauren Bertolacci stieg mit Volley Luzern auf und etablierte das Team in der NLA. Liam Sketcher führte es Richtung Spitze, der Abbruch der letzten Saison begrub die Titelchancen in Meisterschaft und Cup indes vorzeitig. Alessandro Lodi kann am Samstag im Supercup gegen Lausanne (15 Uhr, Gümligen) zum Einstand sogar gleich die erste Trophäe für eine Zentralschweizer Männerauswahl überhaupt gewinnen. «Das soll nun nicht respektlos klingen, aber das macht mir nicht mehr und nicht weniger Stress», sagt Lodi. Klar sei dies eine spezielle Premiere für ihn. «Ich bin ein sehr emotionaler Mensch, doch vor einem Spiel konzentriere ich mich nicht gross auf meine Gefühle. Das möchte ich den Fans überlassen. Mein Fokus gilt der Frage, wie wir spielen wollen.»

Wer mit dem 41-jährigen Italiener spricht, merkt bald: Der neue Mann an der Seitenlinie der Luzerner bevorzugt die klaren Worten gegenüber konventionellen Phrasen. Josef Wicki, der Teammanager der Luzerner, sagte schon im Juni, als er die Anstellung Lodis verkündete: «Der neue Trainer wird uns extrem fordern.»

Der Wissenschafter im Trainingsanzug

Seit er 18-jährig ist, arbeitet der Vollbluttrainer an seiner Karriere. «Als Spieler reichte es mir nicht zum Profi. Ich war zu klein, denn Liberos gab es damals noch nicht. Auch technisch war ich zu wenig gut ausgebildet. Aber: Ich habe sehr viel Leidenschaft für den Sport.» Früh merkte er, dass in ihm eine Trainerpersönlichkeit schlummert, dass ihm die Führungsrolle liegt. «Ich bringe den Leuten gerne etwas bei, ich war auch Dozent», erzählt Lodi, der Philosophie und Sozialwissenschaften studiert und an der Universität Basel als Wissenschafter und Dozent der Sportsoziologie und Sportdidaktik gearbeitet hat. Dass seine Wahl auf Volleyball fiel, passierte ganz natürlich. Modena, wo er aufwuchs, gilt als Volleyball-Hochburg.

Seine Herangehensweise ist wissenschaftlich geprägt. «Ich arbeite nach Prinzipien, nicht nach Meinungen. Es gibt intersubjektive Erkenntnisse, wie man zum Beispiel technische und physische Fertigkeiten am besten vermittelt.» So sei es erwiesenermassen ein Blödsinn, das Handgelenk um den Ball zu drehen, wenn man bei einem Smash einen Spin generieren will. «Die Berührung dauert ja weniger lang als eine Hundertstelsekunde. Viel entscheidender ist, wo man den Ball trifft.» Eine Inspiration war ihm der 2016 verstorbene Amerikaner Carl McGown, der mit den USA drei Olympiasiege errang und am Ende seiner Laufbahn auch noch Schweizer Nationaltrainer war. «Carl McGown war mir in seinen letzten Jahren ein Mentor und Freund. Er hat mir eine Welt geöffnet», sagt Lodi. Eine Welt eröffnete sich ihm auch, als er für seine Passion auf Reisen ging. Lodi coachte Männer- und Frauenteams in Italien, der Schweiz, den USA, Polen, Schweden, Japan und Finnland. Mit der University of Washington spielte er vor über 8000 Zuschauern, in Tokio genoss er die Arbeit in einer fremden Kultur trotz Sprachbarriere, in Finnland leistete er Entwicklungshilfe im Nationalteam der Frauen und gewann den Cup mit LiigaPloki. Für ihn steht fest: «Erfolg hat, wer über eine gute Vereinskultur verfügt und wegen Problemen nicht die Balance verliert.» Dass er mit seiner fordernden Art auch überfordern kann, dem ist sich Lodi bewusst. «In der NLA spielen wir gegen Profis, das können wir nicht mit einer Freizeiteinstellung tun. Ich führe hier völlig neue Gedanken ein.» Die Frage laute: «Sehen die Spieler dies als Chance, Hürden zu überspringen? Oder sehen sie es als weitere Hürde?»

Volleyball

Supercup, Gümligen. Männer, Sa 15.00: Volley Luzern – Lausanne UC. – Frauen, 18.00: Sm’Aesch Pfeffingen – Neuchâtel UC.