Seine Saison war über Monate geprägt von einer Kopfverletzung. Eine Störung des Gleichgewichtsorgans, welches das Zusammenspiel von Auge und Innenohr koordiniert, Bewegungen verarbeitet und Reflexe auslöst, setzte den Nationalspieler ausser Gefecht. Er hatte vor allem mit Schwindelattacken zu kämpfen und kehrte erst während der Playoff-Viertelfinalserie gegen Servette in die Mannschaft zurück. Ein paar Wochen später spielt er schon wieder so, als wäre nichts gewesen.

Ramon Untersander, hätten Sie vor ein paar Wochen Geld darauf gesetzt, dass Sie mit dem SCB zwei Spiele vom Meistertitel entfernt sind und selber dabei eine der Hauptrollen spielen?

Ramon Untersander: Nein, das sicher nicht. Ich habe lange Zeit nicht damit rechnen dürfen, dass es für mich in dieser Saison überhaupt noch für ein Comeback reicht. Aber ich habe extrem viel dafür investiert, dass ich jetzt schon wieder so weit bin. Ich habe auch während meiner Verletzung immer versucht, positive Visionen aufzubauen, mir solche Szenarien vorzustellen. Das hat mir geholfen.

Haben Sie sich in der schwierigen Zeit, als Sie wegen der immer wiederkehrenden Symptome auch Mühe im Alltag hatten, mentale Unterstützung geholt?

Ja. Ich habe viel mit dem Sportpsychologen Jörg Wetzel zusammengearbeitet. Das war in meinem Fall sehr wichtig, weil es gerade um die Weihnachtszeit herum sehr schwierig war. Da habe ich sehr gelitten und gehadert mit mir selber. Das war alles andere als einfach.

Und wie gingen Sie Ihre körperlichen Probleme an? Kopfverletzungen sind ja meist sehr unberechenbar.

Gleichzeitig mit dem Schritt zum Sportpsychologen entschlossen ich und das medizinische Team des SC Bern, den Weg via «Swiss Concussion Center» in Zürich zu beschreiten. Dort ging ich in die Therapie. Gleichzeitig machte ich dreimal täglich spezielle Übungen.

Wie war es dann, nach dieser langen Absenz wieder in den Spielbetrieb zurückzukehren?

Am Anfang nach meiner Rückkehr hatte ich schon meine Schwierigkeiten. In der Serie gegen Genf fehlte mir das Timing und auch das Vertrauen. Punkto Physis konnte ich – im Rahmen der Möglichkeiten – zum Glück immer recht viel investieren. Und bevor ich zurückkehrte, war ich schon zweieinhalb Wochen zusammen mit der Mannschaft auf dem Eis im Training. Das hat schon viel gebracht.

Sind Sie selber auch überrascht, wie gut Sie schon wieder spielen?

Das soll jetzt nicht arrogant tönen: Aber ich habe mir immer zugetraut, so stark zurückzukehren. Ich habe immer gewusst, dass ich gut bin. Das Selbstvertrauen, diese Selbstsicherheit habe ich. Und die braucht man auch, wenn man auf diesem hohen Level bestehen will. Ich fühle mich gut bei dem, was ich mache, und bin von mir selber überzeugt.

Haben Sie keine Angst, wieder in die Zweikämpfe zu gehen?

Angst nicht. Vielleicht eher Respekt. Ich versuchte am Anfang, das Spiel ein bisschen besser zu lesen, mich schlauer zu positionieren. Mit der Zeit vergisst man das aber wieder. Dann macht man alles wieder instinktiv. Klar ist aber: Man muss sich nach so einer Verletzung sicher damit auseinandersetzen, dass Eishockey ein Körperkontakt-Sport ist. Dem kann man nicht aus dem Weg gehen. Irgendwann muss man den Schritt auf das Eis wieder wagen. Aber klar: Ein Schlag an den Kopf kann immer passieren. Ob mit oder ohne Absicht – es gehört dazu.»