Australian Open

Roger Federer wehrt sich gegen Favoritenrolle: «Es ist ein grosser Fehler, zu weit vorauszudenken»

Roger Federer übt sich vor den Australian Open in Zurückhaltung.

Roger Federer übt sich vor den Australian Open in Zurückhaltung.

Bereits am Montag greift Titelverteidiger Roger Federer bei den Australian Open ins Turnier ein. Er ist mit sechs Erfolgen Rekordsieger und hat in Melbourne seit drei Jahren kein Spiel mehr verloren. Dennoch sieht er sich nicht in der Favoritenrolle. Diese schiebt er Novak Djokovic zu.

Am Montag startet Titelverteidiger Roger Federer (37) gegen Denis Istomin (32, ATP 99) in die Australian Open. Der Baselbieter hat alle sechs bisherigen Partien gewonnen, gleichwohl warnt er vor dem Usbeken. Der sechsfache Australian-Open-Sieger ist seit dem Halbfinal 2016 gegen Novak Djokovic in Melbourne unbesiegt. Trotzdem wehrt er sich gegen die Favoritenrolle.

Roger Federer, Sie haben die letzten beiden Austragungen der Australian Open gewonnen. Das macht Sie zum Favoriten, einverstanden?

Federer: Nein, das finde ich nicht. Nach den letzten sechs Monaten, die Novak Djokovic hatte, sehe ich ihn in dieser Rolle. Ich möchte die Dinge auch nicht überanalysieren, oder den Resultaten beim Hopman Cup zu viel Gewicht geben. Was ich sagen kann: Ich weiss, dass mein Gegner eine sehr gute Leistung braucht, um mich zu bezwingen.

Wie beurteilen Sie ihre Vorbereitung?

Es ist alles sehr positiv verlaufen. Ich hatte in meiner ganzen Karriere das Glück, dass ich in der Vorbereitung nie grosse Rückschläge erlitten habe. Es war eine grossartige Zeit. Der Hopman Cup hat mir auch Bestätigung gegeben, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Darum bin ich sehr zuversichtlich. Trotzdem möchte ich nicht zu weit vorausdenken.

Was erwarten Sie von ihrem ersten Gegner?

Er ist auf schnellen Belägen sehr gefährlich, das hat er mit seinem Sieg hier vor zwei Jahren gegen Novak Djokovic bewiesen. Auch ich hatte schon schwierige Partien gegen ihn. Man muss sich immer wieder vor Augen führen, wie eng alles ist. Du kannst ein Spiel verlieren, obwohl du mehr Punkte gewinnst. Darum ist es ein grosser Fehler, zu weit vorauszudenken.

Wie beurteilen Sie den Rücktritt von Andy Murray?

Es macht mich traurig, auch ein wenig schockiert. Es überrascht mich zwar nicht, wenn man sieht, was er in den letzten Jahren durchgemacht hat. Aber wenn es definitivist, schmerzt es trotzdem. Es ist unglücklich, dass der Körper die Entscheidung für ihn getroffen hat. Für Andy hoffe ich, dass er die letzten Monate so bestreiten kann, wie er sich das wünscht. Und ich bin sicher, dass er einmal sehr stolz und glücklich auf das zurückschauen wird, was er erreicht hat.

Murray sagte, er könne die Schuhe nicht mehr richtig binden und habe Schmerzen, wenn er sich die Socken anziehen. Machen Sie ähnliche Erfahrungen?

Jeder hat einen Körperteil, der anfälliger ist. Für einige ist es der Fuss, für andere die Hüfte, das Knie, die Schulter, der Ellbogen oder der Rücken. Wenn du einmal ein Problem hattest, wird es nie mehr das Gleiche. Das gleiche gilt, wenn du älter wirst: der Körper braucht mehr Erholungszeit. Darum wird es auch wichtiger, wie du deine Kräfte einteilst, je älter du wirst.

Auch Sie hatten schon mit Verletzungen zu kämpfen, aber weniger als Rafael Nadal, Andy Murray, Novak Djokovic oder Stan Wawrinka. Was ist ihr Geheimnis?

Ich hatte sicher auch einfach Glück. Ich verstehe meinen Körper sehr gut und weiss, wann ich noch spielen kann, obwohl ich Schmerzen habe. Dazu vertraue ich auch darauf, dass ich auch gut Tennis spielen kann, wenn ich nicht so viel trainiere. Vielleicht ist das mein Schlüssel: Dass ich Vertrauen in mein Spiel habe. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich arbeite extrem hart, vielleicht kommt das aber wegen meines Spiels manchmal nicht so rüber.

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