Nationalturnen
Im Ausnahmekönner Andi Imhof brennt das Feuer noch immer

Der Urner Andi Imhof ist die prägende Figur im Nationalturnen. An der Schweizer Meisterschaft in Beckenried strebt er einen weiteren Titel an.

Simon Gerber
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Andi Imhof ist einer der grossen Favoriten in Beckenried.

Andi Imhof ist einer der grossen Favoriten in Beckenried.

Bild: PD

Bei der letzten Hauptprobe am Zentralschweizer Nationalturnertag vor einer Woche in Bürglen duellierten sich im Schlussgang die beiden Urner Klubkollegen Andi Imhof und Matthias Herger. Der Gestellte genügte Herger zum Festsieg. Es ist gut möglich, dass sich dieses Szenario der beiden Favoriten am Samstag an der Schweizer Meisterschaft im Nationalturnen in Beckenried wiederholen wird.

Andi Imhof muss sich allerdings nichts mehr beweisen. Der 36-Jährige hat in dieser Sparte alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Mit den Siegen 2007, 2013 und 2019 schaffte der Urner am Eidgenössischen Turnfest als König der Nationalturner den Hattrick. 2017 krönte der Allrounder seine glanzvolle Karriere mit dem Triumph am Eidgenössischen Nationalturntag in Eschenbach. Den für dieses Jahr geplanten Rücktritt hat Andi Imhof um ein Jahr hinausgeschoben. «Ich wollte nicht vor einer so tristen Ambiance ohne Publikum von der sportlichen Bühne abtreten. Zudem brennt mein inneres Feuer nach wie vor. Ich habe grosse Freude, mich im Nationalturnen und im Schwingen zu messen», sagt der Metallbaukonstrukteur.

Trainingspartner ist der grösste Herausforderer

Nach 2008 und 2012 hat der Ausnahmekönner in Beckenried den dritten Schweizer Meistertitel im Visier. Seine nach wie vor sehr gute Verfassung unterstrich der dreifache Familienvater in dieser Saison mit den beiden Siegen am Berner und Thurgauer Nationalturntag. Der grosse Herausforderer von Imhof ist sein Trainingspartner Matthias Herger. Nach dem kürzlichen Abschluss des Maschinentechnik-Studiums an der Hochschule Luzern kann der 26-Jährige sportlich wieder befreiter auftreten. Seinen bisher grössten Erfolg feierte der Modellathlet mit der Schlussgangteilnahme am Eidgenössischen Turnfest 2019. Zudem wurde er als einer der 17 Innerschweizer für den Kilchberger Schwinget nominiert.

Zum Kreis der Siegesanwärter zählen auch der Zürcher Jeremy Vollenweider und der Obwaldner Stefan Ettlin, der vor zwei Jahren in Grosswangen völlig überraschend den Titel eroberte. Insgesamt sind an dem vom STV Beckenried organisierten Anlass 300 Teilnehmer in sechs Kategorien gemeldet. Es gilt das Covid-19-Schutzkonzept, das Betreten von Innenräumen ist nur mit einem Covid-Zertifikat erlaubt.

Schweizer Meisterschaft in Beckenried (Sportplatz Allmend, altes Schützenhaus). Samstag. Ab 8.00: Vornoten. – Ab 10.30: Ringen und Schwingen. – Ab 16.00: Schlussgänge in den verschiedenen Kategorien.

Sport mit hohen Anforderungen

Wie das Schwingen ist das Nationalturnen eine der wenigen Sportarten, die exklusiv in der Schweiz ausgetragen werden. Derweil das Schwingen boomt, hat das Nationalturnen einen schweren Stand. Dies mag vielleicht darin liegen, dass diese Sparte sowohl im Training als auch im Wettkampf sehr anspruchsvoll ist. In der Königskategorie, der A-Klasse, wird ein Wettkampf mit acht Disziplinen absolviert. Das sogenannte Vornotenprogramm besteht aus sechs Leichtathletikdisziplinen. Dazu gehören Schnelllauf, Weitsprung, Hochweitsprung, Freiübung (Bodenturnen), Steinstossen und Steinheben. Hinzu kommen die Zweikampfdisziplinen Ringen und Schwingen im Sägemehl. Die Athleten können ihr Programm teilweise selber zusammenstellen. Ein Leichtathlet bevorzugt viele Vornotendisziplinen, ein guter Schwinger mehr Kämpfe im Sägemehl. Die sportliche Vielfalt stellt sowohl im Training als auch im Wettkampf hohe Anforderungen an die Vielseitigkeit, Kondition und die athletische Grundausbildung. Von den Nationalturnern werden neben Sprung- und Schnellkraft auch ein hohes Mass an Beweglichkeit, Kraft, Ausdauer sowie taktisches und technisches Flair verlangt. (sige)

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