Eishockey
SC Bern ist Cup-Sieger – und sorgt doch noch ein wenig für Hockey-Magie

Der SCB besiegt den ZSC 5:2 und holt den letzten Cup. Der Wettbewerb fällt der Arroganz der Klubs zum Opfer.

Klaus Zaugg
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Die SCB-Spieler jubeln mit dem Pokal über den Cupsieg.

Die SCB-Spieler jubeln mit dem Pokal über den Cupsieg.

Bild: Claudio Thoma / Freshfocus (Zürich, 28. Februar 2021)

War es zu viel Spott, zu viel Häme, die der stolze SC Bern seit der Meisterfeier von 2019 zu ertragen hatte? Wahrscheinlich ist es so. Am Sonntag lebte endlich die SCB-Magie wieder auf: die Fähigkeit, ein grosses Spiel gegen einen grossen Gegner zu gewinnen. Die Berner haben 2014 den ersten Cup geholt (im Final gegen Kloten) und am Sonntag haben sie auch die letzte Austragung gegen die ZSC Lions gewonnen. Als einzige haben sie diesen Wettbewerb zwei Mal für sich entschieden.

Wie kann es sein, dass die ZSC Lions, die in der laufenden Meisterschaft 42 Punkte Vorsprung auf den SCB haben, ein solches Prestige-Spiel verlieren? Der Grund dafür ist die Entschlossenheit des SCB, Spott und Häme aus dem Fell zu schütteln. Die Leistungskultur ist durch Wirren in den SCB-Büros nie beeinträchtigt worden und die Ruinen der meisterlichen Taktik stehen ja noch: ein Fundament, das zwei der besten Taktiker überhaupt gebaut haben: Guy Boucher (der später gefeuerte Cup-Sieger Coach von 2014) und, natürlich, der grosse Kari Jalonen.

Wenn das Tempo nicht zu hoch, das Forechecking nicht zu intensiv, die Checks nicht zu hart sind – dann halten die defensiven Schablonen. Genau das war am Sonntag der Fall: die ZSC Lions waren nicht dazu in der Lage, ihre überlegenen läuferischen und technischen Fähigkeiten umzusetzen. Sie liessen sich SCB-Hockey aufzwingen. Mehr Zweikämpfe als Tempoläufe und nur wenig Möglichkeiten zum offensiven Raumgewinn. Eigentlich Playoff-Hockey. Und es ist eine Warnung an
die Konkurrenz: Was, wenn der SCB die Playoffs doch noch schafft?

Der SCB hat also den letzten Cup gewonnen. Genau in dem Moment, als vor einem Jahr mit Ajoies Triumph aus einer Operettenveranstaltung ein ernsthafter Wettbewerb geworden war, haben die Klubgeneräle unter der Federführung von Liga-Manager Denis Vaucher den Stecker gezogen. Der Cup hatte seit 2014 jedes Jahr 1,7 Millionen in die Verbandskassen gespült. Das Geld ist an die Klubs weitergegeben worden. Am Sonntag kassierte der SCB 283 000 Franken Preisgeld und die ZSC Lions dürften sich mit 207 000 Franken trösten. Die restlichen 1,2 Millionen sind an die übrigen Cupteilnehmer – also auch an die Regionalklubs – ausgeschüttet worden.

Der Vertrag mit dem Sport-Vermarkter Ringier Sports läuft Ende Saison aus. Zwar wäre es nicht möglich gewesen, den Kontrakt zur gleichen Garantiesumme zu verlängern. Aber eine gute Million hätte Ringier Sports künftig hereinholen können. Doch Vaucher verlangte nicht einmal eine Offerte. Am 17. Juli 2020 teilte er Riniger Sports mit, man wünsche keinen Cup mehr. Es gebe zu wenig Termine.

Was für eine Arroganz: Den Profis, die im Schnitt mehr als 300000 Franken im Jahr verdienen, ist es nicht zuzumuten, maximal fünf zusätzliche Partien pro Saison zu bestreiten? Was für eine Arroganz, jammernd vom Steuerzahler Hilfsgelder zu verlangen und zugleich auf eine Million aus der Privatwirtschaft zu verzichten.