Australian Open

Roger Federer wehrt sieben Matchbälle ab, steht in den Halbfinals und sagt: «Ich glaube an Wunder»

Roger Federer wehrt in den Viertelfinals der Australian Open gegen den 28-jährigen Amerikaner Tennys Sandgren (ATP 100) sieben Matchbälle ab und setzt sich nach 3:31 Stunden Spielzeit mit 6:3, 2:6, 2:6, 7:6, 6:3 durch.

Auch im Alter von 38 Jahren versetzt Roger Federer die Tenniswelt noch in Staunen. Gegen den zehn Jahre jüngeren Amerikaner Tennys Sandgren (ATP 100) wehrt er sieben Matchbälle ab, setzt sich nach 3:31 Stunden Spielzeit mit 6:3, 2:6, 2:6, 7:6 (10:8), 6:3 durch und steht zum 15. Mal in den Halbfinals der Australian Open.

Es ist das 24. Mal, dass Federer eine Partie noch gewinnt, in der er Matchbälle gegen sich hatte. Aber nur einmal, 2003 in Cincinnati gegen den Australier Scott Draper, waren es deren 7. Es ist ein Tag der sonderbaren Szenen. Ein Roger Federer, der flucht. Ein Roger Federer, der diskutiert. Er liegt bereits mit 3:6, 2:6, 0:3 hinten, als er sich wegen einer Verletzung an der Leiste behandeln lässt. Danach wirkt Federer unbeweglich, frustriert, in Gedanken versunken, und nicht wie er selbst. Vermutlich, weil er spürt, dass sein Körper an diesem Tag nicht mitspielt. Zwischenzeitlich serviert er mit deutlich weniger Tempo.

Matchball-Abwehr, Schmerzen und verbale Ausraster: die wichtigsten Momente von Roger Federers Viertelfinal-Spiel gegen Tennys Sandgren

Matchball-Abwehr, Schmerzen und verbale Ausraster: die wichtigsten Momente von Roger Federers Viertelfinal-Spiel gegen Tennys Sandgren

Selten genug ist es, dass Roger Federer die Contenance verliert. Dass man ihm auf dem Tennisplatz fluchen hört. Noch seltener ist es, dass er dafür verwarnt wird. Und noch gar nie sah man ihn deswegen im Gespräch mit einer Linienrichterin, welche die «Obszönität» gemeldet hatte, die zur Verwarnung führte.

Beim Seitenwechsel möchte Federer von Marijana Velijovic, der Schiedsrichterin, wissen, was er gesagt habe. «Roger, ich kann das nicht wiederholen», antwortet sie. «Die Linienrichterin ist also Schweizerin? Aha. Give me a Break», kommentiert Federer sarkastisch. Es sind Szenen, die so gar nicht zu ihm passen. Er, aus dem die Emotionen meist erst dann herausbrechen, wenn der letzte Ball gespielt ist. Sieben Mal könnte es der letzte Ball werden. Sieben Mal zieht Federer den Kopf noch aus der Schlinge. Drei Mal bei eigenem Aufschlag beim Stand von 4:5 im vierten Satz. Und vier Mal im Tiebreak, in dem er ein 3:6 wettmacht.

Tennys Sandgren hatte zuvor erst vier Matches über fünf Sätze bestritten und alle vier gewonnen. Federers Bilanz stand bei 31:23. Die letzten fünf Fünfsätzer bei den Australian Open hatte er allesamt gewonnen, den letzten erst in der dritten Runde gegen den Australier John Millman, wo er mit sechs Punkten in Folge  noch einen 4:8-Rückstand im Matchtiebreak wettgemacht hatte. Beim Stand von 1:0 des fünften Satzes vergibt Federer zwei Breakchancen. Beim Stand von 3:2 eine dritte. Doch die vierte nutzt er zum entscheidenden Break

Federer serviert danach zum Matchgewinn aus. «Ich sah mich schon beim Ski fahren in der Schweiz», sagt Federer. Er lasse sich nicht gerne behandeln, «weil es ein Zeichen der Schwäche ist, die ich nicht gerne zeige. Ich glaube an Wunder, alles ist möglich. Denn seien wir ehrlich: Ich verdiene diesen Sieg nicht.»

In den Halbfinals trifft Federer am Donnerstag entweder auf den 32-jährigen Titelverteidiger Novak Djokovic (ATP 2) aus Serbien, oder den 28-jährigen Kanadier Milos Raonic (ATP 32). Hoffentlich gut erholt.

Alle 20 Grand-Slam-Titel von Roger Federer:

Meistgesehen

Artboard 1