Am 9. März holte sich der neue FCB-Partnerklub Chennai City FC zum ersten Mal die indische Meisterschaft. Jetzt berichten unterschiedliche indische Medien von einem möglichen Korruptionsskandal. Damit rückt auch der FC Basel in ein schlechtes Licht. Dessen Holding AG hatte Anfang Februar 26 Prozent des indischen Vereins übernommen.

Chennai wird vorgeworfen, die Meisterschaft manipuliert zu haben. Minerva Punjab soll am letzten Spieltag der Saison absichtlich gegen Chennai verloren haben. Der indische Fussballverband (AIFF) soll gemäss eines nicht namentlich genannten Verbandsoffiziellen umgehend Ermittlungen aufgenommen haben. Er wird mit folgenden Worten zitiert: «Die AIFF schaut sich die Sache an. Ein Integritätsbeauftragter ist schon an der Arbeit.»

FCB und Chennai und AIFF dementieren die Gerüchte

Gemäss Recherchen dieser Zeitung hat der Verband tatsächlich eine Ermittlung gestartet. Das Ergebnis wird in den kommenden Tagen erwartet. AIFF-Präsident Kushal Das erklärte aber in der «Times of India» bereits am Dienstag, das Chennai und Minerva nichts falsch gemacht hätten und es keine Beweise für eine Spielmanipulation gäbe.

Der FCB wurde von den Schlagzeilen aus Indien überrascht und äussert sich am Nachmittag in einem offiziellen Statement wie folgt: "Gemäss Rücksprache mit den  Klubverantwortlichen des CCFC entbehren die Gerüchte jeglicher Grundlage." 

Das Statement des FCB im Wortlaut:

Fakt ist aber, dass der Spielverlauf des letzten Saisonspiels durchaus verdächtig war. Chennai musste – nach einer überraschenden Niederlage am vorletzten Spieltag – unbedingt gewinnen, um nicht noch von East Bengal überholt zu werden. Der Tabellenletzte Minerva führte zur Halbzeit mit 1:0. Chennai drohte die sicher geglaubte Meisterschaft noch zu verlieren.

Doch in der zweiten Halbzeit drehte Chennai das Spiel und gewann mit 3:1. Der Spielinspizient des indischen Fussballverbandes, Balasubramaniam Byrappa, erwähnt in seinem offiziellen Bericht an den Verband keine Bedenken. Nach dem Spiel bemängelte er aber in einer separaten E-Mail an den Verband die Spielart von Minerva: «Das Spiel wurde nicht mit dem richtigen Spirit gespielt».

Dubioserweise wurde diese E-Mail von einer Fangruppe des Tabellenzweiten East Bengal veröffentlicht. Der Verband hat aber mittlerweile bestätigt, dass diese E-Mail echt ist. Der Inspizient hält demnach fest, dass in folgenden Aktionen ein Fehlverhalten möglich gewesen sei. Noch vor dem Ausgleich wechselte Minerva den besten Stürmer und Torschützen zum 1:0 aus. Beim Stand von 1:2 wechselte Minerva noch zwei weitere «gut spielende» Offensivkräfte aus. Beim 1:1 von Pedro Manzi soll der Chennai-Toptorschütze vor der Ausführung seines Penaltys in die Ecke gezeigt haben, in die er kurz darauf schoss. Der Torhüter sprang auf die andere Seite. Auch der sonst gerne einmal aufbrausende Minerva-Manager Ranjit Bajaj soll sich ungewöhnlich still verhalten haben.

Penaltyzeichen und dreimal der selbe Schiri

Das Argument mit dem Elfmeter lässt sich dank eines Videos überprüfen. Tatsächlich zeigt Manzi deutlich mit dem Finger nach links. Der gegnerische Torhüter schaut ihm zu diesem Zeitpunkt direkt an und entscheidet sich anschliessend für die andere Ecke. Diese Aktion lässt vor allem für die Fans des Tabellenzweiten East Bengal keinen anderen Schluss zu, als das sich Chennai und Minerva abgesprochen haben. Auch die Tatsache, dass an den letzten drei Saisonspielen von Chennai immer ein und dasselbe Schiedsrichtergespann eingesetzt wurde, giesst ordentlich Öl in die Gerüchteküche.

Ist dieses Handzeichen ein Indiz für die Abmachung? 

 

Bislang scheint es, als liessen sich diese Vorwürfe nicht beweisen. Die AIFF will sich auf Anfrage nicht offiziell äussern. Ein Verbandssprecher lässt im Telefongespräch mit dieser Zeitung aber durchblicken, dass die AIFF diese Vorwürfe nicht einfach so im Raum stehen lassen kann und deshalb eine Ermittlung gestartet hat. Doch intern stützt man die Meinung von Präsident Das und geht davon aus, dass sich der Manipulationsverdacht nicht erhärten lässt und Chennai City keine Konsequenzen zu befürchten hat. Das mit dem Zeichen vor der Ausführung des Elfmeters sei übrigens in Indien ein beliebter Trick von Schützen, um den Torwart zu irritieren. Manzi hat das bei anderen Penaltys in dieser Saison, von denen es im Internet Videos gibt, aber nicht gemacht. Doch ein Beweis ist auch das nicht.